192 Annalen der Hydrographie' und Maritimen Meteorologie, Mai 1917.
eher einem andern Typ zuzurechnen sein; der dritte zu dieser Gruppe gerechnete
Aufstieg vom 15. Mai hat eine Anfangstemperatur von 18° C!
Die fünf Flüge des 20. Mai werden noch besonders in einer Isoplethen-Darstellung
zusammengefaßt. Während die allerunterste Schicht zwischen 9% vorm.
und 3'!/,® nachm. ihre Temperatur nur um rund 1° erhöht, tut es die Schicht
zwischen 200 und 300 m um 4°, von 7° auf 11°. Wood schreibt das wohl mit
Recht dem Heranströmen von Luft zu, die im Laufe des Tages über dem Festlande
erwärmt wurde; die Erklärung ist bei der herrschenden Windrichtung und
Windgeschwindigkeit von etwa 7 m/sek. und einer Landentfernung von etwa
120 bis 150 km plausibel.
Die gemachten Erfahrungen und Ergebnisse geben hoffentlich Anlaß zu
weiteren Versuchen in dieser Richtung und verdienen vor allen Dingen auch
Nachahmung in anderen Gebieten des Meeres. Wir wissen ja leider über die
Aerologie des freien Ozeans noch viel weniger als über die der Kontinente.
Zumal wenn, wie in diesem Falle, ein offenbar im wesentlichen anderen Zwecken
dienendes Schiff zu solchen Arbeiten benutzt wird, ist ein so hochwertiges Nebenprodukt,
wie es solche Drachenaufstiege sind, mit verhältnismäßig nicht hohen
Kosten zu erzielen und ist darum noch besonders erfreulich, E, Barkow.
2. Die Eisverhältnisse der nordpolaren Meere im Jahre 1916. Nach
Danske meteorologiske Instituts nautisk-meteorologisk Aarbog 19161).
Mit gewohnter Pünktlichkeit ist wieder der Bericht über die Eisverhältnisse
der nordpolaren Meere erschienen, herausgegeben vom Dänischen Meteorologischen
Institut, der internationalen Sammelstelle für die Eisberichte. Die
Bearbeitung ist, wie in den letzten Jahren, durch Kapitän C. J. H. Speerschneider
erfolgt; ein kurzer Auszug aus dem dänischen Bericht wird hier wiedergegeben.
Weißes Meer?). Die Schiffahrt nach Archangel wurde im Dezember 1915
geschlossen, nachdem schon in den vorhergehenden Monaten das Eis große
Schwierigkeiten verursacht hatte, und die Schiffahrt nur durch zahlreiche Eisbrecher
offen gehalten werden konnte. Im Frühjahre 1916 waren die KEisverhältnisse
sehr ungünstig; mit Hilfe der Eisbrecher konnte die Schiffahrt etwa
um die Mitte des Monats hier eröffnet werden, hatte aber noch mit Eisschwierigkeiten
zu kämpfen. Im Anfang November war das Weiße Meer noch eisfrei,
Kara-See. Nachrichten fehlen. (Nach anderen Quellen ist aber die
Schiffahrt nach der Jenissei-Mündung auch in diesem Jahr erfolgreich gewesen.)
Barents-See, Im März. und April war wenig Eis im zentralen Teil des
Meeres, während im Mai und Juni hier viel Eis getroffen wurde. In den folgenden
Monaten besserten sich die Verhältnisse, so.daß im August ein Segler bis King
Charles-Land vordringen konnte; vom östlichen Teil fehlen Beobachtungen. Die
Bären-Insel war das ganze Jahr bis Oktober eisfrei,
Spitzbergen. Ziemlich ungünstige Verhältnisse. Die Westküste war bis
September von Eis besetzt, und im Oktober scheint schon wieder Eis um das
Südkap herum getriftet zu sein. Das Eis erstreckte sich längs der Küste sehr
weit nach Norden und reichte im Juli noch bis zur Amsterdam-Insel. Gegen
Ende September war die Westküste vom Südkap bis zum Eisfjord eisfrei. Im
Juni gelangte ein Segler an der Nordküste bis zur Hinlopenstraße,
Ostgrönland. Von der Ostküste Grönlands fehlen Nachrichten über die
Lage des Eises in See. Nur von Angmagsalik wird berichtet, daß nach dem
9. August hier die Küste eisfrei gewesen ist. Am 10. September wurde der
Hafen von dem Dampfer »Godthaab« angelaufen, der bei Hin- und Rückreise
das Meer hier eisfrei fand,
Island. Ziemlich günstige Eisverhältnisse im Gegensatz zu 1914 und
1915. Während der ersten Monate des Jahres waren die Küsten meist eisfrei,
im Juni näherte sich das Eis dem Nordkap von Nordwesten und lag Ende Juni
und Anfang Juli dicht bei dem Nordkap und breitete sich auf der Huna-Bai aus.
1
)
Siehe auch »Ann, d. Hydr. usw.« 1916 S. 289.
Vel. ebenda 1916 S. 525