Schneider, J.: Die Wiederkehr der jährlichen und monatlichen Änderungen des Luftdrucks usw. 185
sich abhebt. Auf der Kartenmitte tritt dieser Bereich in Berührung mit einem
ebenso großen im Südwesten, welchem hohe Barometerstände während der beiden
zur Untersuchung gebrachten Jahrzehnte eigen waren. In den letzteren Bezirk
schneidet von Südwesten her ein gestricheltes Feld, das größere Teile von Spanien
und Frankreich, ebenso von England und Irland in sich zwingt. Zwei Abschnitte
gleichen Charakters sind nach Nordwesten und nach Südosten hin in Keilform
zwischen die beiden wiederkehrsicheren Felder eingeklemmt. : Der eine von ihnen
erstreckt sich mit Erfassung der nordöstlichen Ecke Schottlands über die Nordsee
zum offenen Atlantischen Ozean hinaus; der andere strebt dem Schwarzen Meere
und seiner Umgebung zu. — ;
Obwohl zugegeben werden muß, daß die beschriebenen Kartenbilder bei
einer neuen Wiederholung der ganzen Untersuchung in den Einzelheiten mancherlei
Änderungen erfahren können, so hat doch wohl auch die Annahme ihre Berechtigung,
daß uns aus ihnen in großen Zügen der wahre natürliche Sachverhalt entgegen-
leuchtet. In dieser Ansicht dürften wir bestärkt werden durch einen Rückblick auf
die Gesamtheit unserer Ergebnisse. .
Fast bei jedem der untersuchten Umläufe heben sich aus der Reihe seiner
Kartenbilder einzelne durch ihr charakteristisches Gepräge besonders heraus. So
herrscht unter einer mehr oder weniger starken Verdrängung der Vertikalstreifen
die wagrechte Strichführung sehr vor auf den Karten für März, für die Stellungen a
und k, vielleicht auch für 4 und 5 sowie für die Mondphase A. Demgegenüber zeigen
die Kartenfelder vorzugsweise senkrechte Schraffierung im September, zur Zeit
der Stellungen f und h, sowie 1 und ganz besonders zur Zeit der Mondphase G. Da-
neben lassen andere Karten wieder ein ziemlich gleich ausgedehntes Auftreten von
horizontalen und vertikalen. Parallelen erkennen, allerdings in jedem einzelnen
Bild mit einer besonderen Verteilung beider Liniengruppen. Die senkrechten Geraden
können z.B. hauptsächlich im nördlichen, die wagrechten mehr im südlichen
Europa erscheinen, wie es der Fall ist für die Bahnabschnitte, welche den Monaten
April, Mai, Juni und den Bezeichnungen 2 — b, e, d — C, D entsprechen. Bei
anderen Karten ist es gerade umgekehrt. Hier sind zu nennen die Zeichnungen
für November, Dezember, Januar, Februar — 3, 5 — g, i,k — H. In den übrigen
Kartenbildern finden wir die eine Schraffierung mehr im Osten, die andere mehr im
Westen vor, oder die Lagerung beider ist in bezug auf die Himmelsgegenden mit
weniger Entschiedenheit zum Ausdruck gekommen. Aber auch derartige Karten
ordnen sich meist sehr schön in die Reihe der anderen ein, so daß wir uns zu dem
Satz berechtigt fühlen: In der Verlagerung der positiven und negativen
Treffergebiete machen sich so deutliche jährliche und auch so regel-
mäßige monatliche Wechsel geltend, daß darin ein neuer Beweis
für den periodischen Einfluß von Sonne und Mond auf die Luft-
druckverteilung über Mitteleuropa zu erblicken ist. Bestimmteres soll
in dieser Hinsicht später ausgesagt werden, wenn die Mitteilungen über die mutmaß-
liche Stärke der Luftdruckänderungen vorliegen.
Hier sei nur noch auf etwas anderes hingewiesen. Aus den bisher betrachteten
Karten geht unzweifelhaft hervor, daß die periodischen Änderungen des Luftdrucks
an den verschiedenen Orten Europas durchaus nicht in dem gleichen Sinne verlaufen.
Sie sind jeder einzelnen Stelle eigentümlich und in erster Linie durch deren geogra-
phische Lage bedingt. Daher kann sich auch .an einem Orte im Norden Europas
sehr wohl die entgegengesetzte jährliche oder monatliche Änderung des Barometer-
standes zeigen wie an einem Orte im Süden unseres Erdteils. Man darf also von der
Änderung des Luftdrucks an einem gegebenen Punkt keine unbedingt sicheren
Schlüsse ziehen wollen in bezug auf die Schwankungen, welche bei derselben Größe
gleichzeitig an einer anderen Stelle der Erdoberfläche statthaben müssen,
(Schluß folgt.)