Schneider, J.: Die Wiederkehr der jährlichen und monatlichen Änderungen des Luftdrucks usw. 177
In ganz auffallender Weise tritt hier besonders der alles überragende Ein-
fluß des tropischen Mondumlaufs hervor. Für ihn finden wir bei den Zeichen-
prozenten nicht weniger als 70, bei den Zifferprozenten sogar 71.2 vermerkt. Im
Gegensatz dazu sind aber für die beiden anderen Mondumläufe die Prozentzahlen
den früheren Bestimmungen gegenüber ganz erheblich heruntergegangen und nicht
unbeträchtlich unter den Grenzwert 50 herabgesunken. So sehen wir für den
anomalistischen und den synodischen Mondumlauf bei den Zeichenprozenten nur
33.3 und 37.5, bei den Zifferprozenten 38.8 und 40.2 eingetragen. Obwohl diese Zahlen
zum Nachweis eines Mondeinflusses auf den Barometerstand durchaus untauglich
sind, so soll doch nicht versäumt werden, auf den erfreulichen Umstand hinzuweisen,
daß auch in diesen Fällen wie im ersten eine merkliche Steigerung der Prozent-
zahlen in dem zu erwartenden Sinn stattgefunden hat. Etwas anders liegen die
Verhältnisse bei dem Ergebnis für den Sonnenumlauf. Hier ist ebenfalls die Zeichen-
prozentzahl stark gesunken, nämlich von 73.0 auf 66.7. Diese Abnahme hat sich aber
bei den Zifferprozenten fortgesetzt, so daß der Wert 65.7 und damit eine Einbuße
von im ganzen 13.9°%, erreicht wurde.
Durch diese Untersuchung sehen wir uns vor eine merkwürdige. Tatsache
gestellt: Der Einfluß von Sonne und Mond auf den Barometerstand. kommt deut-
licher zum Ausdruck, wenn man die jährlichen und monatlichen Änderungen des
Luftdrucks an den einzelnen Orten für sich allein betrachtet, als wenn man seine
durchschnittlichen Anderungen über dem gesamten Mitteleuropa zum Vergleich
heranzieht. Worin diese sonderbare Erscheinung ihren Grund hat, läßt sich mit
Bestimmtheit nicht angeben. Es ist zu vermuten, daß für die Sonne die von ihr
ausgehende zeitlich und örtlich sich ändernde Wärmewirkung dabei eine Rolle
spielt. Für den Mond mag vielleicht der Umstand maßgebend sein, daß der Ein-
fluß des tropischen Umlaufs gegenüber dem des anomalistischen und synodischen
überwältigend groß ist. Unsere Ergehnisse sind nun zustande gekommen unter dem
Zusammenwirken der drei verschiedenen Mondumläufe. Wie erheblich aber die
gegenseitige Störung der Einzelwirkungen im Laufe der Zeit sein können, das hat
Herr Oberstleutnant F. Schuster im Jahrgang 1914 und 1916 dieser ‚„Annalen*‘
für die Luftdruckänderungen zu Karlsruhe in sehr anschaulicher Weise muster-
gültig nachgewiesen. Eine Übertragung seiner Untersuchung auf das ganze mittel-
europäische Gebiet wird später kaum zu umgehen sein.
Neue Gesichtspunkte über die Wiederkehr der jährlichen und monatlichen
Luftdruckänderungen in Mitteleuropa treten hervor, wenn man bei weiteren Ver-
gleichen die geographische Lage der Örter in Betracht zieht, an welchen diese Ände-
rungen bemerkbar gewesen sind. Hierdurch können bestimmtere Aufschlüsse darüber
erlangt werden, wo die Stellen liegen, an welchen sich wiederholt positive oder
negative Abweichungen vom mittleren Barometerstand ergeben haben. Im Anschluß
daran wird es möglich, die Gebiete Europas deutlich. vor Augen zu führen, in welchen
sich zur Zeit der einzelnen Sonnen- und Mondstellungen dem jeweiligen Mittelwert
gegenüber höhere oder tiefere Barometerstände erwarten lassen. Gerade über diesen
sö wichtigen Punkt ist aus den bisher betrachteten Tabellen nicht das Geringste
unmittelbar zu entnehmen, . |
| Zur näheren Aufklärung des daraufbezüglichen Sachverhalts ist mit den
Ergebnissen der obigen Tabellen 3 bis 6 eine ähnliche Kartengruppe für den Zeit-
raum 1897 bis 1906 konstruiert worden, wie sie für das vorausgegangene Jahrzehnt
in den Tafeln 17, 18 und 19 des Jahrganges 1913 dieser Annalen vorliegt. Der Raum-
ersparnis wegen wurde aber von der Wiedergabe der neuen Karten hier abgesehen.
Statt ihrer finden wir auf den Tafeln 6 und 7 Kartenbilder, welche durch Über-
einanderlagerung entsprechender Zeichnungen aus den beiden Jahrzehnten erhalten
werden konnten. Auf ihnen galt es, die Felder, in welchen Treffer, und die, in denen
Nichttreffer erzielt worden waren, festzulegen und in besonderer Weise für das
Auge ersichtlich zu machen. Zu diesem Zwecke wurden diejenigen Gebiete, für
welche sich in den zwei untersuchten Zeiträumen bei den Abweichungen vom
mittleren Barometerstand dieselben Vorzeichen herausgestellt haben, durch aus-
gezogene und die Teile des Kartenfeldes, für welche das nicht der Fall war, durch
unterbrochene Parallelstreifung gekennzeichnet, Bereiche mit wiederholt fest-
Ann. d. Hydr. usw. 1917. Heft V.
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