162 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1917.
Ermittlung der mittleren Ortszeit aus dem Stundenwinkel der Gestirne und bei
dem umgekehrten Verfahren, die bürgerliche Vormittagszeit mit einem um zwölf
Stunden geänderten Werte in Rechnung zu setzen. Für die Kaiserliche Marine
hat der Ersatz der astronomischen Zeitzählung bei der Übermittlung von F.T.-
Meldungen durch die bürgerliche Zählung von Mitternacht zu Mitternacht von
0 Uhr bis 24 Uhr den Weg für die Einführung der entsprechenden bürgerlichen
Zeitrechnung für die astronomische Nautik in hohem Grade geebnet. Die da-
durch notwendig werdende Berücksichtigung der erwähnten zwölf Stunden bei
den genannten Rechnungen läßt sich beim Unterricht sehr leicht aus der Figur
ableiten und ist, worauf ein entscheidendes Gewicht zu legen ist, von jeglicher
Klippe der Datumsbestimmung frei, die bei der Ermittlung der astronomischen
Greeenwicher Zeit für die Entnahme der Jahrbuchsgröße störend auftritt. Die
Berücksichtigung dieser zwölf Stunden kann rechnerisch in verschiedener Weise
geschehen. Auf keinen Fall kann aber die Rücksicht auf diese leichte Um-
rechnung der mittleren Ortszeit in den Stundenwinkel von Mond, Fixstern oder
Planet und umgekehrt eine Begründung sein für das Verfahren, die ganze Ein-
richtung des nautischen Jahrbuches auf der Grundlage der astronomischen Zeit-
rechnung durchzuführen.
Die Auffassung, daß diese beim nautischen Unterricht für den Schüler
unverständliche Zeitrechnung in der Praxis an Bord unübersichtlich und un-
praktisch ist, hat dazu geführt, daß vom Jahre 1912 an das Datum und die
Zeit des Hoch- und Niedrigwassers in Cuxhaven und an der London-Brücke
bürgerlich angegeben wurde. Seit 1915 sind in den Gezeitentafeln des Reichs-
Marine-Amts auch die Meridiandurchgänge des Mondes in Greenwich in bürger-
licher Zeit angegeben, Hoffentlich bietet sich bald die Möglichkeit, durch ent-
sprechende Änderung des nautischen Jahrbuches den nautischen Unterricht von
dem Fremdkörper der astronomischen Zeitzählung zu befreien im Interesse der
Vereinfachung und damit auch der größten Sicherheit der nautischen Rechnungen.
Dr. Bolte.
Die Wiederkehr der jährlichen und monatlichen Änderungen des Luft-
drucks über Mitteleuropa.
Von Professor Dr. JS. Schneider in Darmstadt.
(Hierzu Tafel 5, 6 und 7.)
Nachfolgende Abhandlung schließt sich an eine ihr ähnliche!) an, welche
im Dezember 1913 in diesen Annalen erschienen ist. Hier wie dort dienten die täg-
lichen Wetterkarten der Deutschen Seewarte zur Grundlage für die ganze Unter-
suchung. Die Wahl, Lage und Bezeichnung der in Betracht gezogenen Örter sind
dieselben geblieben. Ebenso haben der Gang und die Art der Bearbeitung des Zahlen-
werks keinerlei Änderung erfahren. Alles Nähere hierüber kann in der früheren Ver-
öffentlichung nachgelesen werden.
Bei der Bedeutung, welche den Ergebnissen der vorerwähnten Arbeit zu-
geschrieben werden darf, schien eine Kontrolluntersuchung wohl angezeigt. Diese
sollte sich indes auf ganz neues Beobachtungsmaterial stützen. Daher wurde hier
nicht wieder vom Jahrzehnt 1887 bis 1896, sondern von dem Jahrzehnt 1897 bis
1906 ausgegangen. Ein solches Verfahren ermöglicht zunächst die ziffernmäßige
Erfassung der Wiederkehr periodischer Luftdruckänderungen. Außerdem aber
jJassen sich durch Vereinigung der alten und neuen Resultate Werte erzielen, die
als Frucht der Beobachtungen aus einem Zeitraum von nicht weniger wie 20 Jahren
einen besonders hohen Grad der Zuverlässigkeit beanspruchen dürfen.
i) Die jährliche und die monatlichen Änderungen der Luftdruckverteilung über Mitteleuropa,
Von Professor Dr. J. Schneider.