Paulus: Über Dampferwege nach Cuba und Fahrt im Golf von Mexico. 157
laufen nach dem. Hafen mit in Rechnung zu ziehen ist. Im übrigen scheint
dieser Strom nur in der Nähe der Küste zu setzen, denn wir. haben während
oder nach einem Norder nie etwas davon bemerkt, wenn wir von See aus Vera
Cruz ansteuerten. .
Alle Häfen an der Ostküste von Mexico werden von Galveston aus ge-
warnt, wenn ein Norder zu erwarten ist. Die Warnungen, in Vera Cruz waren
öfters wenig zuverlässig. Es kam vor, daß das Signal zwei Tage lang wehte
und wieder niedergeholt wurde, ohne daß ein Norder gekommen ist. Ein anderes
Mal wurde das Signal nur zwei Stunden vorher gegeben. In Tampico waren‘
die‘ Warnungen zuverlässiger. In Vera Cruz war im allgemeinen schwüle,
drückende Luft die beste. Warnung. Temperaturfall bei mäßigem NO-Wind hatte
nicht immer einen Norder zur Folge.
Ölflecke. Im Golf von Mexico, namentlich in seinem südlichen Teil,
sicht man an verschiedenen Stellen oft verfärbtes, Wasser, wie es über einer
Untiefe zu sein pflegt. Auch wir bemerkten am Rande der Campeche-Bank, als
wir querab von West Triangle waren, einen Streifen gelbes Wasser, der sich
so weit hinzog, wie wir mit dem Glas sehen konnten. Auf unsere Erkundigungen
wurde uns mitgeteilt, daß dies Ölflecke wären, Auf meiner 2'/, jährigen Fahrt
nach diesen Gegenden habe ich dann noch mehrmals solche Ölflecke gesehen,
Paulus.
Kleinere Mitteilungen.
Der tägliche Gang der Lufttemperatur in sehr hohen Luftschichten.
(Hierzu Tafel 4.)
Im Juli 1914 wurde zu Omaha in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
eine größere Reihe von Registrierballon-Aufstiegen gemacht, zu dem Zweck, die
tägliche Anderung der meteorologischen Elemente bis zu großen Höhen zu er-
forschen. W. Blair berichtet darüber im »Monthly Weather Review«, Mai 1916,
S. 247 bis 264. Am 17. und 18. Juli stiegen die Ballone in Zeitabständen von
21/, Stunden, während an mehreren Tagen vorher und nachher noch je ein Ballon
hinaufgesandt wurde. Die Ballone wurden zum erstenmal in Amerika von zwei
Punkten: aus mit Theodoliten verfolgt, um genaue Werte der Höhe zu bekommen.
Die Basis betrug rund 5 km. Die erreichten Höhen sind recht beträchtlich; unter
den 18 Aufstiegen erreichten 8 mehr als 20 km Höhe, der höchste sogar 31.6 km,
Die mittlere Temperaturverteilung entsprach der normalen. Die tiefste Temperatur
findet sich im Durchschnitt in 16 km Seehöhe, sie beträgt im Mittel —57° C und
schwankt zwischen —52° und — 69°,
Der tägliche Gang der Temperatur zeigt schon die charakteristischen
Züge, die für die untersten Schichten durch Drachenaufstiege in Amerika und
Europa näher bekannt geworden sind. Daher darf man wohl auch den Er-
gebnissen der höchsten Schichten einiges Vertrauen entgegenbringen, trotz der
noch. recht geringen Zahl der Aufstiege. Die ausgeglichenen Kurven. sind in
der Tafel 4 wiedergegeben. Als wesentlichste Züge seien hervorgehoben, die. in
der Hauptsache einfache Welle am Boden und die schnelle Abnahme ihrer
Amplitude mit der Höhe. Von 1km Höhe an tritt die ganztägige Welle stark
zurück, um einer Doppelwelle Platz zu machen, deren Amplitude mit der Höhe
zunimmt und von etwa 4 km an wieder kleiner wird. In 7 km Höhe haben wir
wieder eine geringe Gesamtschwankung. Darüber scheint die Doppelwelle ganz
zurückzutreten gegen eine einfache Welle, deren Maximum zwischen 10 und 11 Uhr
morgens, also vor dem höchsten Sonnenstande, eintritt, Ihre Amplitude ist recht
beträchtlich und beläuft sich in 10 km Höhe auf etwa 13° C: Daß das Maximum
vormittags liegt, führt W; Blair auf den speziellen Gang der Feuchtigkeit in
dieser Periode in den Schichten bis zu 12 km Höhe zurück. Das Auftreten eines
stärkeren täglichen Temperaturganges in solchen Höhen widerspricht allerdings