156 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1917.
aoch drei Stunden lang bei, steuert dann aber bis zur Campeche-Bank 4° süd-
licher wegen des Stromes. Ist man auf der Bank, so hält man wieder 3° nörd-
licher und wird, wenn man diesen Kurs beibehält, 88° W-Lg. in ungefähr
22° 835’ N-Br. schneiden und dabei außerhalb der 37 m-Grenze bleiben. . Von
88° W-Lg. wird der Kurs recht auf oder ein paar Seemeilen nördlich von West
Triangle gesetzt, wobei man schnell innerhalb der 37 m-Grenze kommt.
Der Golfstrom soll sich im allgemeinen auf der Campeche-Bank nicht
regelmäßig bemerkbar machen. Ich habe aber auf der Bank immer West-Strom
angetroffen, das eine Mal mehr als das andere Mal, und daher bis zur 37 m-
Grenze immer 1° Trift gerechnet für auf das B-B.-Achterschiff drückenden Strom,
Zu einer Zeit, wo wir sicher waren, daß wir noch nicht innerhalb der 37 m-
Grenze waren, wurde dann begonnen, jede Stunde zu loten. Die Anzahl Lotungen
anter 37 m gaben uns Anhalt, ob oder wieviel wir durch den Strom versetzt
wurden.‘ Auf diese Weise konnten wir immer gutes Besteck halten, namentlich
wenn es durch Regen unsichtig war und bedeckte Luft keine astronomischen
Beobachtungen erlaubte. Ist man sicher, astronomische Beobachtungen zu be-
kommen, so ist das Loten nicht nötig. Wir haben es jedoch immer getan, um
festzustellen, wieviel Wert man den Lotungen beimessen kann.
Von West Triangle kann man den Kurs auf Vera Cruz oder einen Hafen
südlich davon setzen und entgeht dadurch allen weiteren Gefahren am Rande
der Campeche-Bank.
Ist man nach Tampico bestimmt, so fährt man südlich vom Alacran-Riff
und nördlich von Cay Arena entlang, Auch braucht man nicht mit einem auf
das B-B.-Achterschiff drückenden Strom zu rechnen, der auf der westlichen
Hälfte der Bank recht mit dem Kurs mitläuft.
Uber das Navigieren im Golf von Mexico selbst geben die Segelanweisungen
genügende Auskunft, die Leuchtfeuer findet man in den betreffenden Leucht-
feuerverzeichnissen. Der Leuchtturm auf Lobos-Eiland ist in allen Veröffent-
lichungen als weiß gemalt angegeben. Er soll jedoch zur besseren Erkennung
mit weiß und rot gemalten Streifen versehen worden sein. Wir konnten die
Farbe des Turmes, der wegen des hohen Baumwuchses schlecht zu sehen ist,
nicht gut ausmachen,
Norder. In Vera Cruz gab das Barometer im allgemeinen keine Warnung,
während es in Tampico ziemlich fiel, wenn ein Norder im Anzuge war. Stets
fing das Barometer ‚aber wieder an zu steigen, ehe noch der Wind durch-
gekommen war. Von der dunklen Wolkenbank, die gewöhnlich beim Einsetzen
eines Norders sichtbar sein soll, wurde selten etwas bemerkt; auch hatten wir
nie trübes Wetter während eines Norders, manchmal war es sogar sehr klar.
Nebel soll ebenfalls ein Anzeichen für einen herannahenden Norder sein. Wir
bemerkten jedoch, daß bei Tampico erst dann Nebel einsetzte, nachdem sich der
Wind, hauptsächlich morgens, nach einem Norder wieder gelegt hatte. Der
Nebel war immer sehr dicht, hing niedrig über Wasser und war an die Küste
yebunden. Gegen 11% wenn die Sonne mehr Kraft hatte, verzog sich der Nebel
jedesmal.
Der Zeitraum zwischen zwei Nordern beträgt manchmal nur ein paar
Tage. Wir wenigstens wurden, kaum zwei Stunden in See, von einem Norder
eingeholt, nachdem wir zwei Tage vorher in Tampico einen Norder zu über-
stehen gehabt hatten. Der neue Norder, vor dem wir mit aller Fahrt wegliefen,
folgte uns bis in die Nähe von Puerto Mexico, wo er jedoch schon viel von
seiner Kraft verloren hatte und nur noch mit Stärke 6 bis:7 wehte. Von Orts-
kundigen wird dazu gesagt, daß, wenn das Barometer beim Einsetzen eines
Norders nicht schnell, sondern nur langsam und nicht zu seiner normalen Höhe
steigt, bald ein neuer Norder zu erwarten ist.
Nach einem Norder wurde immer ziemlich kräftiger Strom nach Süden
beobachtet, der beim Umfahren von Lobos-Eiland wohl zu berücksichtigen ist,
wenn man von Süden her Tampico ansteuert. Auch auf unserer Reise nach
Puerto Mexico hatten wir südlichen Strom bis in die Nähe des Hafens. Hier
bog er nach OSO ab und setzte an den Ladebrücken vorbei, was beim Ein-