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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1917.

die Reibung im Sommer größer sein als im Winter. Der Begriff des Turbulenzkörpers
 gibt uns also hier erst das richtige Verständnis für diesen jährlichen Gang
des Reibungskoeffizienten.
Wie Tabelle 1 zeigt, ist die Größe des Turbulenzkörpers eine in erster Näherung
lineare Funktion der Windgeschwindigkeit. Die Reibung müßte also auch von der
Windgeschwindigkeit abhängig sein, und zwar müßte sie um so größer sein, Je stärker
der Wind ist. Nach Hesselberg und Sverdrup!) nimmt nun tatsächlich die
Reibungskraft, abgesehen von den kleinsten Geschwindigkeiten, in erster Näherung
proportional mit der Windgeschwindigkeit zu.
Die Abhängigkeit der Windgeschwindigkeitszunahme von der vertikalen
Temperaturverteilung läßt sich nun auch noch direkt zeigen. Wenn ich das durch
die Drachen- und Ballonaufstiege in reichem Maße zur Verfügung stehende Material
unter dem Gesichtspunkt der Temperaturgradienten ordne, so müßte sich dieser
Zusammenliang zeigen. Aus Zeitmangel‘ist es mir leider nicht möglich, dies mit
den veröffentlichten aerologischen Daten zu tun. Ich habe aber bei der Bearbeitung
der Drachenaufstiege der Deutschen antarktischen Expedition die Zahlen nach
diesem Gesichtspunkte zusammengestellt und will die entsprechende Tabelle (2)

Tabelle 2.

Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe in Prozent des Bodenwindes
nach den Drachenaufstiegen der Deutschen Antarktischen Expedition 1911—1912,

Temperaiurdifferenz
Boden bis 00 m Höhe

>4.°C0
2.°0 bıs 3.99
0.°0 « 1.°9
—_().°1 « — 2.°0
— 2,91 « — 5.°%
— 5,91 « — 10.°0 |
> (— 10.°01

Aufstiegs-| Boden- *
zahl !m p. Sek.

200 | 400 | 500 ! 600 1 800 | 1000

26
17
Li}
1?

3. 38 4: s4
6.9 64 33 5
7.2 65 69 64 WU
72 81 95 93 S6
6.1 93 118 16 | 115
5.4 103 | 116 113 | 115
4.9 119 113 103 | 99

49
(9 80
54 70
76 110
112 108
123 13
108 1 111

hier vorwegnehmen. Ich wähle sieben geeignete Gradientengruppen aus und nehme
als Auswahlprinzip die Temperaturdifferenzen zwischen dem Boden und 500 m
Höhe. Diese Differenzen sind in der ersten Spalte gegeben, die zweite enthält die
Zahl der benutzten Aufstiege und die dritte den Mittelwert des Bodenwindes, Der
besseren Vergleichbarkeit wegen berechne ich die Zunahme der Windgeschwindigkeit
 gegen den Bodenwind in Prozenten des Bodenwindes, Die Zahlen sind alle
nach der Differenzenmethode gefunden. Ich breche die Reihe mit 1000 m ab, weil
nach oben hin die Aufstiegszahlen zu gering werden. Die Tabelle zeigt sehr deutlich
und regelmäßig, daß die Windgeschwindigkeit um so stärker nach oben zunimmt.
je geringer der Temperaturgradient ist.
Nach den Untersuchungen von Exner?) sowie Hesselberg und Sverdrup*)
bewegt sich der Endpunkt des Windvektors, der den Wind nach Stärke und Richtung
darstellt, auf einer logarithmischen Spirale. Je stärker daher der Wind mit der
Höhe zunimmt, um so größer muß auch die Drehung der Windrichtung mit der
Höhe sein. Nach obigen Darlegungen ist also auch die Größe der Winddrehung
eine Funktion der vertikalen Temperaturverteilung. Tabelle 3, die ebenfalls die
Windverhältnisse in der Antarktis, wie Tabelle 2 darstellt, zeigt nun eine ganz
deutliche Zunahme der Drehung bei abnehmendem‘ Temperaturgradienten, Da
es sich um Werte von der Südhalbkugel handelt, geht die Drehung des Windes
mit der Höhe nach links, wie das Minuszeichen besagt. Auf der Nordhalbkugel
wäre es natürlich eine Rechtsdrehung. Die Drehungszunahme kommt nicht ganz
so gleichmäßig heraus wie bei der Windgeschwindigkeit, da die Windrichtung aus

1, Veröffentlıchu gen des Geophysikalischen Instituts der Universität Leipzig. 2. Serie
Heft 10, S. 293. ;
2, Ann. d, Hydr. nsw, 1912, S. 226 bis 29.
3 4. a. OO. S. 210ff.
            
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