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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1917,

Da die Wasserdampfmoleküle leichter sind als diejenigen des Sauerstoffs
und Stickstoffs, so muß in größeren Höhen eine Anreicherung von Wasserdampf
stattfinden. Etwa 2/, bis %, der Strahlungsenergie der Sonne, die in der Atmosphäre
 absorbiert werden, entfallen auf den Wasserdampf. Da nun auch in den
großen Höhen die Totalenergie bedeutend größer ist als an der Erdoberfläche,
so spielt die absorbierte Energie für die Temperatur der sehr hohen Luftschichten
eine bedeutende Rolle. Die Dichtigkeit des Wasserdampfs in der Stratosphäre
unterliegt zweifellos Schwankungen und hängt ab von der Tiefe der dort
herrschenden Temperatur. Da diese mit zunehmender Breite zunimmt, erhält
die darüberliegende Schicht in mittleren Breiten mehr Feuchtigkeit als in der
Nähe des thermischen Aquators. Ferner ist die Gesamtdauer der Sonnenstrahlung
 über dem Pol größer als über dem AÄquator. Während der Pol selbst
sechs Monate lang Sonnenschein hat, wird die Luft 30 km darüber bereits sieben
Monate bestrahlt und in etwa 524 km herrscht dauernder Sonnenschein. Da
nun die Absorption der Strahlung die Hauptwärmequelle in diesen hohen Schichten
ist, so folgt daraus, daß die Luft in den höchsten Schichten der höheren Breiten
mehr Wärme erhält als über dem Aquator. Die an der Erdoberfläche herrschenden
Verhältnisse kehren sich also um.
Die Erdstrahlung ist in niederen Breiten größer als in höheren, während
die Durchlässigkeit der Luft für diese Strahlung in polaren Gebieten wegen des
geringen Wasserdampfgehalts wesentlich größer ist. Ein Maximum der Erdstrahlung
 liegt also irgendwo in mittleren Breiten. Die wärmste Zone in diesen
sehr hohen Schichten dürfte daher nicht ganz am Pol liegen, sondern etwas
südlicher.
Endgültige Schlüsse können natürlich noch nicht gezogen werden. Dafür
sind die tatsächlichen Verhältnisse der höchsten Schichten noch lange nicht
bekannt genug. Es ist deshalb die Erforschung der großen Höhen der Atmosphäre
 soweit nördlich und südlich wie möglich eine dringende Aufgabe für die
Zukunft.

Über Dampferwege nach Cuba und Fahrt im Golf von Mexico”.

Unter obigem Titel veröffentlicht Kapt. C. de Korver vom Dampfer
»Gorredijk« im Dezemberheft der Zeitschrift »De Zee« einiges über seine Erfahrungen,
 die er auf 21/,jähriger Fahrt nach Cuba, Mexico und New Orleans
gemacht hat. Es wird davon das Folgende entnommen:
Vom Englischen Kanal nach Cuba führen verschiedene Wege, die alle in
dem von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Dampferhandbuch für den
Atlantischen Ozean eingehend beschrieben sind; auf dies sei besonders aufmerksam
 gemacht, es sollte auf keinem Schiffe fehlen. Nichtsdestoweniger möchte
ich auf einen Weg aufmerksam machen, den ich, nachdem ich auf dem nördlichen
 Wege?) einige unangenehme Erfahrungen gemacht hatte, im Sommer und
Winter mit gutem Erfolg eingeschlagen habe. Ich steuerte zunächst, um südlich
 vom Golfstrom zu bleiben, von Bishop Rock im größten Kreise nach 36° N-Br.
und 40° W-Lg. Wird man dabei auf dem letzten Stück dieses größten Kreises
auch- ziemlich nach Ost versetzt, so bleibt dieser Weg doch noch kürzer, als
wenn man südlicher, längs der Azoren steuert. Von 36° N-Br. und 40° W-Lg.
wurde dann Kurs auf Abaco gesetzt und durch den Providence-Kanal in die
Florida-Straße eingelaufen,
Der nördliche Weg kann nur im Winter benutzt werden, im Sommer muß
man des Eises halber weiter südlicher halten. Er ist, wenn auch 100 Sm kürzer,
selbst kräftigen Dampfern nicht zu empfehlen, da man in dieser Jahreszeit stets

5) »De Zee«, Dezember 1916. ;
2?) Gemeint ist wohl der im Dampferhandbuch 1913 unter Nr. 69 angeführte kürzeste Weg
vom Englischen Kanal nach der Florida-Straße.
            
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