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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Barkow, E.: W. Blair, Das planetare Windsystem.,

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beläuft, so folgt aus.der Zunahme des Stromquerschnittes. mit abnehmender
Breite, daß der östliche Strom in höheren Breiten außerordentlich mächtig sein muß,
Die allgemeine Nord- und Südbewegung des ganzen Windsystems dürfte
ihren Grund in einer aperiodischen Veränderlichkeit des Betrages von Sonnenenergie
 ‚haben, der die Erdoberfläche erreicht. Wenn sich die Erdoberfläche
stark erwärmt, so bildet sich leicht eine Wolkendecke, die .die Sonnenstrahlen
stark zurückwirft und wenig Sonnenwärme an die Erdoberfläche gelangen läßt.
Die Wolkendecke löst sich dann daher teilweise auf, die Erwärmung des Bodens
wird wieder stärker usw. Was aber auch die Ursache sein mag, der. Wechsel
zwischen der größten Nordbewegung und der größten Südbewegung ‚geht allmählich
 vor sich; die Periodendauer beträgt 4 bis 10 Tage, ist also verhältnismäßig
 kurz. .
Eine sachliche Kritik dieser Ansichten dürfte noch recht schwierig sein,
da sich diese Entwicklungen noch nicht zahlenmäßig fassen lassen, Es sei aber
noch auf einen nicht unwichtigen Punkt hingewiesen. Blair spricht von aufund
 absteigenden. Bewegungen auch innerhalb der Stratosphäre, ohne auf den
grundlegenden Unterschied zwischen Stratosphäre und Troposphäre einzugehen.
Die übliche Anschauung ist bekanntlich die, daß vertikale Bewegungen in der
Stratosphäre nicht mehr vorkommen, da diese Temperaturabnahme mit der
Höhe zur notwendigen Folge haben und diese nicht angetroffen wird. Anderseits
 sind, wie. die Beobachtungen zeigen, zeitliche und räumliche Änderungen
der Höhenlage: der oberen Inversion sowie Druck- und Temperaturunterschiede
dort vorhanden, so daß auch eine gewisse Zirkulation in. dieser Schicht vorhanden
 sein muß. Hier müssen erst.noch tiefergehende Untersuchungen einsetzen,
 die diese Fragen klären. ‘ , ;
In einem letzten Kapitel werden noch einige Fragen behandelt, -die sich
auf die höchsten Schichten der Atmosphäre beziehen, Die Grenze der Troposphäre
 liegt nahe der oberen Grenze der hohen Westwinde.. Die Mehrzahl der
Beobachtungen über diese Schicht stammt aus mittleren Breiten. Eine sehr
bemerkenswerte Erscheinung ist, daß die Temperatur in ihr stark wechselt und
eine feste Beziehung zwischen ihr und dem Luftdruck an der Erdoberfläche
besteht.. Manche Meteorologen betrachten daher diese Temperaturänderungen
als die Ursache der Druckschwankungen am Boden. Dieser Meinung schließt
sich Blair nicht,an, sondern sucht die Ursache in den unteren Schichten, wie
oben auseinandergesetzt‘ ist. Weil die hohen Westwinde relativ trocken und
schwer sind, ‚passen sie sich allen Unebenheiten der Luftfläche, über die sie
strömen, an und die dabei. auftretenden vertikalen Bewegungen verursachen in
ihnen wegen des großen adiabatischen Temperaturgradienten (trockene Luft)
stärkere Temperaturänderungen, als sie in den feuchteren unteren Luftschichten
vorkommen, Daher sind auch Druckänderungen in derselben Höhe relativ größer
als unten,
Die Luft der hohen Westwinde ist trocken und dicht im Vergleich zu der
Luft darunter, besonders in niedrigen Breiten. Dasselbe gilt auch für die darüberliegende
 Luftschicht. Wegen ihrer Trockenheit absorbiert sie so gut wie gar nicht
die von außen kommende Sonnenstrahlung und die von unten kommende, Erdstrahlung.
 Daher muß in dieser Schicht ein ausgesprochenes Minimum der
Temperatur vorhanden sein, da die beiden benachbarten Schichten die Strahlung
stärker absorbieren und daher .wärmer werden. Wenn die westlichen Winde
weiter nach Norden gelangen, so werden sie den Nachbarschichten ähnlicher
und daher muß das Minimum weniger scharf ausgeprägt sein, Die Zunahme
der Temperatur in der Stratosphäre nach oben ist demnach schneller in den
niedrigeren Breiten als den höheren und im Sommer stärker als: im . Winter.
Daß die oberen Westwinde trockener sind als die oben und unten. benachbarten
 Schichten ist nach Blair eine Beobachtungstatsache.. Er dürfte aber
hierbei den Feuchtigkeitsangaben des Haarhygrometers bei den in diesen Höhen
herrschenden Temperaturen ein zu großes Gewicht beilegen und die enorme
Trägheit des Haares unterschätzen. In Europa läßt man daher vielfach sogar
die. Feuchtigkeitsregistrierung bei Registrierballonaufstiegen ganz fort.
            
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