Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1917.
W. Blair, Das planetare Windsystem.
Von E, Barkow. ©
. Im Aprilheft des »Monthly Weather Review« 1916 S. 186 bis 196 versucht
W. Blair das bis jetzt fast allgemein angenommene Zirkulationsschema von
Ferrel unter Zuhilfenahme der neuesten Beobachtungstatsachen zu erweitern.
Er benutzt alles ihm zugängliche Material, das in genügender Ausführlichkeit
mitgeteilt ist, ohne allerdings im einzelnen seine Quellen anzugeben. Bevorzugt
werden die hohen Aufstiege. Nach der geographischen Breite geordnet sind die
Zahlen für die Tropen in Niederländisch-Indien und Zentralafrika gewonnen, für
rund 40° Breite in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, für 40 bis 60° Breite
in Europa und Kanada, für noch höhere Breiten in Grönland, Spitzbergen und
der Antarktis. Die Beobachtungen sind, wie man daraus ersieht, über die Erde
noch recht lückenhaft und spärlich verteilt. Es entsteht die wichtige Frage:
Kann bei einer Zusammenstellung nur nach der Breite überhaupt von dem
Längenunterschied abgesehen werden, so daß vielleicht die eine oder die andere
der Breitenänderung zugeschriebene Gesetzmäßigkeit sich nur auf ‚die Längen-
differenz bezieht? Doch als Arbeitshypothese ist die Zusammenstellung auch so
von hohem Wert.
‚ Als Ausgangspunkt der Betrachtungen dienen drei außerordentlich hohe
Registrierballonaufstiege, die in Omaha (Nordamerika) im Juli 1914 gemacht
sind. In den untersten Höhenkilometern finden sich Winde wechselnder Richtung,
darüber eine mächtige Schicht westlicher Winde mit einem Geschwindigkeits-
maximum in 12 bis 15 km, zwischen 16 und 17 km dreht dann der Wind durch
eine windschwache Zone hindurch nach Osten und nimmt mit der Höhe an Ge-
schwindigkeit zu. Von den andern mit dem Theodolit verfolgten Registrier-
ballonen zeigen zwei ebenfalls den hohen Ostwind, der dritte aus dem September
1910 zeigt ihn in 26.8 km Höhe noch nicht; die ersten beiden Aufstiege stammen
ebenfalls aus dem Juli. Wenn der Westwind eine Nordkomponente hat, so hat
sie die Ostwindschicht auch; dasselbe gilt für eine Südkomponente,
Der Ostwind in den obersten Schichten ist ebenfalls in den Tropen beob-
achtet worden, aber bisher nicht in höheren Breiten, Dort findet sich nur eine
verhältnismäßig ruhigere Region‘ über dem Westwind. Die hohen Westwinde
beginnen in höheren Breiten in geringerer Höhe und sind mächtiger als in den
Tropen. Die Schichtdicke beträgt in 35 bis 40° Breite 10 bis 12 km und nimmt
bis auf 4 bis 5 km in den Tropen ab. Über den Tropen finden wir folgende
Windsehichten: Die Passate vom Boden bis zu 3 bis 5 km Höhe, darüber den
Antipassat bis zur Höhe von 15 bis 17 km, weiter den Oberpassat, der zwischen
dem Antipassat und den hohen Westwinden liegt, und schließlich die hohen Ost-
winde, für die van Bemmelen den Namen Krakatauwind vorschlägt.
Unter den oberen Westwinden der mittleren Breiten wird eine Schicht
verschieden gerichteter Winde gefunden. Bei der Angabe dieser Hauptrichtungen
beschränkt sich Blair auf die Wiedergabe der am Mount Weather-Observatorium
gefundenen Werte. Diese Tendenz, die amerikanischen Zahlen zu bevorzugen,
findet sich noch mehrfach in der Abhandlung.
In den Polarregionen herrscht antizyklonale Wetterlage vor; die östlichen
Winde sind indessen wenig mächtig und erreichen weniger als 1 km Höhe, Die
Antizyklone ist im Winter besser entwickelt als im Sommer und im Südpolar-
gebiet besser als im Nordpolargebiet. Daß auch bis zu größeren Höhen durch-
stehende Ostwinde im Polargebiet sowohl im Süden wie im Norden öfter beob-
achtet worden sind, wird nicht angeführt.
Temperatur. Die Betrachtungen über Temperaturbeobachtungen gründen
sich in erster Linie auf nordamerikanische Angaben, die europäischen werden
höchstens gestreift. Da die Temperaturverhältnisse über Amerika bei uns weniger
bekannt sein dürften, so will ich darüber in kurzen Worten im Anschluß an
Blair einiges hier wiedergeben. Er unterscheidet fünf Schichten: In der
untersten, die bis 2 bis 3 kın Höhe reicht, wechseln die Verhältnisse zeitlich sehr
stark von überadiabatischen Gradienten bis zu starken Temperaturinversionen.
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