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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

136 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1917,

oder man muß annehmen, daß die Turbulenz, die durch einen -Curl von einer
bestimmten Richtung erzeugt worden ist, fähig ist, durch einen Curl von der entgegengesetzten
 Richtung rückgebildet zu werden. Da der Wind in unseren Breiten
im Durchschnitt aus westlicher Richtung kommt und von der Erdoberfläche nach
der Höhe zunimmt, so wäre der normale, die Turbulenz erzeugende Curl nach
Norden gerichtet. Bei Windabnahme mit der Höhe würde der Curl im Anfang
von Norden nach Süden gerichtet sein und nach unserer Annahme im Durchschnitt
 die Wirkung haben, die Turbulenz der Luft zu verringern.
In der Tab. I sind weiter die vertikalen Temperaturgradienten zu Mitteln
vereinigt, die den Höhen der einzelnen Schichten und den Aufstiegszeiten entsprechen.
 Die Gradienten sind den Fessel- oder Registrierhallonaufstiegen in
Lindenberg entnommen, die zeitlich möglichst nahe mit den Doppelvisierungen
zusammenfielen, Es war aber nur für einen Teil der Schichten möglich, den Temperaturgradienten
 zu entnehmen, weil die bei den Fesselaufstiegen erreichte Höhe
nicht immer ausreichte. Die Mittelwerte der Tabelle lassen für die fünf ersten Gruppen
keine Abhängigkeit des Gradienten von der Turbulenz erkennen, nur in der letzten
Gruppe, welche der stärksten Turbulenz entspricht, zeigt sich Anwachsen des
Gradienten. Dasselbe Resultat, das zwischen dem Temperaturgradienten und der
Steigegeschwindigkeit, nach unserer Auffassung also der Turbulenz, kein enger
Zusammenhang besteht, hat übrigens schon Schmauß!) aus Registrierballonaufstiegen
 gefunden ?).
Unter der Zeile der vertikalen Temperaturgradienten ist auch die Anzahl
der Temperaturinversionen angegeben, die zu jeder Gruppe gehört. Merkwürdigerweise
 finden sich die meisten Inversionen in derjenigen Gruppe, die einer kleinen
negativen Abweichung der Steigegeschwindigkeit entspricht. Es ist aber sehr wahrscheinlich,
 daß dieses Resultat keine wesentliche Bedeutung hat und nur durch
den zu geringen Umfang des Materials vorgetäuscht ist.
Was die Abhängigkeit der Abweichungen von der mittleren Steigegeschwindigkeit
 von der Höhe anbetrifft, so zeigt die Tab. I, daß sowohl die größten positiven
wie die größten negativen Abweichungen größeren Höhen entsprechen als die geringen
Abweichungen. Möglicherweise rührt aber dies nur von Beobachtungsfehlern her.
Es ist ja zu erwarten, daß unrichtige Höhen um so häufiger vorkommen werden,
je größer die zu messende Höhe ist. Eine unrichtig gemessene Höhe wird aber sowohl
eine positive als eine negative Abweichung in das Material hineinbringen. Falls
weitere Beobachtungen die Realität dieser Beziehung erweisen sollten, so könnte
man daran denken, die Änderung der Reynoldsschen Zahl infolge der Luftdichte
zur Erklärung heranzuziehen. Indessen scheint es mir noch verfrüht, jetzt schon
auf diesen Punkt näher einzugehen.

VII. Zusammenfassung.
Die wesentlichen Ergebnisse dieser Untersuchung lassen sich in folgender
Weise aussprechen:
1. Die Steigegeschwindigkeit von Gummiballonen hängt, außer von ihrem
Auftrieb und ihrem Querschnitt, in erheblichem Maße von der Turbulenz der Luft
ab, und zwar nimmt die Steigegeschwindigkeit zu, wenn die Turbulenz wächst
und umgekehrt.
2. Es ist nicht möglich, aus den Schwankungen der Steigegeschwindigkeit
irgendwelche Schlüsse auf Vertikalbewegung in der Atmosphäre zu ziehen.
3. Die Veränderungen in dem Turbulenzzustand der Atmosphäre erklären
qualitativ und quantitativ alle Schwankungen, die in der Steigegeschwindigkeit
der Ballone beobachtet werden.
4. Indem die Steigegeschwindigkeit der Ballone als Maß für den Turbulenzzustand
 der Luft genommen wurde, konnte über die Umstände, von denen die
Turbulenz abhängt, folgendes ermittelt werden:
u. S el} Schmauß, Ermittlung von Vertikalbewegungen in der Atmosphäre I. Met. Zeitschr.
SS. 78.
% 2) Dagegen leitet Barkow (l c.) wenigstens für die bodennahen Schichten einen entschiedenen
 Zusammenhang zwischen Turbulenz und vertikalem Temperaturgradienten -ab.
            
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