Wenger, R.: Die Steigegeschwindigkeit der Gummiballone und die Turbulenz in der Atmosphäre. 135
daß starke Drehungen nur vorkommen, wenn die. Turbulenz klein ist, und daß um-
gekehrt starke Turbulenz große Drehungen verhindert!).
Um die Beziehung zwischen Winddrehung und Turbulenz noch in anderer
Weise zu beleuchten, habe ich aus dem ausgewählten Material die Fälle abgesondert,
in denen sowohl ober- als unterhalb die Drehung kleiner als 10° war, und diejenigen,
bei denen mindestens an einer Schichtgrenze eine größere Drehung vorgefunden
wurde. Das Resultat ist in der Tab. IV enthalten. Demnach hat eine Drehung
wenigstens bei den kleineren Windgeschwindigkeiten offenbar. die Wirkung, die
Steigegeschwindigkeit zu erhöhen, also die Turbulenz zu vergrößern.
Tabelle IV.’
Windgeschwindigkeit m/sek.
0 bis 2.0] 21 | 4.1 | 6.1] 81 | 10.1 | 12.1 le 16.1 | 18.1
‘” bis 4 | bis 6 ' bis 8 ' bis 10 | bis 12 | bis 14 | bis 16 | bis 18 | bis 20
Drehungen < 109 |
Drehungen > 100]
— 0,83
— 061
— 0.51
— 0.924
—0.32 —0.12 | — 0.04 | — 0,16 | — 0.05 | — 0.08 | — 0.01 | 1.35
— 0.071 — 0.11 0.17 | —0.26| 0.03! 0.0 0.0 1.1
Eine deutliche Abhängigkeit von der Steigegeschwindigkeit zeigt weiter die
Änderung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe 3. Den kleinen. Steige-
geschwindigkeiten entspricht Windabnahme unten und Zunahme oben, den großen
umgekehrt Windzunahme unten und Abnahme oben. Das ist natürlich nur ein
anderer Ausdruck für die Tatsache, daß in stark bewegten Schichten die Steige-
geschwindigkeit größer ist, als in schwach bewegten.
Es ist eigentlich sonderbar, daß die Turbulenz von der Windgeschwindigkeit
an sich,.d. h. von der Geschwindigkeit der Luftbewegung relativ zur Erde, abhängen
soll. Eher wäre zu erwarten, daß sie durch die Bewegungen der Schichten
relativ zueinander bestimmt wird. Von diesem Standpunkte aus ist es schwer zu
verstehen, daß die Verhältnisse einer schwach bewegten Schicht, die in stark bewegte
eingebettet ist, wesentlich verschieden sein sollten von den. Verhältnissen einer stark
bewegten Schicht, die in schwach bewegte eingelagert ist. In beiden Fällen treten
sowohl an der oberen als an der unteren Grenze Wirbel auf. Der ganze Unterschied
ist der, daß das Vorzeichen des Curls an den beiden Grenzen miteinander vertauscht
ist... Wenn man die Wirbel an der Grenze verschieden bewegter. Luftschichten als
den. Ursprung der Turbulenz ansieht, so könnte man erwarten, daß die Turbulenz
dort am größten wäre, wo die Geschwindigkeitsänderung mit der Höhe am größten
ist, und zwar gleichgültig, ob die Geschwindigkeit mit der Höhe zu- oder abnimmt.
Dagegen sollte die Turbulenz dort am geringsten sein, wo sich die Geschwindigkeit
am wenigsten mit der Höhe ändert. Um dieses zu prüfen, wurde eine Zusammen-
stellung angefertigt, in der die Abweichungen von der Steigegeschwindigkeit nach
der Geschwindigkeitsänderung mit der Höhe geordnet sind (Tabelle V).
Tabelle V.
102 37
a7
— 3.5/— 3.0— 2.5|— 2-0l— 1.5|/— 1.0l— 0,5 0.2/0:6 1.1/1612.12.6| 3.1
bis | bis | bis | bis | bis | bis | bis /bis bis [bis | bis (bis bis! bis
— 231 90 Pl 18 11 OB DIOR SNDEIRA SR
3,6
bis 4.1
40
Kenn der ABS — 1.1 TETETETETEN 01/02 0.1] 02/10 08— 03111 1.75
Das entschiedene Resultat ist aber, daß die Turbulenz. abnimmt, wenn die
Geschwindigkeit mit der Höhe abnimmt, und zunimmt, ‚wenn die Geschwindigkeit
mit der Höhe zunimmt. Entweder ist es so, daß die Turbulenz der Luft in
der Atmosphäre wirklich von der Bewegung der Luft relativ zur Erde abhänegt,
. 1) Dasselbe fand auch E. Barkow für die dem Erdboden auflagernden Schichten.
E. Barkow, a. a O0. SS. 5.