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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1917.
Das allgemeine Bild ist dasselbe wie früher, nur daß jetzt die plötz-
liche Zunahme der Steigegeschwindigkeit erst für einen Wind oberhalb 18 m per
Sekunde erfolgt, während es früher 15 bis 16 m per Sekunde waren. Das ist leicht
zu erklären, wenn man bedenkt, daß in den früheren Zusammenstellungen viele
Schichten enthalten waren, die vom Ballon erst in mehreren Minuten durchflogen
wurden. Die für solche Schichten angegebenen Werte der Geschwindigkeit sind
daher Mittelwerte über dickere Schichten, und es wird häufig vorkommen, daß
in den diese zusammensetzenden Teilschichten schon Geschwindigkeiten von 18 m
per Sekunde vorkommen, wenn die mittlere Geschwindigkeit nur 15 oder 16 m
per Sekunde beträgt. Wahrscheinlich würde die Grenze der Geschwindigkeit, bei
welcher der Sprung in der Steigegeschwindigkeit einsetzt, noch weiter hinaufgerückt
werden, wenn man Schichten von geringerer Mächtigkeit als 200 m untersuchen
könnte.
Durch diese Ergebnisse in Verbindung mit der früher dargelegten Beziehung
zwischen Steigegeschwindigkeit und Turbulenz darf es als bewiesen gelten, daß
es eine Windgeschwindigkeit gibt, bei der die Turbulenz plötzlich zunimmt. Nach-
dem Sorkau?!) für Wasser außer dem bereits bekannten ersten Turbulenzstadium
noch ein zweites und drittes nachgewiesen hat, liegt die Annahme nahe, daß bei
zunehmender Windgeschwindigkeit auch in der Atmosphäre ein neues Turbulenz-
stadium einsetzt. Als Grenzwert der Windgeschwindigkeit, bei dem dieses geschieht,
fanden wir, indem wir nach den Abweichungen von der Steigegeschwindigkeit ord-
neten, 10 bis 11 m per Sekunde, wenn wir nach den Windgeschwindigkeiten ordneten,
16 bis 18 m per Sekunde. Das ist einfach eine Folge davon, daß die Korrelation
zwischen Windgeschwindigkeit und Steigegeschwindigkeit keine vollständige ist,
und gibt ein Beispiel zu einem Satze der Statistik, auf den früher W. Köppen?)
und kürzlich wieder H. U. Sverdrup?®) hingewiesen haben‘).
Wir kehren jetzt zur Tab. I zurück. Die Mittel der Drehung oberhalb und
unterhalb einer jeden Schicht sind in doppelter Weise angegeben, das eine Mal mit,
das andere Mal ohne Rücksicht auf das Vorzeichen. Die auf die erste Art gebildeten
Mittel lassen im allgemeinen keine Abhängigkeit von der Steigegeschwindigkeit
erkennen, Indessen verdient vielleicht doch bemerkt zu werden, daß die stärksten
negativen Abweichungen von einer schwachen Drehung gegen den Uhrzeiger unter-
halb und einer starken Drehung mit dem Uhrzeiger oberhalb begleitet sind. Um-
gekehrt ergibt sich für die starken positiven Abweichungen eine ganz kleine Drehung
im Sinne des Uhrzeigers unterhalb und eine starke Drehung gegen den Uhrzeiger
oberhalb. Die auf die zweite Art gebildeten Mittel zeigen, daß zu den kleinen Auf-
stiegsgeschwindigkeiten große Drehungen und zu den großen Aufstiegsgeschwindig-
keiten kleine Drehungen gehören. Dieses Resultat ist wohl einfach so zu erklären,
) W. Sorkau, Zur Kenntnis der Turbulenzreibung. Phys. Zeitschr. XV, 1914, S. 582.
? W. Köppen, Durchschnittliche Abweichung, Asymmetrie und Korrelationsfaktor. Met,
Zeitschr. 1913, S. 113.
3) H. U. Sverdrup, Druckgradient, Wind und Reibung an der Erdoberfläche. Ann, d.
Hydr. usw. 1916, S. 413.
*) Indem E. Barkow die durch eigentümliche Methoden ermittelte Größe der Turbulenz-
elemente, d. i. der mittlere Durchmesser der Bahnen, die die Luftteilchen infolge der Turbulenz be-
schreiben, nach der Windgeschwindigkeit ordnete, erhielt er folgenden Zusammenhang für die boden-
nahen Schichten:
Größe der Turbulenzelemente als Funktion der Windgeschwindigkeit,
Windgeschw. m/sek, |0—2 2—3 3—4:4—5 5— 6—7 7—88—9 9—10 10—11.11—12 12—14/14—16 J16
' ! N 1 Snap
Größe der Turbulenz- | | { 5 | | a | = !
GE Mole | 18 20 | 24/30 |35 41 |50 62 | 65 | 78 | 108 | 118 | 141 146
Von der drittletzten zur vorletzten Gruppe erfolgt ein plötzliches Anwachsen der Größe der
Turbulenzelemente von 113 auf 141 m. Ob diese Erscheinung mit der Zunahme der Steigegeschwindigkeit
der Pilotballone bei Windgeschwindigkeiten oberhalb 16 bzw. 18 m/sek. zusammenhängt, können erst
weitere Untersuchungen lehren. E. Barkow, Windänderung mit der Höhe und Turbulenz. Diese
Zeitschr. XXXXV, 1917, Heft 1.