Wenger, R.: Die Steigegeschwindigkeit der Gummiballone und die Turbulenz in der Atmosphäre. 133
Von solchen Faktoren habe ich ins Auge gefaßt: Windrichtung und -geschwindigkeit,
Drehung des Windes mit der Höhe, Änderung der Windgeschwindigkeit mit der
Höhe, den vertikalen Temperaturgradienten und die Höhe selbst. Das Resultat
ist in der Tabelle I enthalten, welche auch Aufschluß über die Anzahl der Fälle
in den einzelnen Gruppen gibt. Für jede Gruppe der Abweichungen von der Steige-
geschwindigkeit ist die Häufigkeit der 8 Hauptwindrichtungen angegeben. Für
die vier ersten Gruppen ist keine Abhängigkeit von der Windrichtung zu erkennen.
Die am häufigsten vertretenen Windrichtungen sind diejenigen, welche ohnehin
am häufigsten vorkommen. In den zwei letzten Gruppen scheinen die östlichen
Winde bevorzugt zu sein. Wahrscheinlich ist es aber nur eine Folge des Umstandes,
daß bei den Wetterlagen, die vorwiegend für Doppelvisierungen in Betracht kommen,
die Ostwinde die größte Stärke hatten.
Über die Beziehung zwischen. der Windgeschwindigkeit und den Schwan-
kungen der Steigegeschwindigkeit zeigt die Tabelle folgendes: Von den größten
negativen Abweichungen bis zu den positiven von etwa !/, m per Sekunde ändert
sich die Windgeschwindigkeit im Mittel nicht wesentlich. Sie liegt um 7m per
Sekunde herum, schnellt aber dann für die größten Abweichungen der Steige-
geschwindigkeit plötzlich auf etwa 10 m per Sekunde hinauf. Die plötzliche Anderung
der Beziehung zwischen Steigegeschwindigkeit und Windgeschwindigkeit bei einem
gewissen Wert der Windgeschwindigkeit ist schon von W. Peppler gefunden worden,
indem er die positiven und negativen Abweichungen von ‚der mittleren Steige-
geschwindigkeit unter die Windgeschwindigkeit subsummierte. ;
Er fand so, daß die mittleren Abweichungen bis zu einer Windgeschwindigkeit
von etwa 15 m per Sekunde regellos um Werte zwischen 0,56 und 0,34 m per Sekunde
hin und her schwanken, daß sie aber dann sprungweise auf über 1 m in der Sekunde
hinaufgehen. Dieses Resultat spricht Peppler sowohl für die positiven als für die
negativen Abweichungen der Steigegeschwindigkeit aus. Wenn man aber seine
Mittelwerte und seine graphischen Darstellungen betrachtet!), so erkennt man,
daß sich die plötzliche Zunahme auf die positiven Abweichungen beschränkt. Von
der Windgeschwindigkeit von 15 m per Sekunde ab nimmt also die Steigegeschwindig-
keit der Ballone sprunghaft zu. Dasselbe Resultat habe ich aus den Lindenberger
Doppelvisierungen des Jahres 1913 erhalten, indem ich für gleichmäßig fort-
schreitende Intervalle der Windgeschwindigkeit die Mittel der Abweichung von
der mittleren Steigegeschwindigkeit mit Rücksicht auf das Vorzeichen bildete.
Bei den Geschwindigkeiten oberhalb 16 m per Sekunde sind die Beobachtungen
des Jahres 1914 zur Vollständigung des Materials herangezogen worden. Man sieht
(Tab. II) die außerordentlich scharfe Zunahme der Steigegeschwindigkeit, wenn
die Windgeschwindigkeit über 16 m per Sekunde steigt. Indem ich dasselbe für das
ausgewählte Material ausführte, erhielt ich den in der folgenden Tab. III gegebenen
Zusammenhang.
Tabelle IL
Windgeschwindigkeit (m/sek.)
Abw. von. der Steigegeschw.
(m/sek.)
)bis 2'
2.1 1 41 | 61 | 8.1 A
bis 4 ' bis 6 | bis 8 ‘bis 10 bis 12'bis 14|bis 16/bis 18'bis 20'bis 22
— 0.55)— 0.261— 0.23 — 0.11] 0.00 | 0.04 | 0.101 0.08 | 0.44 | 0.601 1.12
Tabelle Il.
Windgeschwindigkeit m/sek.
5 hie 9]
21 | 41 | 6.10 8.1 | 10.1 | 12.1 ! 14.1 | 16.1 | 18.1
bis4 |! bis6 bis® bis 10 bis 12 !bis 14 bis 16 ı bis 18 | bis 20
Abw. von der Steigegeschw. — 0.68|— 0.30l— 0.21]— 0.15| 0.03 | — 0.18l— 0.02) — 0.08|— 0.01| 1.35
{m/sck.} |
*) W. Peppler, Zur Kenntnis ‚der vertikalen Luftbewegungen. Arb. d. Kgl. Preuß. Aeron
Obs. bei Lindenberg 1911, S. 244.