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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Ann, d. Hydr. usw., XXXXV. Jahrg. (1917), Heft I]. 
Windänderung mit der Höhe und Turbulenz. 
Von E., Barkow. 
Die Änderung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe ist in der letzten Zeit 
mehrfach Gegenstand eingehender theoretischer und experimenteller Untersuchungen 
gewesen. ‚Während die Drachenaufstiege nur die Winädverhältnisse in größeren 
Höhen zu erforschen gestatten, sind gerade neuerdings die untersten Schichten 
eingehend untersucht worden. Die sehr interessanten Ergebnisse liegen allerdings 
erst zum Teil vor. Besonders günstig war diesen Unternehmungen die Entwicklung 
der Funkentelegraphie mit ihren sehr schlanken, luftigen Gittermasten. Von Hell- 
mann!) und Köppen?) sind die Großstationen Nauen und Eilvese mit Anemo- 
metern in verschiedenen Höhen ausgerüstet worden. Zur Erklärung der gefundenen 
Ergebnisse muß man immer wieder den vertikalen Austausch der Luft messen, 
die auf- und absteigenden Luftströme, oder, wie man seit A. Wegener*®) diese Er- 
scheinung mehr physikalisch in der Meteorologie zu nennen pflegt, die Turbulenz 
heranziehen. So wichtig dieser Begriff nicht nur für die Meteorologie ist, so wenig 
ist darüber bekannt. , ; . 
Aus rein physikalischen Untersuchungen über das Strömen von- Flüssig- 
keiten in Röhren ist bekannt, daß ein Fließen mit parallelen Stromfäden, laminare 
Strömung, nur unter gewissen Bedingungen stabil ist, solange nämlich der Ausdruck 
R = 0 = (R = Reynoldsche Zahl) < rund 2000 bleibt (wo o die Dichte, v die 
mittlere Geschwindigkeit, 1 der Röhrendurchmesser, u der Reibungskoeffizient). 
Bei größeren Werten geht.die Strömung in eine turbulente über, bei der die einzelnen 
Flüssigkeitsteilchen sich nicht mehr gleichförmig, sondern in Wirbelfäden: bewegen. 
Diese Reynoldsche Zahl gilt, wenigstens für das Strömen in engen Röhren, auch 
für Gase*). Berechne ich mir die kritische Geschwindigkeit, bei der der Umschlag 
in die Wirbelströmung erfolgt, für einigermaßen weite Röhren von der Größenordnung 
von Metern, so erhalte ich ganz geringe Werte von mm/sek, so daß also in.den prak- 
tisch vorkommenden Fällen immer turbulente Strömung herrscht. Inwieweit diese 
experimentell gefundenen Werte sich auf ganz große Verhältnisse übertragen lassen, 
ist noch nicht bekannt. Bei Strömungen in Röhren wird die Geschwindigkeit gegen 
die ruhende Röhrenwand gemessen. Ob dies aber auch für sehr ausgedehnte 
Strömungen, wie Meeres- und Luftströmungen, gestattet ist, ‚erscheint mir zweifel- 
haft; vielleicht kommen hier-nur relative Geschwindigkeiten gegen die umgebenden 
Flüssigkeitsteile in Betracht. Daß anderseits eine turbulente Strömung auch im 
großen vorkommt, ist augenscheinlich, wie die Betrachtung eines schnell fließenden 
Flusses zeigt. Über das Strömen gasförmiger Körper wissen wir ebenfalls sehr wenig. 
Da dem Turbulenzproblem mathematisch noch nicht recht beizukommen 
ist, muß versucht werden, experimentell einige Gesetzmäßigkeiten der Turbulenz- 
bewegung abzuleiten. Für den Sonderfall einer Luftströmung in Erdbodennähe 
habe ich bereits früher®) eine Regel ableiten können, daß nämlich die mittlere Größe 
der Turbulenzelemente abhängig von der Windgeschwindigkeit ist. Die neuen auf 
weit größerem Material beruhenden Werte sind etwas geringer als die der vorläufigen 
Mitteilung, zeigen aber denselben Verlauf. In Tabelle 1 sind die mittleren Größen der 
Turbulenzelemente angegeben. Weiteres darüber siehe in der vorläufigen Mitteilung. 
Tabelle 1. . 
tGiröße der Turbulenzelemente als Funktion der Windgeschwindigkeit. 
Windgeschwindigkeit | | . | | ß el | |: ; | ] 
in Metern p. Sekunde :0-—22—313—414—515—616—7|7 —818—9/9—10110—11111——12]12—14 14—16)>16 
Größe der Turbulenz- ; ; 
elemente in Metern | 18 | 20 | 24 | 30 | 35 | a1 | 50 | 62 / 65 | 78 | 103 | 113 141 |146 
Meteorol. Zeitschrift 1915, S. 1 bis 16 
?) Ann, d, Hydr. usw. 1916. S, 537 bis 42. 
‘1 Meteorol, Zeitschrift 191’, S, 49 bis 59,, X S.342 
W. Ruckes, Ann. d. Phys, 25, 1908, S. 983, 
Meteorol. Zeitschrift 1915, S. 97 bis 109. 
ann. d. Hydr. usw. 1917, Heft I. 
Y
	        
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