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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Kleinere Mitteilungen.

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2, Quantitative Bestimmung der im Meerwasser gelösten Phosphorsäure.
 Von den für das vegetabilische Leben im Meere erforderlichen Elementen
sind Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff, Schwefel, Kalium, Magnesium, Calcium
und Eisen sicher ausreichend vorhanden; anders ist es mit den Stickstoff-,
Phosphor- und Siliciumverbindungen, die in so geringen Mengen vorkommen,
daß möglicherweise der Mangel an einem dieser Stoffe der Entwicklung des
pflanzlichen Lebens eine Grenze setzt, und zwar scheint dies nach der Hypothese
von K. Brandt der Stickstoff zu sein. Für die Beurteilung dieser Frage und
weiterhin für die Kenntnis des Kreislaufs des Stoffs im Meere ist genaue Kenntnis
der Mengen dieser im Wasser gelösten Nährsalze, insbesondere der Verbindungen
von Stickstoff, Phosphor und Silicium Bedingung.
Durch Stickstoff- und Kieselsäurebestimmungen hat E,. Raben hierfür
bereits früher Beiträge geliefert, in einer neuen Veröffentlichung!) wird der
Phosphorsäuregehalt von 138 Wasserproben, die auf Fahrten des Reichsforschungsdampfers
 »Poseidon« in der Nord- und Ostsee, der Gegend westlich von den
Orkney- und Shetlandinseln und in der Barents-See gesammelt sind, mitgeteilt.
Es liegen damit die ersten zuverlässigen, modernen Ansprüchen an Genauigkeit
genügenden quantitativen Analysen vor. Zwar ist die Bedeutung der Phosphorsäure
 für das Leben im Meere schon frühzeitig erkannt und das Vorhandensein
von Phosphor im Meerwasser bereits 1845 zuerst nachgewiesen worden, doch
sind die bisherigen quantitativen Bestimmungen von Forchhammer (1859) und
Schmidt (1871—78) aus mannigfachen Gründen ungenau. Die von ersterem
gegebenen Werte sind z. T. 400.Mal größer als die jetzt vorliegenden. Die von
Raben beschriebene Methode der Analyse ist sehr zeitraubend, aber zuverlässig,
 wie durch mehrere Analysen von Lösungen mit bekanntem Gehalt festgestellt
 wurde.
Die Menge der im Meerwasser gelösten Phosphorsäure ist außerordentlich
klein. Wird sie an Calcium gebunden gedacht und der Gehalt an Caleiummonophosphat
 betrachtet, so waren z.B. in der Nordsee (54° 41’N, 6° 12’0) am 2. August
1904 an der Oberfläche in 1000 g Wasser 0.000210 g Ca H, (PO), - H,O bei
etwa 35 g Gesamtsalzgehalt!
Ein Zusammenhang zwischen der Temperatur und dem Phosphorsäure-‘
gehalt ist aus dem vorliegenden Material nicht festzustellen. Ein Vergleich der
aus den Monaten Februar, Mai, August und November verschiedener Jahre vorliegenden
 Werte läßt stets ein Minimum des Phosphorgehalts im Mai erkennen,
das Raben. auf Verbrauch durch die Organismen zurückführt,
Bemerkenswert ist aber vor allem, daß das Tiefenwasser ausgesprochen
phosphorreicher ist als die Oberfläche, wie aus den folgenden Beispielen hervorgeht.

Phosphorsäuregehalt im Meere (mg P, 0, im Kubikmeter).
1. Barents-See, Jüni—Juli 1913,
699 N, 441,0 0 | 70° N, 40° 0 [671° N, 411° O| 71° N, 3400| 720 N, 321° 0

Oberfläche . . . 92 96 98 89 5 90
Dicht über Grund
(Tiefe in m). . 100 (59) 114 (175) | 112 (42) 114 (245) 119 (260)
2. Atlantischer Ozean, westl. der Orkney- und Shetland-Inseln. Juli 1914.

59° N, 7° W 16019 N, 121,9 W| 601° N, 10° W| 60° N 614° W

Oberfläche . ..... 98 100 - 103 102
Dicht über Grund (Tiefe in m) | 117 (550) 167 (295) 135 (800) 149 (800)

1) E. Raben, Quantitative Bestimmung der im Meerwasser gelösten Phosphorsäure. Abhand-Jung
 Nr. 1 aus Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen. Neue Folge. 18. Band. Abteilung Kiel.
            
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