v. Horn, A.: Einige Mitteilungen über die verbesserte niederländische Küstenbefeuerung. 111
Einige Mitteilungen über die verbesserte niederländische Küsten-
befeuerung.
Von Wasserbauinspektor a. D. A. v. Horn.
Bei der Aufstellung des allgemeinen Planes zur Verbesserung der nieder-
ländischen Küstenbefeuerung im Jahre 1906 wurde für die drei Hauptleuchtfeuer
Terschelling, IJmuiden und Westkapelle der Krater des elektrischen Lichtbogens
als Lichtquelle genommen, der von allen bis jetzt bekannten Lichtquellen bei
weitem die größte Flächenheile (ungefähr 10000 H.K. 9 cm) besitzt und somit
auch in erster Linie für Hauptfeuer in Frage kommt, anderseits jedoch wegen
der damit verbundenen bedeutenden Anschaffungs- und Betriebskosten nur be-
schränkte Anwendung findet. ;
Die genannten drei Leuchtfeuer des neuesten französischen Typs gehören
zu den stärksten der Welt und haben gleiche Apparate, bestehend je aus zwei
Linsensystemen von 30 cm Brennweite, die aus vier symmetrischen, unter 90°
gegeneinander gestellten Linsen zusammengesetzt und derart auf einer gemein-
schaftlichen Tafel aufgestellt sind, daß die Lichtbündel beider Systeme zwei. zu
zwei parallel laufen. In jedem System ‘ist eine Wechselstrombogenlampe von
60 Amp. bei 45 Volt angebracht. Die Tafel ist mit einem.ringförmigen Schwimmer
versehen, der in einer mit Quecksilber gefüllten Schale schwimmt, so daß ein
Uhrwerk mit Fallgewicht die Systeme mit einer Geschwindigkeit von einer Um-
drehung in 20 Sek. bewegt und dadurch jede 5 Sek, ein Blinklicht von 0.1 Sek,
Dauer und 15 Millionen H.K, Stärke gibt (ausführliche Beschreibung in Ned.
Zeewezen, 1907, Nr. 8 und 12).
Das später im Jahre 1908 ebenfalls mit elektrischem Bogenlicht aus-
gerüstete Leuchtfeuer von Scheveningen besitzt geringere Lichtstärke, als Licht-
quelle dient eine 25 Amp. Gleichstrombogenlampe mit einer wagerecht liegenden,
positiven und einer schräg nach unten gerichteten, negativen Kohlenspitze, Das
durch den positiven Krater ausgestrahlte Licht wird durch zwei einander gegen-
überliegende Linsen vollständig aufgefangen und in, ein einziges Bündel kon-
zentriert. Der Apparat steht auf einer auf Kugeln laufenden und durch einen
Elektromotor mit Schneckenübertragung gedrehten Tafel. Ein vor den Linsen
aufgestellter Jalousieschirm schließt sich nach je drei Umdrehungen und steht
vier Umdrehungen offen; bei der großen Umdrehungsgeschwindigkeit, die not-
wendig ist, um die Blinke rasch genug aufeinander folgen zu lassen, wird die
Blinkdauer viel geringer als bei den Wechselstromlampen, so daß die Sicht-
barkeit diesen nachsteht. - Wenn auch eine geringere Lichtstärke genügte, so hat
man entgegen dem ursprünglichen Plan dennoch auch hier die elektrische Licht-
quelle eingeführt, weil sie in wirtschaftlicher Weise mit der Prüfungsstation
für die niederländische Küstenbefeuerung verbunden werden konnte, die
dem Bedürfnis begegnet, selbständig Untersuchungen ausführen zu können, um
zwischen verschiedenen Lichtquellen und Fabrikanten von Beleuchtungsmitteln
die beste Auswahl zu treffen. Diese im Jahre 1909 errichtete Prüfungsstation
neben dem Leuchtfeuer von Scheveningen muß ihrer. Bestimmung und Ein-
richtung nach als vorbildlich und nachahmungswert bezeichnet werden und
findet deshalb im folgenden eine kurze Beschreibung (vgl. die niederländische
Küstenbefeuerung von Jr. P. van Braam van Vloten mit. Abbildungen in
de Ingenieur Nr. 51/1916, der auch vorstehendes entnommen ist).
Das Erdgeschoß enthält außer. einigen Bureauräumen ein Magazin und
Lagerräume, den Photometerraum, die Werkstätte und. die Maschinen- bzw.
Akkumulatorenkammern, sowie eine Schmiede... Das Stockwerk ist hauptsächlich
für die Untersuchung und das ‚Stellen der Glasringe von Linsen und für die
Bestimmung der Lichtstärke von Lichtbündeln eingerichtet, .
Der 16 X 5m große Photometerraum ist zur Untersuchung von Licht-
quellen und kleineren Apparaten bestimmt, wozu eine 3 m lange, wagerechte,
Jängs der Decke aufgehängte verschiebbare Photometerbank dient. Die zu
untersuchende Lichtquelle, an einer gußeisernen, verstellbaren Tafel am Ende