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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1917.
aber alle nach Westen um. Die Westküste selbst ist regenarm nur vom Dampier-
Archipel bis zur Murchisonmündung, also von 21° bis 28° S-Br. Doch haben die
regenärmsten Küstenstationen immerhin noch 150 bis 170 mm. Das Maximum
der Niederschläge findet sich an der westlichsten Partie der Südküste, zwischen
dem berüchtigten Südwestkap Leeuvin und der Stadt Albany. Hier bringen die
sehr ergiebigen Regen des Südwinters, zu denen noch sporadische Sommerregen
kommen, eine jährliche Niederschlagsmenge von 125 cm. Das Winterwetter ist
an diesem Teil der südwestaustralischen Küste sehr unangenehm; es gleicht
einem typischen deutschen Novemberwetter, zwar ohne Frost und Schneefall, aber
mit lang andauernden Regenfällen bei ziemlich niedriger Temperatur und starken,
bisweilen orkanartigen Stürmen!). Gegen das Innere des Landes nimmt die Nieder-
schlagsmenge anfangs schnell, dann langsamer ab. Sieht man ab von den nord-
wärts gerichteten Schleifen, welche die höheren Linien gleicher Niederschlags-
mengen im Gebiet des gebirgsartigen Rruchrandes, der Darling Ranges, bilden,
so ordnen sich die Linien gleicher Niederschlagsmengen ziemlich regelmäßig nach
der Richtung von Nordwest nach Südost. Eine Linie, die vom Südende der
Shark Bay südöstlich zum Ostende der Darling Range verläuft, bildet die Grenze
des Gebietes mit jährlichen Niederschlagsmengen von 400 mm Höhe und mehr.
Die Wüsten der Ostdivision dürften jedoch der Sahara an Trockenheit nicht
nachstehen, denn selbst in der Nähe der Ostgrenze, am Eyresee, erreicht die
Regenmenge wenig mehr als 100 mm, Im allgemeinen ist also Australien ein
sehr trockner Kontinent.
Das Charakteristische des Regenfalls in fast ganz Australien sind die un-
geheuer großen Schwankungen; besonders für die trockneren Landschaften hat
das seine Gültigkeit. Perioden der Trockenheit, weiter im Innern schreckliche
Dürren, wechseln mit Perioden großer Regenmengen, gefolgt von verderblichen
Überschwemmungen, und das Merkwürdige ist, daß diese zu einem großen Teile
sowohl durch ein weites Hineinreichen der subtropischen Regenfälle in die
Tropenzone als auch durch ein abnorm weit südwärts gehendes Hinabreichen
der Tropenregen hervorgerufen werden können. So ist es begreiflich, daß der
ganze Kontinent sehr selten gleichzeitig an Dürre oder Überschwemmungen leidet,
Die Nähe des australischen Festlandes ist übrigens von gewaltigem Ein-
fluß auf die Menge des Regenfalls im Sunda-Archipel. Da im Nordsommer ein
Gebiet hohen Luftdrucks über Australien liegt, so bringt der in diesem seinen
Ursprung nehmende trockne Südostpassat dem benachbarten Gebiet des Archipels
auffallende Trockenheit. Ost-Java, Sumbawa, Timor haben dadurch nur die
Hälfte des jährlichen Niederschlags, wie er im übrigen Archipel die Regel ist.
Wie exzessiv dies Verhältnis ist, zeigen Beobachtungen auf Süd-Timor. Hier
fallen in Kusang im Sommerhalbjahr (Juni bis Oktober) nur 29 mm Regen. Da
diese Winde in ihrem weiteren Verlauf, angezogen von dem tiefen Luftdruck
über Asien, über breite Meeresflächen innerhalb des Archipels streichen, so ver-
liert sich ihr ausgesprochen trockner Charakter je weiter nach Westen, desto
mehr“).
Nach dem Vorstehenden kann man auf dem Australkontinent nach der
jahreszeitlichen Verteilung der Niederschläge vier Hauptgebiete unterscheiden:
1. Der tropische Norden und Nordosten zeigt den Gegensatz von winterlicher
Trockenheit und sommerlicher Monsunregenzeit, 2, Die Ostküste hat Spätsommer-
regen, Viktoria als Übergangsgebiet vorwiegend Frühlings- und Herbstregen,
wenngleich längs des Ostrandes kein Monat ohne Niederschläge ist. 3. In Süd-
australien beginnen schon die Winterregen, und Westaustralien hat typische
Winterregen mit fast regenlosen Sommern, 4. Im Innern sind alle Monate regen-
arm, und die Niederschläge sind hier nach Menge, Zeit und Ort höchst unbe-
ständig. -
1) Vgl. hierüber: W. Michaelsen, Die Tierwelt Südwest-Australiens und ihre geographischen
Beziehungen. Mitt. d, Geogr. Ges, in Hamburg, Bd. 22, 1907.
2, Vgl. hierüber: W. Volz, Jungpliozänes Trockenklima auf Sumatra und die Landverbindung
mit dem asiatischen Kontinent. Gaea 1909, Helft 7.