108 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1917.
deren Gebiet sich in Südaustralien bei sehr regenarmem Sommer bis über den
30. Parallel nach Norden erstreckt.
Ganz anders sind die Verhältnisse im südlichen Australien; im Sommer
herrschen hier Polarwinde, im Winter Äquatorialwinde, während Herbst und
Frühling keinen entschiedenen Charakter zeigen. Nur in bezug auf die Regen-
verteilung unterscheiden sich Ost und West, In Neusüdwales sind im Sommer
Äquatorialwinde und infolgedessen Niederschläge noch häufig; in Viktoria ist
zwar der Sommer sehr regenarm, aber keineswegs eine regenlose Jahreszeit!),
Denn wenn auch unter 32° S-Br. die Winterregen noch überwiegen, so fallen
doch schon im Januar reichhaltige Niederschläge, die nach Thorbecke?) als
Ausläufer des feuchten Monsuns der Nordküste anzusehen sind, allem Anschein
nach aber auch durch ein lokal über Viktoria selbst zur Entwicklung kommendes
faches Tiefdrugkgebiet hervorgerufen werden?), In Südaustralien fällt weniger
Regen, und in Westaustralien ist die subtropische Zone mit regenreichem Winter
und regenlosem Sommer schon entschieden ausgebildet, Denn die ganze West-
küste bis beinahe an den Wendekreis hat subtropische Winterregen bei fast
völlig regenlosem Sommer, So fallen unter 32° S-Br. in Perth 58 % der Nieder-
schläge im Winter und nur 3°%, im Sommer. In olge des Fehlens einer ab-
kühlenden Meeresströmung an der Westküste Australiens fallen an dieser Küste
auch viel reichlichere Regen, als das an den abgekühlten Westküsten Südafrikas
und Südamerikas der Fall ist, die unter gleichen Breiten nahezu ganz regen-
los sind,
Das subtropische Winterregengebiet umfaßt das Innere von Neusüdwales,
ferner Viktoria, Südaustralien und Westaustralien bis zum 30.° S-Br. landein-
wärts. Im Sommer weht hier der trockene Südostpassat, während im Winter
namentlich nordwestliche, also äquatoriale Winde häufiger werden und Regen
bringen. Die Nordwinde, die im Sommer in der Zeit. vom November bis Februar
aus dem Innern des Landes wehen, sind furchtbar heiß und trocken und über-
treffen in ihren verderblichen Wirkungen noch die Wüstenwinde der Alten Welt:
den Samum und Chamsin, Die Temperatur erreicht dann zu Adelaide und
Melbourne 40° und mehr. Die Luft ist dabei durch Staub und oft auch durch
den Rauch großer Buschbrände verdüstert. Diese heißen Winde, die einen
Charakterzug des australischen Klimas bilden, stellen sich namentlich dann in
Südaustralien ein, wenn südlich von Australien kräftigere Randtiefs vorbeiziehen,
also wenn das Barometer zu sinken beginnt, oder seltener, wenn gleichzeitig der
hohe Druck über dem Innern kräftig entwickelt, bzw. auch, wenn beides der
Fall ist.
Von den australischen Inseln hat die Nordinsel Neuseelands ebenfalls vor-
herrschende Winterregen, aber keinesfalls regenarme Sommer. Denn sie reicht
nur mit ihrer Nordspitze noch in den subtropischen Hochdruckgürtel hinein.
Daher hat die ganze Nordinsel ein einfaches Niederschlagsmaximum im Winter,
während die Südinsel ein Spätherbstmaximum im Mai und ein Frühsommer-
maximum im Dezember aufzuweisen hat; im übrigen aber hat sie, schon ganz
im Bereich der Westwinde der höheren Breiten gelegen, ziemlich gleichmäßig
über das Jahr verteilten sowie sehr reichlichen Regenfall. In Neuseeland
erhebt sich auf der Südinsel nahe der Westküste ein hohes Gebirge. Daher
müssen hier ergiebige Regen fallen, während im Osten die Regenmenge viel
kleiner ist. In dieser Hinsicht stimmt die Westküste Neuseelands mit denjenigen
Skandinaviens, Großbritanniens und des nördlichsten Nordamerika überein, aber
doch nicht in der Verteilung der Regen im Jahre. Denn in Neuseeland fällt
nahezu gleich viel in allen Jahreszeiten, während an den genannten Westküsten
der Nordhalbkugel die Herbst- und Winterregen vorwalten. Hier sind die Regen
in diesen Jahreszeiten ergiebiger, weil der Gradient von Süd nach Nord stärker
ist als im Frühling und Sommer, weil sodann die Meere bedeutend wärmer sind,
im Sommer aber umgekehrt. In der Umgebung von Neuseeland ist ein solcher
:) A. Supan, Statistik der unteren Luftströmungen, Leipzig 1881. ©, 151.
?) A.a. 0. Geogr. Ztschr. 1910, Heft 5 und 6.
*) Vgl. hierüber die Karten in Bartholomews Physical Atlas. Vol. III Blatt 26.