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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

Eckardt, W. R.: Luftdruckverteilung, Winde und Regenfall in Australien, 107

nach Norden der Südostpassat zum Äquator weht, während nach Süden Nordbis
 Nordwest- und Westwinde die Luft dem Minimum der höheren Südbreiten
zuführen!). Allerdings dürfen wir auch nicht vergessen, daß der australische
Kontinent, rings umgeben von den gewaltigen Wassermassen der Südhalbkugel,
zu klein ist, um nach Art der asiatischen Verhältnisse in seinem Sommer ein
weit polwärts reichendes. thermisches Tief zu entwickeln.
Es lassen sich somit zwei große Windgebiete unterscheiden, und zwar zunächst
 das Monsungebiet, wo im Frühling und Sommer die äquatorialen, im
Herbst und Winter die polaren Winde vorherrschen, indem der tropische Norden
von Australien mit dem südlich vom AÄquator gelegenen Teile des malayischen
Archipels in ein klimatisches Gebiet zusammengefaßt und als das Gebiet des
Nordwestmonsuns bezeichnet werden kann, Zur Zeit des australischen Sommers,
vom Dezember bis März, erzeugt die Erwärmung des australischen Festlandes
einen Nordwind vom Äquator her, der durch die Erdrotation abgelenkt als Nordwest
 die Sundainseln, die Molukken, Neu-Guinea und den nördlichen Teil des
Festlandes von Australien bis etwa zum 18.° S-Br. ins Innere hinein überweht;
südlich davon herrschen im Südsommer Winde aus polarer Richtung. Dieser
Nordwestmonsun ist ein schwächeres Gegenstück des Südwestmonsuns Südasiens
 und weht während der Regenzeit Nordaustraliens. In der Nähe des
Äquators sind Regenzeit und Trockenzeit noch wenig scharf getrennt. Zu Padang
an der Südwestküste Sumatras regnet es noch ziemlich das ganze Jahr hindurch
gleichmäßig. Je weiter nach Süden, desto deutlicher ist eine Trockenzeit von
Mai bis November ausgeprägt. Freilich bringen auch hier, wie überall in der
Tropenzone, hohe gebirgige Inseln örtliche Ausnahmen zustande, indem auch die
einer Passatrichtung zugewendete Seite eines Gebirges zu Niederschlägen Veranlassung
 gibt.
Auf dem australischen Festland selbst dürfte gegen Süden zu die Breite
von Brisbane im allgemeinen die äußerste Grenze der Monsunregen sein. Die
jährliche Niederschlagsperiode zeigt denselben Typus wie die des asiatischen
Monsungebietes; bis zum 28.° Parallel S-Br. ist Januar oder Februar der regenreichste,
 August der regenärmste Monat, aber je weiter man sich vom Aquator
entfernt, desto mehr nimmt die winterliche Regenmenge auf Kosten der sommerlichen
 zu, und das trotz bedeutend höheren Barometerstandes zur kühlen Jahreszeit,
 Auf die Ostseite der Kap-York-Halbinsel erstreckt der Nordwestmonsun
selbst seinen Wirkungsbereich nicht mehr. Für diese sowie für die ganze tropische
 Ostküste von Australien, also für den östlichen Teil von Queensland und
Neusüdwales, ist der Südostpassat selbst ein Regenwind: im Norden, weil er
monsunartigen Charakter annimmt, im Süden, weil er von der See herkommend
und auf das Küstengebirge treffend an diesem seinen Wasserdampf absetzt.
Die Eintrittszeit der Regen folgt dem Zenithstand der Sonne, aber diese Sommerregen
 erstrecken sich an der Ostküste auch noch in die subtropische Zone hinein,
 und eine eigentliche Winterregenzeit kommt an dieser Küste überhaupt
nirgends zur Geltung. Wir kommen gleich noch hierauf zu sprechen.
In Australien beschränkt ‚sich daher das. echte Äquatorialklima auf die
Nordküste, die Inselwelt, Neu-Guinea und den Bismarckarchipel sowie die Karolinen,
 Marschallinseln und Gilbertinseln, Die Hawaiinseln haben dagegen nordtropisches
 Passatklima. In der südhemisphärischen Inselwelt tritt uns eine
Zweiteilung entgegen. Das eigentliche Passatklima herrscht nur im. östlichen
Teil, etwa von den Marquesas an; alle weiter westlich gelegenen Inseln stehen
noch unter dem Banne des australischen Festlandes und haben südtropisches
Kontinentalklima mit Kalmen und monsunartigen Winden, im Sommer, Dies
Klima beherrscht auch den nördlichen und östlichen. Teil des Kontinents selbst.
Landeinwärts geht es allmählich in das Passatklima über, das an der Westseite
herrscht, und zwar beginnen bereits vom 145.° östlicher Länge die Winterregen,

1) Vgl. hierüber auch die theoretischen Ausführungen in Lorenz-Rothe, Lehrbuch der
Klimatologie mit besonderer Berücksichtigung auf Land- und Forstwirtschaft. Wien 1874. 5. 235ff.
            
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