yv. Hasenkamp, H.: Die Untersuchungen von Guyou über die scheinbare Schwere an Bord usw. 79
Das scheinbare Gewicht eines materiellen Punktes, der von einem Fahrzeug,
mit dem er verbunden ist, fortgezogen wird, ist nach Guyous Bezeichnung
die Wirkung, die dieser materielle Punkt auf die ihn mit dem Fahrzeug verbindenden
Teile ausübt, die scheinbare Vertikale ist die Richtung dieser Kraft.
Bezeichnet man mit m die Masse des materiellen Punktes, mit Z/7 sein scheinbares
Gewicht, so ist der Quotient
MX
m 7
die scheinbare Beschleunigung der Schwere; man hat also
NM=m7y cbenso wie P= mg.
Das scheinbare Gewicht, die scheinbare Vertikale und die scheinbare Beschleunigung
y werden für den speziellen Fall der Ruhe das wahre Gewicht, die
wahre Vertikale und die Beschleunigung g.
Das scheinbare Gewicht eines materiellen, durch ein Fahrzeug
in beschleunigter Bewegung mitgezogenen Punktes ist die Resultierende
seines wahren Gewichts und einer Kraft, die der Kraft entgegengesetzt
gleich ist, die dem Punkt seine gerade stattfindende Beschleunigung
geben würde, wenn sie allein auf ihn wirkte). ,
Die auf den materiellen Punkt wirkenden Kräfte sind in der Tat sein
wahres Gewicht P und die Wirkung der Verbindungsstücke mit dem Fahrzeug,
die mit — 7 zu bezeichnen ist, da sie // gleich und entgegengesetzt ist; die
Kraft, die allein wirkend dem Punkt die wirklich vorhandene Beschleunigung
geben würde, ist also die Resultierende von P und — //; folglich ist eine Kraft J,
die dieser Resultierenden entgegengesetzt gleich ist, im Gleichgewicht mit den
beiden Komponenten P und — IL. ; .
Da also J, P, — IT untereinander im Gleichgewicht sind, so ist die Kraft ZZ
die Resultierende von J und P.
Die scheinbare Beschleunigung y der Schwere ist die Resultierende
der wahren Beschleunigung g und einer Beschleunigung, die
der augenblicklich vorhandenen Beschleunigung des Punktes des
Fahrzeuges entgegengesetzt gleich ist, in dem 'sich der materielle
Punkt befindet.
Nimmt man auf den beiden Seiten und auf der Diagonale des von J, P, IT
gebildeten Parallelogramms die Strecken
Ir, Pag, Z_,
m ? m 2 m 7 f'
so erhält man ein zweites Parallelogramm von den Seiten i und g und der
Diagonale y. Hierin ist i der Beschleunigung des Befestigungspunktes entgegengesetzt
gleich. Nennt man diese Beschleunigung j, so ist nach der Definition
die Kraft J dem Produkt mj entgegengesetzt gleich; man hat also ‘
J=mi=-—m) oder i=-—)J.
Da somit die Beschleunigung y nur von der Beschleunigung des Befestigungspunktes
abhängt, so müssen die scheinbaren Gewichte mehrerer in diesem Punkt
angebrachter Massen m, m’, m”,... die Größen
my, My, MM Yon
haben.
Hat ferner das Fahrzeug eine geradlinig fortschreitende Bewegung, So
sind die Beschleunigungen aller denkbaren Aufhängungspunkte gleich und parallel,
ebenso die Beschleunigungen y; dies würde z. B. der Fall sein bei einem Eisenbahnwagen,
der auf einer schiefen Ebene sich selbst überlassen ist; man überzeugt
sich leicht, daß dann die scheinbare Vertikale senkrecht zur schiefen Ebene
steht, falls die. Reibung vernachlässigt werden kann.
‘) Für die zuletzt erwähnte Kraft besteht keine allgemein gebräuchliche konventionelle Bezeichnung.
Die französischen Autoren nennen sie meist »force d’inertie«, manche deutsche Schriftsteller
bezeichnen sie als »Reaktionskraft« und die im umgekehrten Sinne genommene Kraft als
Effektivkraft«. Der oben vergebene Satz ist ersichtlich ein Spezialfall des d’Alembertschen Prinzips