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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Wedemeyer, A.: Die Tafeln der Meridionalteile, 
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diese Methode ersann, ist nicht bekannt. Wie im folgenden geschildert werden 
wird, muß wohl Ralphe Handson als der Begründer der Methode angesprochen 
werden. Edmund Gunter hat, soweit ich feststellen konnte, die Methode zuerst 
zur Berechnung der Meridionalteile angewandt. Die nach dieser Methode von 
Jansz Corneliß Lastman im Jahre 1641 berechnete Tafel hat bis heute in vielen 
nautischen Tafeln Aufnahme gefunden. ; 
Henry Bond soll nach Halley zuerst darauf hingewiesen haben, daß die 
Meridionalteile die natürlichen Logarithmen der Tangenten sind. Auffällig ist, 
daß Gunter bei Berechnung der Log tang nicht selbst darauf gekommen ist, 
Was ich darüber ausfindig machen konnte, soll mitgeteilt werden bei der Be- 
sprechung von Gunters Tafel. Descartes hatte 1638 und Kvangelista Torricelli 
1640 die logarithmische Spirale behandelt. Durch Vergleichung der loxodromischen 
Spirale in der Plattkarte, zu deren Zeichnung Wright die Table of Rumbs berechnet 
hatte, mit der logarithmischen Kurve in einem rechtwinkligen Koordinatennetze 
wird wahrscheinlich das analytische Gesetz der Spirale gefunden sein. Gino Loria, 
Spezielle algebraische und transzendente ebene Kurven (deutsch von F. Schütte), 
Leipzig 1911, nimmt als Geburtsdatum .der logarithmischen Kurve das Dezennium 
1635 bis 1645 an. Es ist daher möglich, daß Bond 1645 das analytische Gesetz 
der Loxodrome gefunden hat. Die Geschichte der Theorie der Loxodrome ist 
von Siegmund Günther, Studien zur Geschichte der math. und phys. Geographie, 
Halle 1879, ausführlich geschildert worden, 
Abraham Goltthelf Kästner, Weitere Ausführung der mathematischen Geo- 
graphie, Göttingen 1795, widmet den »Loxodromien und Seekarten mit wachsenden 
Graden« das sechste, 139 Seiten starke Kapitel. Er bespricht ausführlich die 
Berechnung der Tafeln der Meridionalteile für die Kugel und für das Sphäroid, 
ferner einige der damals vorhandenen Tafeln und die geometrischen und analy- 
tischen Methoden zur Ermittlung von sec p-Oo. Kästner ist in seinem Urteile 
sehr vorsichtig; er vergleicht seine Rechnung mit den Tafeln von Wright, 
Snellius und Patoun und sagt dann: »wenn ich mich nicht verrechnet habe«, 
Unter dem Titel »Zur Geschichte der Meridionalteile« hat Joseph Bathe in 
Ann. d. Hydr., 1915, S. 425 ff, eine Anzahl mathematischer und nautischer Tafeln 
zusammengestellt, in denen Tafeln der Meridionalteile für die Kugel und das 
Sphäroid enthalten sind. Auf die Frage, »welche Tafel der Meridionalteile der 
Wahrheit am nächsten kommt«, hat er nicht eingehen können. Er gibt aber 
Auszüge aus den Tafeln von Wright, Snellius, Dechales, Moore und Mendoza und 
knüpft daran kritische Bemerkungen. Im folgenden sollen nun Ergänzungen 
und Berichtigungen zu diesen Arbeiten mitaufgenommen werden. Der Haupt- 
zweck meiner Arbeit ist, den Wert der vorhandenen Tafeln der Meridionalteile 
festzustellen. 
Eduard Wright und Snellius wenden bei der Berechnung der Tafeln das 
gleiche Verfahren an. Sie addieren die Sekanten der aufeinanderfolgenden vollen 
Minuten. Sie tabulieren die Meridionalteile von Minute zu Minute der Breite 
auf 0,0001 Seemeile.!) Durch Vergleichung der Zahlen in beiden Tafeln stellt 
Bathe folgendes fest: »Die Snelliusschen Zahlen stimmen, wie man sieht, in 
den Dezimalstellen mit den Wrightschen nicht überein. Während die Differenzen 
der Meridionalteile, also die Sekanten. der aufeinanderfolgenden Minuten, bei 
Wright ständig ansteigen (ein Vergleich zeigt, daß sie mit den Zahlen der 
Sekantentafel des Pitiseus von 1612 genau übereinstimmen), wechseln sie bei 
1) Bathe wünscht statt des Ausdrucks »Seemeile« die Bezeichnung »Aquatorminute«, Beide 
Ausdrücke sind mindestens gleichberechtigt. »Seemeile« deutet an, daß man es mit einem bekannten 
Streckenmaß zu tun hat, während »Minute« ein Winkelmaß ist. Schon aus diesem Grunde gebe ich 
der »Seemeile« den Vorzug. »Großkreisminute« wäre jedenfalls berechtigter ‚als »Aquatorminute«, 
»Großkreis« würde immerhin andeuten, daß die Zahlen einmal mit der Kugel in Beziehung gestanden 
haben, »Bogenminute« pflegt man solche Größen meist zu nennen, um sie von «Zeitminuten« zu unter- 
scheiden. Die Seemeile ist eine Bogenminute auf einer Kugel mit bestimmtem Halbmesser, Kästner 
schreibt schon 1795: »Bey dem Winkel ZKC kömmt nichts darauf an, ob der Bogen ZC, der ihn 
mißt, mit dem Halbmesser des Äquators beschrieben ist, oder mit jedem anderen, z. E. hier mit einer 
veraden Linie, so lang als der Quadrant des Meridians.«
	        
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