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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

308 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1916. 
die Anwendung des von Herrn Immler angegebenen Verfahrens, bei dem die 
Bestimmung einer zweiten Abtrift durch absichtliches Fahren in einer mit der 
Fahrtrichtung nicht übereinstimmenden Richtung!) verlangt und überdies die 
Benützung umfangreicher Formeln?) bzw. Tabellen erforderlich wird. Beiläufig 
bemerkt sei übrigens, daß die Berücksichtigung der Abtrift seitens unserer Flieger 
nach einer äußerst einfachen empirischen Methode geschieht, welche außer ihrer 
Einfachheit noch den Vorzug hat, daß ihr keinerlei Annahmen über die Eigen- 
geschwindigkeit der Maschine zugrunde liegen. Sie besteht in folgendem: Falls 
man mit dem auf der Karte abgesetzten Kurs nicht in der gewünschten Richtung 
weiterkommt, ändert man den Kurs so lange, bis daß es geschieht®). Diesen 
empirisch ermittelten Kurs behält man bis auf weiteres auch dann bei, wenn die 
Erde unsichtbar werden sollte. Ich kann demnach dem Urteil Herrn Immlers, 
daß »die Lösung dieser Frage in ihren Anfängen stecken blieb und nicht den 
erwünschten brauchbaren Aufschluß gab«, nicht beistimmen, möchte vielmehr 
annehmen, daß kein Grund vorliegt, mit der bisherigen bewährten Methode zu 
brechen, Privatdozent Dr. R. Wenger-Leipzig. 
2. Zu der Bemerkung des Herrn Dr. R. Wenger, Leipzig. Aus den 
vorstehenden Ausführungen des Herrn Dr: R. Wenger, Leipzig kann dankbar 
die Aufklärung entnommen werden, daß in dem Winddreieck drei Stücke be- 
stimmbar seien, wenn man die Resultante (Fahrt über den Erdboden) mit Hilfe 
von Karte und Uhr gefunden hat. Veranlassung zu vorliegendem Aufsatz war 
jedoch der Drang, mit möglichst wenigen Hilfsmitteln auszukommen, und die 
vorgeschlagene Methode bedarf nur des Pfadfinderkompasses, was den Voßteil 
hat, daß der Beobachter nicht gezwungen ist, aus verschiedenen Hilfsmitteln seine 
Angaben zusammenzuholen, sondern sein Augenmerk allein auf den Kompaß 
richten kann. Daß selbstverständlich alles aus den bekannten Stücken gezeichnet 
werden kann, soll nicht geleugnet werden; hier wurde einmal der Weg ein- 
geschlagen, die gesuchten Größen aus Tabellen zu entnehmen. Die Frage, mit 
welchen Eingängen solche Tabellen aufgebaut werden sollen, hängt ganz von 
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entsprechenden Wünschen ab, und es ist klar, daß sich aus x und T Windrich- 
tung und -stärke allein tabellieren läßt (es ist einfach die Umkehrung der 
Tabelle 2). Äußerungen aus Kreisen der Luftschiffahrt beweisen, daß ein Be- 
dürfnis nach derartigen Tabellen besteht, um schnell zahlenmäßig Windrichtung 
und -stärke zur Hand Zu haben, und anderseits, daß das Streben vorliegt, die 
Lösung der Frage einer weiteren Entwicklung zuzuführen. — Die vorgeschlagene 
Methode ist eine von vielen; der Vorwurf, daß sie umfangreiche Formeln erfordert, 
wird wohl nicht aufrecht zu erhalten sein, da die praktische Bestimmung der er- 
forderlichen Größen nur die auf S. 502 und 503 abgedruckten Tabellen (oder ent- 
sprechende leicht zu entwerfende Zeichnungen), die je nach den Erfordernissen 
wohl auch noch Kürzungen vertragen können, beansprucht, . 
Wenn endlich auch nicht verkannt werden soll, daß der geübte Flugzeug- 
führer durch Empirie den gewünschten Kurs ermitteln kann, so ist es gerade 
Zweck der Arbeit gewesen, dem Flugzeugführer eine Methode an die Hand zu 
geben, bei der er, ohne in der Karte zeichnen oder rechnen zu müssen, durch 
Benützung lediglich zweier aufgeschlagenen Tabellen instand gesetzt wird, den 
Vorhaltewinkel zu entnehmen und damit aus dem Zustande des Probierens 
herauszukommen, W. Immler-Elsfleth, 
3. Berechnung der Druck- und Massenverteilung im Meere. Die Be- 
rechnung der im Meere vorhandenen Druck- und Massenverteilung ist trotz der 
von Bjerknes herausgegebenen übersichtlich und praktisch angelegten Tabellen *) 
1) Dieses müßte bei längeren Flügen, wegen der starken zeitlichen und räumlichen Veränder- 
lichkeit des Windes mehrmals, wiederholt werden. 
2) Bei der Bemerkung über die umfangreichen Formeln dachte ich vor allem an die Schwierigkeit, 
den oft wenig vorgebildeten Flugschülern Herrn Immlers Methöde mundgerecht zu machen. 
_—_ Y Die angedeutete Methode macht weder ein Zeichnen in der Karte, noch ein Rechnen ©ı- 
Oorderlıch, + 
*) Dynamische Meteorologie und Hydrographie von V.Bjerknes. Hydrographische Tabellen. 
Braunschweig 1912.
	        
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