592 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1916.
soweit sich nicht störende Nebeneinflüsse bemerkbar gemacht haben, die nicht
in Rechnung gezogen worden sind. Die allgemeine Formel für das Psychrometer
nimmt daher die folgende Form an, die von der früher!) von mir entwickelten, hin-
sichtlich der Einführung des Druckes der trockenen Luft nicht ganz richtigen Formel
nur wenig abweicht:
Bs X + Bey e\-
TE Ha) ( — 3) oder
1 +9.
— (co) Zn
] e=e, -Af” B(t—t;) a 147
0.000 630 & für wasserbedeckte Kugel,
[A569 = 0.000 557 & für eisbedeckte Kugel. ((8l. 8.)
Wie Tab. V und VI zeigen, sind & und + Größen, die nur wenig von 1 abweichen,
so daß A°%) innerhalb der Grenzen der anzustrebenden und durch die Verhältnisse
der gewöhnlichen Beobachtungen gebotenen Genauigkeit als konstant angesehen
werden darf und es in vielen Fällen auch zulässig sein wird, in den für e ge-
gebenen Formeln z, gleich 1 zu setzen.
{
B. Meine neue Ableitung der Psychrometerformel,
Auf die {nachfolgende Ableitung der Formel für das Psychrometer, und
zwar für unendlich stark bewegte Luft, aus der Bedingung, daß das feuchte Ther-
mometer seinen tiefstmöglichen Stand zeige, bin ich durch ein Rechnungsergebnis
des Ingenieurs Prött, eines Industriellen aus Rheydt, gelangt, der sich mit der
fabrikmäßigen Herstellung von Befeuchtungsanlagen für Schul- und andere Räume
beschäftigt. Ausgehend von einem ursprünglich wasserdampffreien Raum, der sich
durch die Verdampfung von Wasser abkühlt und allmählich mit Wasserdampf
sättigt, berechnete Prött die den verschiedenen Mengen von Wasserdampf ent-
sprechenden Temperaturen und Dampfspannungen und fand zufällig bei Benutzung
einer Jelinekschen Psychrometertabelle, daß sich in der ganzen Berechneten
Zustandsreihe für jede Temperatur und die zugehörige Dampfspannung derselbe
Wert für die Temperatur des feuchten Thermometers ergebe.
Verlegen wir die Verdunstung des von dem Raume aufzunehmenden Wassers
auf die Oberfläche der befeuchteten Kugel des feuchten Thermometers und legen
wir uns die Frage vor, welche Beziehung zwischen der jeweiligen Temperatur t
und der jeweiligen Dampfspannung e und dem tiefstmöglichen Stand des feuchten
Thermometers t, bestehen müsse, so muß der mathematische Ausdruck dieser Be-
ziehung die Psychrometerformel für unendlich stark bewegte Luft darstellen, die
uns unter der letzten Bedingung allgemein die Luftfeuchtigkeit aus. den Angaben
eines Psychrometers berechnen läßt. Die mathematische Behandlung des Vor-
zanges macht es zunächst notwendig, gewisse Festsetzungen über dieBegleitumstände
zu machen und diese so zu wählen, daß sie sich dem Vorgange bei der Verdunstung
des Wassers von der feuchten Thermometerkugel vollständig anpassen. Wir nehmen
an erster Stelle an, daß der Druck der trockenen Luft in dem Kubikmeter, den
wir der Betrachtung zugrunde legen, keine Änderung erfährt, wenn die enthaltene
Luft erkaltet, und setzen zu diesem Zweck voraus, daß eine Verbindung mit der
ihren Ausgangszustand unverändert bewahrenden umgebenden trockenen Luft
bestehe, so daß dieser Druckabnahme entsprechend solche Luft zuströmen soll,
während im übrigen aber kein Austausch mit der Umgebung stattfinden soll.
Zweitens nehmen wir an, daß es sich um eine so dünne Schicht verdunstenden
Wassers handle, daß seine Temperatur durchweg gleich derjenigen der verdunstenden
Wasseroberfläche ist, und drittens, daß diese Verdunstungstemperatur so lange
konstant bleiben soll, bis die sinkende Lufttemperatur ihren Wert erreicht hat. Die
Temperatur der trockenen Luft sei t,, diejenige des verdunstenden Wassers t’ und die
jeweilige der sich mit Wasserdampf bereichernden Luft t; e’ sei der Sättigungsdruck
des Wasserdampfes bei der Temperatur t’ und e der Dampfdruck der feuchten Luft-
masse bei der jeweiligen Temperatur t; die Werte t und e stellen also einen beliebigen
Zustand der Reihe dar.