586 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1916.
verbesserten Augustschen Formel verlangten Wert zustrebt, und diese damit
für den besonderen Fall gilt, daß das feuchte Thermometer in der jeweils vorhandenen
Umgebung seinen tiefstmöglichen Stand, entsprechend dem Grenzfall sämtlicher
möglichen Wärmegleichgewichtsfälle, erreicht hat. Führt man diese Bedingung
bei der Ableitung der Psychrometerformel hinzu, so gelangt man zu derjenigen
von August, in deren Ableitung sich nämlich eine Annahme befindet, die nur für
jenen Grenzfall zutrifft. Diese Annahme von August ist bereits von Regnault
als unzutreffend angesehen bezeichnet worden, ohne daß bisher ihre Gültigkeit
für jenen besonderen Fall des niedrigst möglichen Standes des feuchten Thermo-
meters erkannt worden ist. .
Als Abschluß der geschichtlichen Anführungen sind in vorstehender
Tabelle IV die von Gay Lussac, August und Regnault sowie jetzt von mir
benutzten Werte der Konstanten, die mit diesen Werten berechneten nebst den
aus der Beobachtung abgeleiteten Faktoren des. Abzugsgliedes der Formel und
einige besondere Formen des Abzugsgliedes der Formel (3 und 5) zusammen-
gestellt worden; die Faktoren und Abzugsglieder beziehen sich, mit alleiniger Aus-
nahme derjenigen für die Aspirations-Psychrometertafeln, durchweg nur auf die
wasserbedeckte Kugel, während bei den übrigen für die eisbedeckte Kugel die
Änderung vorzusehen ist, daß A um 79 Einheiten größer wird.
A. Ableitung der Psychrometerformel unter Anlehnung an August.
August ging von der Annahme aus, daß sich in der Umgebung der feuchten
Kugel eine Schicht befinde, die man beliebig klein annehmen könne, in der die Luft
von der Temperatur t der Umgebung auf die Temperatur t, der feuchten Kugel
abgekühlt sei und deren Wasserdampfspannung von derjenigen e der Umgebung
auf die der Temperatur t, entsprechende Maximalspannung e, angewachsen sei,
so daß diese Schicht also bei der Temperatur t, mit Wasserdampf von der Spannung
e, gesättigt sei; von den drei in dieser unmittelbaren Umgebung der feuchten Kugel
enthaltenen Bestandteilen, der trockenen Luft, dem in dieser bereits vorher ent-
haltenen Wasserdampf und dem von der feuchten Kugel verdampften Wasserdampf
wird angenommen, daß die ersten beiden ihre Wärme bei der Bildung des dritten
hergegeben haben — die Gleichsetzung dieser Wärmemengen ergibt dann die
Augustsche Formel, also in derselben Weise, wie wir dies bei der Entwicklung
der Formel von Gay Lussac gesehen haben. Ebenso wird der Druck der trockenen
Luft in dieser Umgebung der feuchten Kugel gleich B — e, angesetzt, wo B den
Barometerstand. bezeichnet. ‘Die Annahme von August setzt in der Tat etwas
voraus, was im allgemeinen nicht der Fall sein wird, daß nämlich dieselbe Masse
der ursprünglichen feuchten Luft jene Abkühlung und jene Sättigung erfahren
werde, Das Wärmemengengleichgewicht muß bestehen, schließt aber jene Forderung
nicht ein. Und in der Tat vermag das Ergebnis von August nicht die allgemeine
Lösung der Aufgabe darzustellen, da wir aus der Erfahrung wissen, daß das feuchte
Thermometer, abhängig von der Stärke der Luftbewegung in seiner Umgebung,
verschiedene Gleichgewichtslagen einnimmt. In meiner Abhandlung vom Jahre 1889
habe ich bereits gezeigt, wie man zu einer allgemeinen Formel unter der Annahme
gelangen könne, daß die jene Wärme spendenden und jenen Wasserdampf auf-
nehmenden Luftmassen verschiedene .seien, und es war mir unter Zurückgreifen
auf Experimente’ von. Sworykin schließlich gelungen, eine durch jene Versuche
vollbestätigte allgemeine Formel unter Einbeziehung der Stärke der Luftbewegung
aufzustellen. . .
An Stelle der damals von mir gegebenen Betrachtung möge hier eine etwas
andere gegeben werden, die sich dem Vorgang einer an der feuchten Kugel mit
gleichbleibender Geschwindigkeit vorbeiströmenden Luft, wie wir sie bei den aspi-
rierten Thermometern haben, besser anpaßt. Die Vorstellung, daß die Kugel von
konzentrischen Schichten gesättigter und abgekühlter Luft umgeben werde, soll
aufgegeben werden, da sie für diesen Vorgang nicht zutrifft. Wir betrachten den
Fall, daß ein gleichmäßiger Strom feuchter Luft an der befeuchteten Kugel vorbei-
strömt und das feuchte Thermometer seinen Stand nicht mehr ändert. also ein