580 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1916,
brauchbar geworden ist, verdient August.gewiß als Vater des Psychrometers ange-
sehen zu werden.
In der Folge ließen die Beobachtungen mit dem Psychrometer bei dem Ver-
gleich mit genaueren gleichzeitigen anderweitigen Bestimmungen des Dampfdrucks,
als dies mittels des Daniellschen Hygrometers möglich gewesen war, mehr und mehr
die Abhängigkeit der Angaben des Instruments von der Stärke der Luftbewegung
erkennen, so daß schon 1831 Belli die Einführung einer Ventilation des Psychro-
meters vorschlug. a
Besonders eingehend beschäftigte sich weiterhin Regnault®) mit dem Einfluß
der Stärke der Luftbewegung auf den Stand des feuchten Thermometecrs. Da die
Untersuchung dieses berühmten Physikers besondere Bedeutung für die Verwertung
des Psychrometers bei den täglichen Beobachtungen der meteorologischen Stationen
gewann, indem seine Ergebnisse in weitem Umfang späterhin der Berechnung der
Luftfeuchtigkeit zugrunde gelegt wurden, ist es geboten, hier näher auf diese Arbeit
einzugehen; dies ist um so mehr der Fall, als einige Irrtümer zu berichtigen sind
und ein Hinweis nicht unwichtig erscheint, weshalb Regnault zu keinem befriedi-
genden Ergebnis gelangt ist und die Aufgabe ungelöst gelassen hat. Sehr auffällig
ist zunächst die von Regnault vorangestellte geschichtliche Anführung, daß
nach Gay Lussac, der als erster sich die Aufgabe gestellt habe, aus einem trockenen
Thermometer und einem zweiten mit befeuchteter Kugel die Feuchtigkeit der Luft
zu bestimmen, sich ein deutscher Physiker, M. August, mit dieser Frage beschäftigt
und den Versuch gemacht habe, „Formeln für die Berechnung der Angaben des
Apparats, der.den Namen Psychrometer erhalten habe, aufzustellen. Regnault
erwähnt hier die zunächst von Ivory geleistete Ableitung der Formel nicht, obgleich
August diese ausführlich in derselben Abhandlung*) wiedergibt, aus der Regnault
die von August gegebene Entwicklung der Formel entnommen hat, um sie in seiner
Abhandlung in Frankreich bekannt zu machen — auch daß die Benennung
„Psychrometer‘“ von August stammt, wird verschwiegen. Nachdem Regnault
die Formelableitung von August ausführlich wiedergegeben und die von diesem
benutzten Werte der in die Formel eingehenden Konstanten angeführt hat, ins-
besondere auch erwähnt hat, daß August für die latente Wärme des Wasserdampfes
nachträglich einen anderen Wert eingeführt habe, berichtet Regnault, daß August
so die Näherungsformel e = e, — Mr abgeleitet habe, an deren Stelle er
nach Einführung etwas abweichender Werte für einige Konstanten das Abzugsglied
»
auf der rechten Seite der Formel gleich San B erhalten habe. Angesichts
der von Regnault eingeführten geringfügigen Änderungen der Werte der Kon-
stanten muß es überraschen, daß der Zahlenfaktor im Zähler des Abzugsgliedes
eine so große Änderung erfahren haben sollte — in der Tat liegt hier ein Versehen
Regnaults vor, da die Konstanten von August, wie oben angeführt, den
Zahlenfaktor gleich 0.428, nahe gleich dem von Regnault erhaltenen Wert ergeben;
das Versehen ist dadurch entstanden, daß August in seiner ersten Abhandlung
das Abzugsglied nicht in dieser Form mitgeteilt hat und eine nachträgliche Anderung
auch jenes Zahlenfaktors im Zähler aus den oben wiedergegebenen Worten, mit
denen er in der zweiten Abhandlung seine neue Formel einführt, nicht hervorgeht.
Wenn August gefunden hatte, daß die Erniedrigung des feuchten Thermometers
in einem Strom trockener Luft wirklich mit hinreichender Annäherung der Formel 1
entspräche, so glaubte Regnault, da die Formel auf die Stärke der Luftbewegung
keine Rücksicht .nähme, hieraus folgern zu müssen, daß von einer gewissen Luft-
bewegung ab die Unterschiede zwischen beiden Thermometern von der absoluten
Geschwindigkeit des Luftstroms unabhängig werden müßten. Um diese Frage zu
prüfen, berechnete Gay Lussac zunächst mit seinen verbesserten Konstanten
die in einem Strom trockener Luft nach Formel 1 zu erwartenden Temperatur-
erniedrigungen. In der nachstehenden Tabelle I sind die von Gay Lussac berech-
neten und beobachteten Temperaturen des feuchten Thermometers, sowie die von
Regnault berechneten zusammengestellt, soweit es sich um Temperaturen des
feuchten Thermometers über dem Gefrierpunkt handelt, doch sind die Werte von