Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1916.
Die Witterung an der deutschen Küste im September 1916. -
(Amtlich}
In seinen Monatswerten kennzeichnete sich der September bei annähernd
normalem, im Westen etwas zu hohem, im Osten etwas zu niedrigem Barometer-
stand als kühl, meist ziemlich heiter und überwiegend als trocken; die Winde
waren im ganzen ziemlich gleichmäßig auf die Himmelsrichtungen verteilt und
blieben mit ihrer mittleren Stärke, soweit die berechneten Mittelwerte der auf-
gezeichneten Stundenmittel der Windgeschwindigkeiten mit vieljährigen Mittel-
werten verglichen werden konnten, gegen diese zurück, Sommertage, an denen
die Temperatur am Nachmittag bis 25° stieg, wurden nicht beobachtet,
Der September hatte am 2., vom 7. bis 10, und besonders lange vom 21.
bis 30. fast durchweg trockenes Wetter an der ganzen Küste; Regen fiel in
größerer Verbreitung am 1. an der ganzen Küste, am 3. ostwärts bis zur West-
küste Schleswig-Holsteins, am 4. über dem Westen der Nordseeküste und von
der Elbe bis Pommern, am 5. von Rügen ostwärts, am 6. über Rügen und Um-
gebung, am 11. und 12, mehrfach ostwärts bis zur‘ Ostseeküste Schleswig-Hol-
steins, sowie am 13. bis 20. an der ganzen Küste, Heitere Tage waren in
größerer Ausdehnung der 6. an der westlichen Ostsee, der 8. an der westlichen
Ostsee und von Rügen ostwärts, der 9. von Rügen ostwärts, der 10, an der Ost-
see, der 22. an der Ostsee ostwärts bis Pommern, der 25. an der westlichen
Nordsee und der östlichen Ostsee, der 26. an der westlichen Ostsee, der 28. und
29, an der ganzen Küste und der 30. an der Nordsee. Nebel trat‘ in größerer
Verbreitung auf am 8, von der Weser bis Mecklenburg, am 9. an der Nordsee,
am 20. von Mecklenburg bis Pommern, am 25. von Elbe bis Oder, am 26. von
der Elbe ostwärts und am 27. ostwärts bis zur Helgoländer Bucht. Ausgedehnte
Gewitter stellten sich in der Nacht zum 4. und am folgenden Tage ostwärts
bis Pommern, am 14, an der mittleren Ostseeküste und am 19, mehrfach an der
Nordsee ein. Steife und stürmische Winde wurden in großer Verbreitung
beobachtet am 1. und 2, ostwärts bis Pommern aus dem Nordwestviertel und
an der preußischen Küste aus dem Südwestviertel, am 15. an der Ostseeküste
aus beiden westlichen Vierteln, am 16. und 17. an der mittleren Ostseeküste aus:
Nord bis Nordost, am 18. ostwärts bis zur Oder aus dem Südwestviertel und
endlich am 30. mehr vereinzelt aus dem Nordostviertel an der Ostsee,
Der Monat September zeigte morgens am 1. gegenüber einem Hochdruck-
gebiet über Nordosteuropa ein anderes über Südwesteuropa, das sich in einem
bis nach dem Eingang des Skagerrak und der Oder ausgebreiteten Ausläufer nord-
ostwärts erstreckte und Tiefdruckgebiete nördlich von Schottland sowie von Süd-
rußland bis nach dem Süden der Ostsee reichend. Bis zum 5. wanderte der
Hochdruckausläufer über Kontinentaleuropa ostwärts, während sich das ozeanische
Tiefdruckgebiet in einem Ausläufer von Frankreich her über Deutschland bis
über die Oder hinaus ausdehnte. Die am 1. und 2, meist westlichen Winde
drehten zunächst im Westen und weiterhin auch im Osten nach südlichen Rich-
sungen, so daß Steigen der Temperatur eintrat und diese, wie schon teilweise
am 1., besonders am 3. und 4, meist die höchsten Werte des Monats erreichte.
Am 5. vollzog sich ein Witterungswechsel, indem das Tiefdruckgebiet an diesem
Tage von der Nordsee her über Kontinentaleuropa südostwärts fortschritt,
während ein Hochdruckgebiet über Großbritannien heranzog. Dieses nahm am
6. an Höhe zu und trat durch einen über Südnorwegen verlaufenden Rücken
höheren Drucks mit dem über Osteuropa inzwischen etwas südwärts verlagerten
Hochdruckgebiet über Rußland in Verbindung, der das am 6. vom Mittelmeer
noch bis nach dem Süden der Nord- und Ostsee ausgebreitete Tiefdruckgebiet
von einem über Nordskandinavien ostwärts fortschreitenden Ausläufer eines über
dem Eismeer gelegenen Tiefdruckgebiets trennte. Nach veränderlichen Winden
am 5. drehten die Winde an der Küste am 6. auf der Südseite des genannten
Hochdruckrückens nach östlichen Richtungen; die am 1, und 3. bis 6. mehrfach
deobachteten Regenfälle hörten nun zunächst auf,
Im Bereiche des Hochdruckrückens herrschte vom 7. bis 10. meist trockenes,
vielfach heiteres oder nebliges, kühleres Wetter; die Winde blieben schwach und