Jentzsch: Die Meeresströmungen und die Navigierung im Golf von Mexico usw.
565
4. Die Bahama-Bänke.
Im Providence-Kanal setzt der Strom im allgemeinen mit 0,5 Knoten Ge-
schwindigkeit nach Westen, wird aber an der Oberfläche durch einsetzende Winde
in kurzer Zeit beeinflußt. Bei nordöstlichen Winden hört er ganz auf und bei
Winden aus nordwestlicher Richtung setzt er mit 1,5 Knoten Geschwindigkeit
nach SO. Schiffe auf den Bahama-Bänken sollten stets beachten, daß die Flut
auf die Bank heraufsetzt, und daß dieser heransetzende Flutstrom noch in einiger
Entfernung außerhalb der. 183 m-Linie wirksam ist. . Auf der Ostseite der Bänke
fließt der Antillen-Strom mit ziemlich: großer Kraft nach Norden und Westen
nahe an den Bänken vorbei, in den Wintermonaten stärker als im Sommer. Bei
südöstlichen Winden setzt er in den Kanal hinein. In der Nähe von Abaco’ sind
die Tiefen sehr ungleichmäßig und schwanken in kurzen Abständen zwischen
4000 und 400 m. Beim Ansegeln von Land ist große Vorsicht geboten, da das
tiefe Wasser bis nahe an die Küste heranreicht. Jentzsch.
Kleinere Mitteilungen.
i. Beziehungen zwischen der Stärke des Nordost-Passats im Sommer
and der Wintertemperatur von Europa. Ein schwieriges, aber fesselndes
Problem ist der ursächliche Zusammenhang zwischen den meteorologischen Er-
scheinungen auf dem Meer und dem Festland. Vor 70 Jahren schon hat Sabine
sich diesem Studium zugewandt, später kamen die Arbeiten von O. Pettersson
und W. Meinardus, die uns zuerst bestimmte Beziehungen zwischen der Ober-
Mächentemperatur des Golfstromes und der Wintertemperatur in Europa zeigten
und durch Arbeiten von J. v, Hann und. anderen fortgeführt wurden. Schon
Meinardus’ wies darauf hin, daß zur Erklärung der Erscheinungen eine Aus:
dehnung über die engeren Grenzen des Untersuchungsgebiets notwendig Sei, und
daß es vor allem dazu eines tieferen Einblicks in die ozeanischen und meteoro-
logischen Verhältnisse der Tropen bedürfe (Ann. d. Hydr. usw, 1904, S. 362).
Diese Ausdehnung über die Grenzen des Untersuchungsgebiets erfolgte durch die
Arbeiten von Campbell Hepworth, der die Beziehungen zwischen den Passat-
Winden des Atlantischen Ozeans und den Wassertemperaturen im Nordatlantischen
Ozean sowie der Lufttemperatur in England untersuchte. An der Hand eines
außerordentlich umfangreichen Beobachtungsmaterials hat neuerdings P. H. Galle
eine Untersuchung über die Beziehungen, welche zwischen den Schwankungen
in der Stärke des Passats im Nordatlantischen Ozean im Sommer und den’ Ab-
weichungen der Temperatur des darauf folgenden Winters in Europa: bestehen,
veröffentlicht, die die. Beziehungen zwischen den untersuchten Größen mit Hilfe
des Korrelationsfaktors exakt ausdrückt!). Vorher ging eine allgemeinere Unter-
suchung von Gall6, die bestimmte Beziehungen zwischen den Schwankungen in
der Stärke der Passate und der Höhe der Wasserstände in den nordeuropäischen
Meeren nachweisen konnte*). .
Da die Einwirkung der Schwankungen der Passatstärke sich nach einem
Zeitraum von zwei bis drei Monaten auf die Wasserstände der nordeuropäischen
Meere bemerkbar macht, so schließt Galle, daß für einen Einfluß des Passats
auf die Wintertemperatur Europas (Dezember bis Februar) Passat-Wirkungen
der zurückliegenden Monate bis spätestens Oktober in Betracht. kommen. Es blieb
aber festzustellen, wie viele Monate des Passats in Rechnung zu ziehen: seien, um
die größte Korrelation zwischen Schwankungen der Passatstärke und der Winter-
temperatur von Europa zu erhalten. - Hierzu wurde folgendes Beobachtungs-
material der Jahre 1899/1900 bis 1913/14 benutzt. Es’ wurden 1. die Beobach-
tungen von fünf holländischen Stationen, Vlissingen, Maastricht, de Bilt, Helder
und Groningen, 2. die Beobachtungen der drei deutschen Stationen Görlitz,
) Akad. van Weetenschapen te Amsterdam. Proc, of the section of sciences Bd. 18, 1916 S. 1435.
') Ebenda, Bd, 17, 1915 8. 1147.