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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

564 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1916. 
In den übrigen Monaten folgt die Strömung ziemlich regelmäßig der Richtung 
der 183 m-Linie am Rande des Schelfs. 
Da eine Strömung nicht große Tiefen zu kreuzen pflegt, teilt sich im 
Norden.der Campeche-Bank von dem durch den Yucatan-Kanal kommenden Haupt- 
strom ein nordwestlicher Zweig ab, der seine Richtung auf das Mississippi-Delta 
zu nimmt und eine ziemlich große Geschwindigkeit hat. Er ist scharf begrenzt, 
und ein wenig weiter nach Westen ist überhaupt kein Strom zu verspüren. In 
den Monaten Februar, März und April wendet er sich in scharfer Drehung von 
der Campeche-Bank ab hinüber nach der Tortugas-Bank. 
Die Gegenströmung im Golf setzt um die Tortugas-Bank herum an der 
Westküste von Florida entlang nach Norden. Stürmische NO-Winde treiben das 
Wasser von der Küste weg, so daß man bei solchen Gelegenheiten mit geringeren 
Tiefen rechnen muß als bei gewöhnlichem Niedrigwasser, besonders in der Bucht 
südlich der Cedar Keys. Von hier ab .folgt der Strom weiter der Küste und 
Mießt nahe an der Mississippi-Mündung vorüber. In den Wintermonaten ist er 
durch seine trübe Färbung zuweilen bis zu 50 Sm von der Küste ab zu erkennen. 
An der mexikanischen Küste setzt er ziemlich kräftig innerhalb der 183 m-Linie 
nach Süden bis Port Mexico, wo seine‘ Oberflächen - Geschwindigkeit wieder ab- 
nimmt infolge seiner Ausbreitung über den Golf von Campeche. An der Yucatan- 
Küste ist dieser Strom kaum zu verspüren. 
3. Florida-Straße. 
Der Golfstrom erstreckt sich zwar über die ganze Breite der Florida- 
Straße von Land zu Land, aber die größte Stärke entwickelt er erst in einiger 
Entfernung von der Küste und zwar in folgenden Abständen etwa: 13 Sm von 
Sand Key (1,5 Knoten), 14 Sın. von Alligator-Riff (2 Knoten), 11 Sm von Fowey 
Rocks (3 Knoten) und 16 Sm von Jupiter Inlet (3,5 Knoten). 
Es gibt hier auch mehrere Gegenströmungen, die jedoch von den nach 
Süden bestimmten Schiffen nur mit Vorsicht ausgenutzt werden dürfen. Der 
Florida-Gegenstrom setzt dicht unter Land von Canaveral nach Fowey Rocks, 
wo er in den Hawk-Kanal einläuft. Außerhalb der Riffe macht er sich bis nach 
Sombrero Key: nur wenig bemerkbar, doch setzt er von hier ab bis nach Logger- 
head Key wieder mit großer Stärke. Ungefähr alle Durchlässe zwischen den 
einzelnen Florida Keys, durch welche ehemals die Gezeiten ein- und aussetzten, 
sind jetzt beim Bau der Küsten-Eisenbahn ganz oder teilweise ausgefüllt worden; 
nur die 2 Sm lange Strecke westlich von Long Key bis nach Conch Key ist 
mittels einer Brücke von 180 Bögen verbunden worden. Durch die Bögen dieser 
Brücke strömen jetzt die Gezeiten mit außerordentlicher Geschwindigkeit, be- 
sonders bei südlichem Winde setzt die Tide querab von Tennessee-Riff mit 
großer Kraft einwärts. 
Eine andere Gegenströmung folgt dem Rande der Bahama-Bank an Great 
Isaac und Gun Cay vorbei und verbindet sich mit einem durch den Nicolas- 
Kanal nach Westen setzenden Strom. Weiter westlich, beim Zusammentreffen 
mit den warmen Wassermassen des Golfstromes, sinkt das kältere Wasser dieser 
vereinigten Strömung in tiefere Schichten herab und erscheint erst wieder an 
der Oberfläche westlich von Habana. wo es seinen Lauf nach Westen und um 
Kap San Antonio herum ({ortsetzt. Östlich von Habana bis nach Piedras Cay 
ireht der Strom zuweilen ab bis auf 2 bis 3 Sm an die Küste heran. Beim 
Ansegeln von Land sollte man diesen Umstand beachten, um nicht an die Jaruco- 
Bank herangedrängt zu werden. 
Der Golfstrom wird zwischen Fowey Rocks und Great Isaac manchmal 
durch heftige Gegenwinde an der Oberfläche aufgehalten oder in seiner Rich- 
tung abgelenkt. Besonders sind es kräftige NO-Winde, welche ein Aufstauen des 
Wassers an der Nord- und Westküste des Golfs bewirken. Mit dem Nachlassen 
dieser Gegenwirkungen setzt auch der Strom in seiner alten Richtung mit ver- 
mehrter Geschwindigkeit weiter.
	        
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