Jentzsch: Die Meeresströmungen, und die Navigierung im Golf von Mexico usw, 563
deren mittlerer Hub bei der Insel. Bonacca 0,82 m und bei Roatan. 0.67 m be-
trägt. Infolge dieser verschiedenen Wasserbewegungen haben sich‘ ganz offen-
bar zwei Abzweigungen in. Form von Neerströmungen gebildet, eine im Golf
von Honduras und eine im Norden der Insel. Utila mit Kreisbewegungen, die im
entgegengesetzten Sinne der Bewegung des Uhrzeigers verlaufen, .
Im Hochsommer entwickelt der Süd-ÄAquatorial-Strom seine größte
Stärke und Ausdehnung, im. Spätsommer tritt der Passat am kräftigsten auf,
und der Herbst begünstigt das Auftreten der Orkane. Jeder dieser ange-
gebenen Umstände kann eine Ablenkung der Oberflächenbewegung zwischen der
Rosalind-Bank und der Cozumel-Insel verursachen; meistens setzt der Strom in-
folge der Ablenkung von den Inseln Bonacca und Ro6atan aus in gerader Rich-
tung bis nach den Keys außerhalb Belize, wo er sich mit bedeutend vergrößerter
Geschwindigkeit an der Küste entlang nach Norden fortsetzt und zwischen der
Cozumel-Insel und: dem’ Kontinent‘ zuweilen die Stärke von vier Knoten
erreicht. i
Im Sommer verlaufen die Strömungen im Golf von Honduras weit un-
regelmäßiger als im Winter. In der Nähe der Inseln Bonacca und Roatan setzen
während der Sommermonate die Süd-Äquatorial-Strömung und die Gegenströmung
in beinahe entgegengesetzter Richtung, was genügen würde, um einen Wirbel
im Golf von Honduras zu erzeugen.- Aber die Stromverhältnisse werden noch
verwickelter durch Gezeiten-Einflüsse, Bei der Insel Roatan wird die sommer-
liche Hubhöhe von 1.0 m beobachtet, größer als irgendwo sonst in diesen Ge-
wässern. Die Flut setzt nach Norden und Westen, die Ebbe nach Süden und
Osten. Innerhalb der 183 m-Linie setzt der Strom mit der Ebbe, aber bei den
Inseln Roatan und Bonacca setzt er mit der Flut und gegen die Ebbe. Wahr-
scheinlich ist auf diese Ursachen der Umstand zurückzuführen, daß von Barrios
ausgehende Schiffe, die ostwärts bestimmt waren, auf dem Wege nördlich der
Insel Utilla entlang stark versetzt wurden, besonders in Zeiten schlechten Wetters.
Meistens sind die Strömungen im Karaibischen Meer am stärksten, wenn die See
am wenigsten bewegt ist. N
In den Wintermonaten verläuft der Süd-Aquatorial-Strom .in weit engeren
Grenzen und setzt von Pt. de Gallinas in einer nach Westen -zu leicht ausge-
bogenen Kurve recht auf Kap Catoche zu, während der kalte Gegenstrom ver-
stärkt durch die »Norder« der Küste entlang nach Süden fließt, an Chinchorro-
Bank, Light House-Riff, an den Inseln Roatan und Bonacca vorbei und weiter
nach Kap Gracias,
Auf dem nördlichen Teil der Mosquito-Bank in 81° 40’ W-Lg. findet sich
ein auffallend tiefer Meereseinschnitt von über: 200 m Tiefe und in einer Breite
von etwa 5 Sm. Die Länge dieser tiefen Zunge, die in einer fast genauen
Nord—Süd-Richtung in die Bank hineinschneidet, beträgt etwa- 60 Sm. Südlich
dieser Zunge greift ein anderer, schmaler und tiefer Meereseinschnitt von Süden
her in die Bank ein und nähert sich dem ersteren bis auf etwa 10 Sm.. Diese
beiden tief einschneidenden Zungen eignen sich vorzüglich, um beim Segeln auf
der Bank mit -Hilfe des Lotes mit ‚großer Sicherheit seinen Schiffsort bestimmen
zu können, besonders für nach Süden segelnde Schiffe, Um die am weitesten
hinausreichende Untiefe, die Farrall Rocks auf der Gorda-Bank, gut frei zu
segeln, steuern nach Colon bestimmte Schiffe bei unsichtigem Wetter einen Öst-
lichen Kurs, bis die nach Süden reichende,.tiefe Zunge angelotet ist. Ein süd-
licher Kurs und das Lot führen dann das Schiff in der tiefen Rinne entlang bis
ungefähr. an den südlichen tiefen Einschnitt heran und von dort weiter in tiefes
Wasser.
‘9 Der Golf von Mexiko. :
In den Wintermonaten wird der durch den Yucatan-Kanal setzende Strom
durch die »Norder« auf die Campeche-Bank gedrängt, von wo er mit einer Durch-
schnittsgeschwindigkeit von einem Knoten nach Westen bis an die mexikanische
Küste heransetzt. Von dort fließt er weiter nahe der Küste nach Norden bis
nach der Matagorda-Insel und dann in südöstlicher Richtung nach der Tortugas-
Bank. Hier wird er besonders kräftig in den Monaten Februar, März und April.