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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Eckardt, W. R.: Über Luftdruckverteilung und Regenfall in Asien usw, 553

gedehnter der winterliche Hochdruck über der Balkanhalbinsel entwickelt ist*).
So können wir in der Hauptsache zwei Zugstraßen unterscheiden: die eine führt
bei wenig stark ausgeprägtem Hochdruck über der Balkanhalbinsel durch Griechenland
 mitten. durch zum Schwarzen Meere?); die sie benutzenden Wirbel ziehen die
Südküste Asiens sowie Palästina, Syrien und Nordägypten nicht mehr oder kaum
noch in ihren Wirkungsbereich. Die andere Zugstraße führt die Minima mehr oder
weniger -südlich über das levantinische Becken, weil dem höherem Luftdruck über
der südosteuropäischen Halbinsel die Minima weiter südwärts ausweichen müssen
und sie so auch den zuletzt genannten Gebieten Niederschläge bringen können?).
Zum Frühjahr hin werden in Vorderasien die Verhältnisse für das Zustandekommen
 der Niederschläge auf weiten Gebieten besonders günstig. . Zu dieser Jahreszeit
 findet über ganz Asien eine gewaltige Luftauflockerung des sehr hohen winterlichen
 Luftdrucks statt, aber der Übergang von der winterlichen zur sommerlichen
Luftdruckverteilung vollzieht sich dennoch viel allmählicher als der vom Herbst zum
Winter.
Auch, die spärlichen Regenfälle Ostturkestans und der Mongolei im Frühling
und Frühsommer hängen natürlich ebenfalls mit dieser Luftauflockerung zusammen,
bei der sich starke Barometerschwankungen bemerkbar machen, und zwar besonders
im April.‘ Gewaltige Staubstürme dringen dann aus dem Innern ostwärts selbst
bis an die Küste vor. Auch in Sibirien ist der Frühling sehr unruhig, und heftige
Schneestürme (Burane) machem sich daher auch noch im April bemerkbar. So
erfahren gerade auch in kontinentalen Teilen Asiens im Frühling die Niederschläge
vielfach eine Steigerung und sind hier im allgemeinen ergiebiger als im Herbst und
Winter wegen der günstigeren Luftdruckverhältnisse. Die hauptsächlichsten Gebiete
der Frühlingsregenfälle sind die inneren Teile Kleinasiens, ferner Mesopotamien,
Iran sowie das westliche Turkestan. Natürlich macht sich der Einfluß der Frühlingsregen
 der kontinentaleren Gebietsteile auch in den ozeanischen Randgebieten bemerkbar,
 wenn hier freilich auch der Winter selbst den Höhepunkt der jahreszeitlichen
 Regenkurve darstellt und nicht der Vorfrühling wie dort. Im allgemeinen
zerfällt in den ozeanischen Randgebieten der asiatischen Mittelmeerküste die Regenzeit
 in drei .Perioden, von denen die mittlere die meisten Regen bringt, während
die Früh- und Spätregen gewissermaßen einen Übergang darstellen von der Trockenzeit
 zur Regenzeit und umgekehrt. Die Gründe hierfür haben wir bereits zum
Teil kurz erwähnt. . . .
Sehr bemerkenswert ist jedenfalls für die Frühlingsregen die Tatsache, daß
die Bedingungen für ihr Zustandekommen bessere sind als für das der Frühregen
des Herbstes. Denn in den Aufzeichnungen von Hebron sind nach J.v. Hann*)
die Spätregen in 13 Jahren 9mal, in Jerusalem in 27 Jahren 18mal eingetreten,
während die Frühregen zu Jerusalem in 22 Jahren in nicht weniger als 11 Fällen
selbst im Oktober ausblieben. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir die Hauptursache
dieser Erscheinung den gerade im: südöstlichen Teile des Mittelmeeres weit in
den Herbst hinein ausgedehnten sommerlichen Witterungsverhältnissen zuschreiben,
denen dann der plötzliche Übergang zum Winter folgt. Einen Übergang vom subtropischen
 Klima Vorderasiens zum kontinentalen Klimatypus Indiens bildet das
Klima von Beludschistan. Denn hier machen sich neben den typischen Winterregen,
 die gleichwie in Persien und Mesopotamien das Maximum bilden, auch verspätete
 Sommermonsunregen regelmäßig, wenn auch nur spärlich, bemerkbar: eine
Erscheinung, die im südlichen Persien oder gar in Mesopotamien schon zu.den großen

1) Vgl. hierüber: W. R. Eckardt, Über die Ursachen der jahreszeitlichen Regenfälle in den
westlichen Mittelmeerländern. Tafel V, Fig. 20 in den Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie
 1916, Heft 4.
2) Das Niederschlagsregime der übrigen Gebiete der Balkanhalbinsel wird durch die Verteilung
des Luftdrucks über dem europäischen Festland selbst so sehr beeinflußt, daß hinsichtlich der Regenverhältnisse
 und deren Ursachen die Halbinsel am besten im Zusammenhang mit Mittel- bzw. Osteuropa
besprochen wird. Im übrigen vgl. die vortrefflichen Abhandlungen: Franz Trzebitzky, Studien über
die Niederschlagsverhältnisse der südosteuropäischen Halbinsel. Zur Kunde der Balkanhalbinsel,
Reisen und Beobachtungen. herausgegeben von C. Patsch. Heft 14. Sarajevo 1911, sowie H. Krugler
a. a. 0.

?) Vgl. hierüber .das Referat: „Wettertypen in Ägypten“ in Met. Zeitschr. 1910, 8. 42 bis 44.
‘) Handbuch der Klimatologie. IM. Bad., 3. Aufl., S. 94.
nn. d. Hyvdr. usw. 1916. Heft XT.
            
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