Eckardt, W..R.: Über Luftdruckverteilung und Regenfall in Asien usw.” 551
weiteres darauf schließen!), daß auch dieses Gebiet im Winter noch häufiger von
Zyklonen durchzogen oder doch stark gestreift wird, die am Südrande der inner-
asiatischen Antizyklone entlangziehen. Im übrigen sind auch über Südchina, gleich-
wie im Himalaya, in den höheren Schichten der Atmosphäre im Winter die Süd-
winde stark vorherrschend, die diese Gebirgsgegenden erwärmen, so daß nicht
selten stärkere Temperaturinversionen vorhanden sind. Die Mächtigkeit des Winter-
monsuns ist demnach verhältnismäßig gering; die indischen Bergregionen liegen schon
über dem Wintermonsun, der somif nirgends. eine Mächtigkeit von 2000 m über-
schreitet. Der Grund hierfür ist darin zu erblicken, daß die Unterschiede des Luft-
drucks über gänz Vorderindien im‘ Winter viel kleiner sind als im Sommer.
In der Zeit von November bis März ziehen bisweilen auch von Lappland
oder Nowaja Semlja Tiefdruckwirbel, die nicht selten Kältewellen in ihrem Gefolge
haben, über Beludschistan, Afghanistan und Persien an den Südabhängen des
Himalaya entlang, hier gewaltige Schneemengen entladend, bis nach Nordindien,
wo sie aber nicht südlich des 25.° N-Br. beobachtet werden?). Es läßt sich jedoch
nach dem heute vorliegenden mehr als lückenhaften meteorologischen Beobachtungs-
material aus China nicht erkennen, ob und inwieweit etwa auch noch diese Tiefdruck-
wirbel in Südchina Niederschläge im Winter verursachen, was aber sehr wahrschein-
lich ist, da aus dem Innern Asiens heraus im Winter Frost und Schnee im südlichen
China bisweilen über den Wendekreis hinausgetragen werden. Anderseits reicht freilich
auch der oberschichtige „Antimonsun‘“ des Winters bis nach Tibet und bringt den
zentralasiatischen Hochgebirgen Schnee®). .
Im Winter gelangen überhaupt bis in die Gegend des westlichen Turkestan
und Westsibiriens, sei es vom Mittelmeere oder vom Atlantischen Ozean einerseits,
sei es von letzterem oder vom Eismeere anderseits, Tiefdruckwirbel. Doch ist der
Niederschlag. spendende Einfluß dieser Luftdruckgebilde wenigstens in Westsibirien
schon. verhältnismäßig gering, da die Tiefdruckwirbel auf ihrem ‚binnenwärts gerich-
teten Fortschreiten sich immer mehr verflachen, und weil die Feuchtigkeitszufuhr
von Westen und Nordwesten her aus Gründen der Temperatur- und Luftdruck-
verteilung immer geringer wird, je weiter die Tiefdruckgebiete ostwärts ziehen.
Die im Winter überhaupt niederschlags- und schneeärmste Gegend des
kontinentalen Asien ist nicht etwa Ostsibirien, sondern Transbaikalien, das ganz
im Wirkungsbereich der konstanten winterlichen Antizyklone infolge seiner Ab-
geschlossenheit liegt. Eine ganz eigenartige Stellung nimmt in Ostasien hinsichtlich
der jahreszeitlichen Niederschlagsverteilung die Halbinsel Kamtschatka ein, insofern,
als hier die größte Menge im Winterhalbjahr fällt. Die Ursache hiervon ist natürlich
die Nähe der um diese Jahreszeit am kräftigsten entwickelten subpolaren nord-
pazifischen Zyklone.
Das eigentliche Winterregengebiet des Kontinentes ist jedoch Vorderasien*),
das einem Flächenraume von etwa der achtfachen Größe des Deutschen Reiches
entspricht. Die Ursache der Winterregen in‘ diesem Gebiete ist vor allem darin
zu erblicken, daß einerseits die polare Seite des südasiatischen Tiefdrucks keine
sommerlichen Niederschläge aufkommen läßt, und daß anderseits das Mittelmeer
mit seinen Nebenmeeren tief in die Kontinentalmassen der Alten Welt einschneidet,
wozu noch binnenländische Wasseransammlungen, nämlich das Schwarze und
Kaspische Meer sowie bis zu einem gewissen Grade auch der Aralsee als nicht zu
unterschätzende Faktoren für die Begünstigung der Niederschlagsbildung hinzu-
treten. Denn über dem winterwarmen Mittelmeere bildet sich bekanntlich in der
kühleren Jahreszeit eine Rinne niedrigen Luftdrucks aus, die Veranlassung zur Ent-
stehung‘ von Tiefdruckwirbeln führt. deren östliches Fortschreiten jene binnen-
zn 1) Vgl. hierüber auch folgendes: H. Mayr, Fremdländische Wald- und Parkbäume für Europa.
Berlin 1906. 2 % .
| ?) Vgl. hierüber: An Acount of the more important Cold Weather Storms in India 1876/91 in
Indian Met. Memoirs, Bd. IV. Calcutta 1893. In neuester. Zeit ist ein verwandtes Thema in der Revue
de Geographie annuelle Bd. VII, Paris 1913. behandelt worden, betitelt: „Les Depressions Continentales
et le climat du Tonkin“.
3), Vgl.v. Richthofen, China. 1877. Bd. I, S. 90. . ‚
”_ 4) Vgl. hierüber und über folgendes: H.-Krugler a. a. O., besonders die lehrreichen Karten
der Luftdruckverteilung der einzelnen Monate.