Eckardt, W.R.: Über Luftdruckverteilung und Regenfall in Asien usw, 549
über Sibirien ziehenden Tiefdruckgebiete vielfach die‘ Neigung zeigen, an ihrer
Südseite stärkere Rand- oder Teiltiefs auszubilden, die vor allem dem südlichen
Sibirien ziemlich reichliche Sommerniederschläge bringen, dagegen nicht mehr dem
westlichen Turkestan und den von der zentralasiatischen Zyklone bedeckten Ge-
bieten der Mongolei und des östlichen Turkestan, da diese Luftdruckgebilde, was
die zuletzt ‚genannten Ööstlicheren Gebietsteile anlangt, zumeist nördlich davon
vorbeizuziehen pflegen, indem dann das zeitweilig südlicher gedrängte zentral-
asiatische Wärmetief seine selbständige Stellung beizubehalten scheint. So bestätigt
sich allem Anschein nach auch hier die Regel, daß Gebiete, in denen sich eine kon-
stante Depression aufhält, gegen wandernde Minima gewissermaßen geschützt sind,
als wären sie von stabilen Antizyklonen bedeckt. Dasselbe ist ja auch der Fall bei
dem vorderasiatischen sommerlichen Minimum, in das vom Mittelmeer her fast
nie eine Depression hineingelangt*).
Die ergiebigeren Niederschläge beginnen im westlichen Sibirien im Mai und
rücken mit der gleichfalls von hier ostwärts fortschreitenden Erwärmung allmählich
im Laufe des Juni bis Ostsibirien vor, so daß sich im Hochsommer unter gleich-
zeitiger Ausdehnung der monsunartigen Regen über dem äußersten Nordosten
Asiens westwärts bis in die Gegend des rechten Lenastromgebietes eine niederschlags-
reiche Zone vom Atlantischen Ozean durch das südliche Sibirien. hindurch bis zum
Pazifischen Ozean erstreckt. Im Laufe.des September beginnen die Regenfälle
dann von Ostsibirien sowohl ostwärts wie auch westwärts wieder zu erlöschen.
Man erkennt aus dieser Tatsache deutlich, wie alles Land vom Stromgebiet der
Lena ostwärts seine regelmäßigen. Sommerniederschläge mit nordöstlichen, südöst-
lichen und östlichen Winden vom Großen Ozean her empfängt, während das Gebiet
westlich davon seine Feuchtigkeit vom Atlantischen Ozean, bzw. vom. Eismeer er-
hält. ‚Das westliche Sibirien empfängt jedoch auch im Winter Niederschläge. Ja,
im Winter sowie in den Übergangsjahreszeiten herrschen sogar die Äquatorialwinde
vor, während im Sommer die Polarwinde häufiger sind. In der kalten Jahreszeit
beherrschen demnach die vom Atlantischen Ozean nach Osten ziehenden Minima
das Klima Westsibiriens, und auch im westlichen Turkestan ist dasselbe der Fall.
Aus diesem Grunde ist das zuletzt genannte Land ein Winterregengebiet. ;
_ Im’ Herbst findet von Innerasien aus ein schnelles und starkes Ansteigen
des Luftdruckes statt, und zwar pflegt sich der Typus der winterlichen Luftdruck-
verteilung bereits im September durch das Auftreten eines Hochdruckkernes über
dem Altai bemerkbar zu machen. Ja, stellenweise, wie z. B. in Turkestan, ist der
Spätherbst überhaupt die Zeit des höchsten Barometerstandes im Jahre. Besonders
in Innerasien ist daher der Herbst ebenfalls eine atmosphärisch ziemlich ruhige
Jahreszeit. Es gilt somit vom Innern das Umgekehrte im Vergleich zu den ozeanischen
Randgebieten Östasiens, wo vor allem .die japanischen Inselrt besonders in den
Monaten September und Oktober von Taifunen heimgesucht werden, Im all-
gemeinen finden im Herbst nur noch an den Spitzen der Halbinseln sowie an
größeren Vorsprüngen des asiatischen Festlandsrumpfes ergiebigere und verbreitetere
Niederschläge statt. Wir haben. hierauf oben schon hingewiesen. Gleichwie im
Golf von Mexiko haben‘ wir auch in der Chinasee verhältnismäßig hohe Baro-
meterschwankungen. Es: tritt hier wie dort der Gegensatz einer im Herbst sich
stark abkühlenden Festlandmasse und einer noch recht warmen Meeresfläche auf,
indem der sich ausprägende antizyklonale Typus des Kontinents und der zyklo-
nale des Meeres nicht nur im Süden, sondern auch an der ganzen Ostküste de
Bedingungen großer Gegensätzlichkeit abgibt. Im Süden, besonders. auf den
Philippinen sowie in den an die Öhinasee angrenzenden Gebieten erhöhen natür-
lich auch die namentlich im Spätsommer und Herbst auftretenden Taifune als
vollkommene Analoga zu den Hurricanes ‚des südöstlichen. Nordamerika die
Barometerschwankungen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß für die Häufigkeit und
Schwere dieser gefürchteten Sturmwirbel besonders im. Herbst in der Haupt-
sache der Gegensatz des schnell erkaltenden Innern mit seinem stark steigenden
4‘) Vgl. hierüber: H. Krugler, Die Windverhältnisse im östlichen Mittelmeer und seinen Rand-
yebieten. Inaug. Diss. Berlin 1912. S. 55,