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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

546 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1916. 
der dem vorderindischen Tief zuströmende Monsun mehr in die südliche Richtung 
gezwungen wird. 
Die dem Wirkungsbereich des Passatwindes näher gelegene Insel Ceylon 
ist ebenso wie das südöstliche vorderindische Festland in den drei Sommermonaten 
trockener als im Mai. Erst im Laufe des Herbstes, wenn sich die indische Wärme- 
zyklone südwärts zurückzieht, können die von dem stark erwärmten Golf von 
Bengalen stammenden ILuftmassen den südlicher gelegenen Gebietsteilen wieder 
mehr Feuchtigkeit zuführen. Bei den hierdurch zustandekommenden Regen- 
fällen wird natürlich auch die nun über Indien nach den verbreiteten sommer- 
lichen Regenfällen vorhandene Landfeuchtigkeit eine gewisse Rolle spielen. Der 
Hauptgrund für die bessere Benetzung des südöstlichen Teiles Vorderindiens ist 
aber jedenfalls darin zu erblicken, daß sich das sommerliche Gebiet niedrigen Luft- 
drucks vom Festland in südöstlicher Richtung im Laufe des Herbstes über den Golf 
von Bengalen nach dem Aquator zurückzieht, wohingegen diese hinter den West- 
Ghats, im Schatten des regenspendenden Monsuns liegenden Landschaften des Süd- 
ostens während der Regenzeit des Nordens und des kontinentalen Innern Indiens ein 
verhältnismäßig trockenes Gebiet sind. Die nordwestlichen Teile Indiens : der Pandschab 
und Sinde, sind teilweise ganz trocken. Diese „indische Wüste‘ zwischen dem 
Aravalligebirge und den Grenzgebirgen von Beludschistan und Afghanistan ver- 
dankt ihre Entstehung zweifellos einer Ablenkung des Südwestmonsuns, der schon 
im oberen Bengalen von Südosten kommt und daher als ein trockener Landwind 
von dem mittelindischen Bergland in die Niederungen des Industales hinabweht. 
Höchst bemerkenswert ist daher der Gang der Niederschläge während der eigent- 
lichen Regenzeit in Indien, der sich dadurch auszeichnet, daß die Regen in Ceylon 
im Frühling beginnen, dann zu Beginn des Sommers langsam an den Westküsten 
von Vorderindien — und ebenso Birma — mit Verschonung von Madras nordwärts 
vorrücken, bis sie Kalkutta und das untere Bengalen drei oder vier Wochen später 
erreichen als Colombo. Es können demnach zu Beginn der Regenzeit, abgesehen 
von dem Gebiet der Geländeregen der Westküste, nur die kühleren Gestade der 
östlichen Küstenländer der ozeanischen Feuchtigkeit teilhaftig werden; erst bei 
weiterer durch die Bewölkung und Regenfälle selbst bewirkter Abkühlung und 
infolge der Verdunstung von Landfeuchtigkeit, die sich den aufsteigenden Luft- 
strömen mitteilt, erhält dann im Laufe des Sommers das kontinentale Innere der 
vorderindischen Halbinsel ergiebigere Regenfälle als das nur arsprünglich zu Beginn 
des Sommermonsuns besser benetzte Küstengebiet, weil eben das Zielgebiet des 
Monsuns mit der Sonne sich nordwärts verlagert. (Vgl. die beiden beigegebenen 
Figuren). Im übrigen ist das kontinentale Regengebiet im Innern der Halbinsel 
südlich des Ganges nächst den Luvseiten der West-Ghats dasjenige Gebiet Indiens, 
welches wegen seiner regelmäßigeren und reichlicheren Durchfeuchtung am wenigsten 
unter Dürreperioden zu leiden hat, im Gegensatz zu dem im Regenschatten der 
West-Ghats liegenden Südosten und dem trockeneren Gebiet des oberen Ganges, 
die von Dürren und Hungersnöten heimgesucht werden, wenn der Monsun nicht 
kräftig entwickelt ist. Während im Oktober. auf dem indischen Festland die Regen- 
fälle überall zu Ende gehen, dauern sie zur Zeit des Nordostmonsuns auf der Insel 
Ceylon sowie an der Südostküste Indiens fort; ja sie werden hier sowie auf Ceylon 
teilweise überhaupt ergiebiger als zur Zeit des Südwestmonsuns, weil im Winter der 
Nordhalbkugel die Insel stärker in den Wirkungsbereich des tropischen Tiefdrucks 
zu liegen kommt als in unserem Sommer.!) Scharfe Wetterscheiden bilden hier, wie 
überhaupt in der Tropenzone, die Gebirge, welche starke Gegensätze in der Regen- 
verteilung bewirken, So hat der südliche Teil der Coromandelküste stärkere Regen 
beim Beginn des Nordostmonsuns, weil dieser, von der See kommend, seine Feuchtig- 
keit an den Ost-Ghats absetzt; während des Südwestmonsuns herrscht hingegen 
Trockenheit. Die Malabarküste dagegen hat die normale Regenzeit während des 
Südwestmonsuns. 
Gleichwie Indien hat auch das südliche Arabien tropischen Regen zur Zeit 
des Südwestmonsuns. Aber wie sehr auch hier die Regen von der Stellung der Ge- 
“ Vgl. hierzu auch das weiter unten auf S. 550 über die Sundainseln usw. Gesagte,
	        
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