Eckardt, W. R.: Über Luftdruckverteilung und Regenfall in Asien usw.
Luftdruck- und Regenverteilung über Indien (nach A. Buchan)
im April. im Juni.
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1 weniger als 100mm
A 100 bis 300 mm
‚ mehr als 300 mm Regen
Nach Ausbruch des Regenmonsuns zu Ende Mai oder Anfang Juni sinkt
der Luftdruck noch tiefer als in den beiden ersten Dritteln des Mai, wo noch die
heißeste und trockene Jahreszeit über Indien herrscht!), wenn auch nicht mehr
in dem schnellen Maße wie vom April zum Mai. Auch wandert das Zentrum
niedrigsten Barometerstandes im Laufe des April und Mai, entsprechend der Ver-
lagerung des Hitzeherdes nach Nordwesten, den Ganges hinauf, und die Verzerrung
der Isobaren durch Teil- oder Randtiefs tritt zum Sommer hin immer deutlicher
hervor; ferner ist beim Hereinbrechen des Regens der Gürtel hohen Luftdrucks
im Süden der Bai von Bengalen verschwunden: ein ausgedehntes Randtief vom
indischen Festland her erstreckt sich nun über diesen Meeresteil, wie das Kärtchen
vom Juni zeigt. Daraus geht deutlich hervor, daß der Eintritt des Regens dann
erfolgt, wenn gewissermaßen die feuchten Luftmassen aus dem tropischen Kalmen-
gebiete selbst über Indien hereinbrechen, gedrängt von dem den‘ Äquator über-
schreitenden Südostpassat. So gelangt ein großer Teil der Wasserdämpfe, welche
der westliche Ast des Monsuns vom Arabischen Meere, entsprechend dem Isobaren-
verlauf, zunächst ostwärts bis ostsüdostwärts führt bis in die große Gangesebene und
an die Gestade des Bengalischen Meerbusens; er wird als Regen niedergeschlagen
in den Zyklonen, welche von dem Bengalischen Meerbusen und der Gegend nördlich
von ihm ausgehen. Die Haupteigentümlichkeit des südasiatischen Monsunphänomens
besteht also darin, daß gerade in der warmen Jahreszeit, wenn die Verdunstung
auf dem Lande ihren Höhepunkt erreicht, auch vom Meere her viel Feuchtigkeit
durch den Seemonsun weit landeinwärts getragen wird. Das ostindische Monsun-
gebiet hat bekanntlich — beiläufig bemerkt — die größten auf der Erde über-
haupt bekannten Regenmengen aufzuweisen, und ‘diese treten dort ein, wo der
Südwestmonsun, gerade von der See herkommend, auf eine Gebirgskette stößt.
So finden wir die regenreichste Stelle der Erde am Westabhang des Khasia-
gebirges. Es bietet dieses Gebirge einen grellen Gegensatz zu der im Schatten
des Südwestmonsuns gelegenen, ziemlich trocknen Landschaft des mittleren Irawadi.
Diese empfängt im Vergleich zu ihrer Umgebung das Maximum nicht zur Zeit
des Sonnenhöchststandes, sondern im Mai und Juni sowie im September, besonders
im letzteren Monat, wo der Luftdruck über Ostasien wieder stark steigt, wodurch
1) Die heftigen Regen während des Südwestmonsuns beeinflussen also die Temperatur derart,
daß das Maximum schen vor dem Höchststand der Sonne erreicht wird. Die heißeste Zeit im östlichen
Indien ist daher April und Mai, kurz vor dem Eintritt der heftigen Regen. Zu Mahabuleshvar erniedrigen
sie die Temperatur sogar unter die des Winters. Nur wo ein Gebirge den Südwest abhält sowie im trocknen
nordwestlichen Indien tritt das Wärmemaximum normal mit dem Sonnenhöchststand ein.