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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

544 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1916. 
Wind; er gewinnt jedoch, je weiter er sich von seinem Ursprungsort entfernt, indem 
er über einen feuchtwarmen, tropischen Ozean weht, ständig an Feuchtigkeits- 
gehalt, bis er stark mit Wasserdampf beladen in den äquatorialen Doldrumgürtel 
übertritt. Im Frühsommer gelangt nun der Südostpassat in den Wirkungsbereich 
der Depression, die sich während der Monate März, April und Mai über Indien, 
und Südasien überhaupt, infolge der starken Erwärmung ausbildet. Die feuchte 
Luft des Südostpassates, die bis dahin im allgemeinen in nordwestlicher Richtung 
strömte, wird unter dem Einfluß der südasiatischen Erwärmungszyklone nach 
Norden gezogen und nördlich vom Äquator infolge der Erdrotation nach rechts, 
also nach Osten, abgelenkt. Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren entsteht 
aus dem Südostpassat der Südwestmonsun. Seine Mächtigkeit und Dauer, und 
damit die des Regenfalls über Indien, werden vor allem durch die Energie be- 
dingt, welche der Passat an den Monsun abgibt. Einem allgemein schwachen 
Südostpassat folgt nach Eliot in der indischen Monsunarea: 1. eine Verzögerung 
des Überschreitens der Äquatorialgegend durch den Passat, 2. geringes Volumen 
des Südwestmonsuns, 3. ein frühes Zurückweichen der Südwestmonsunströmung 
von der indischen Halbinsel, infolgedessen ein wenig ergiebiger Regenfall über 
Indien und kürzere Dauer der Regenzeit; Dürren und. Hungersnöte in weiten 
Gebieten. 
Man hat früher — und man tut es wohl auch heute noch im allgemeinen — 
die Niederschläge des Südwestmonsuns im Indischen Ozean als „bei weitem die 
auffallendsten nichtisobarischen Regen der Welt“ bezeichnet!). Diese Be- 
zeichnung ist nicht richtig. Denn jeder Regenfall auf der Erde, auch der tropische, 
ist isobarisch, wenn auch der barometrische Gradient in niederen Breiten in der Regel 
sehr klein ist und daher das Barometer als „Wetterglas‘“ aufhört eine Rolle zu 
spielen. Nichtisobarisch, wenigstens an Ort und Stelle, wo sie fallen, sind auf der 
Erde lediglich die echten Steigungs- oder Geländeregen, die wir vornehmlich im 
Bereich der Passate, bisweilen aber auch in höheren Breiten antreffen. Auch in 
Indien ist der Regenfall mit Ausnahme der echten Steigungsregen, wie z. B. an 
den West-Ghats und der Malabarküste, sonst ausnahmslos an den Vorüberzug 
von Zyklonen gebunden, die auf den täglichen Wetterkarten Indiens mehr oder 
weniger deutlich erkennbar sind. 
Denn im Juni, Juli, August und September entwickelt sich ein Zyklonen- 
herd im Norden des Bengalischen Meerbusens mit Ausläufern in nordwestlicher 
Richtung. Diese reichen im Norden bis zum Himalaya, im Westen fast bis zum 
Indus. Hier sind Zyklonen in dieser Zeit außerordentlich häufig. Außer diesen 
kräftigeren Zyklonen mit ziemlich tiefem Luftdruck und größerem Gradienten 
gibt es in Indien aber auch noch schwache Zyklonen mit kleinem Gradienten, wo 
der Luftdruck im Zentrum etwa nur 3 bis 5 mm niedriger ist als am Rand der 
Zyklonen. Diese Zyklonen nehmen zumeist ihren Ursprung in der feuchten Gegend 
im Norden des Bengalischen Meerbusens und wandern nach Westen, und in ihrem 
Gefolge fallen die meisten Regen Indiens nördlich vom 21.° bis 26.° N-Br.; sie sind 
unseren Gewitterzyklonen ähnlich. Es zeigen sich hier also ähnliche Verhältnisse 
wie bei uns im Hochsommer bei den sogenannten echten Gewitterregenlagen im 
Bereich eines im Zerfall begriffenen festländischen Hochdruckgebietes. 
Die merkwürdige Tatsache, daß man die indischen Monsunregen als ‚„nicht- 
isobarisch‘“ bezeichnet hat, ist in der Hauptsache wohl mit dem Umstand zu- 
zuschreiben, daß der Isobarenverlauf über Vorderindien im Mai vor dem Ausbruch 
des Südwestmonsuns kein grundverschiedener ist von dem, wie er sich zur Zeit 
der Hauptregenzeit zeigt. Allein Unterschiede sind doch vorhanden, wenn auch 
weniger die nur unwesentlich auf dem indischen Festland vor sich gegangenen 
Änderungen in der Luftdruckverteilung in Frage kommen als vielmehr die in der 
weiteren Umgebung. Diese Unterschiede treten besonders deutlich hervor, wenn 
wir an der Hand der beiden beigegebenen Kärtchen auch die Luftdruckverteilung 
des fast noch vollkommen trockenen Monats April berücksichtigen. 
‘) So z. B. auch R. Abereromby, Das Wetter. Freiburg i. B. 1894, S. 175,
	        
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