Eckardt, W..R.: Über Luftdruckverteilung und Regenfall in Asien usw, 543
ist als selbst das Wintermittel im Bereich des subpolaren isländischen Minimums.!)
Aber auch die übrigen Teile Asiens, vor allem Zentralasien bis weit nach Nord-
osten hinauf, haben im Sommer sehr niedrigen Luftdruck, So finden wir im Nord-
sommer über, dem südwestlichen. Asien. das unter dem 'erwärmenden Einfluß der
gewaltigen Festlandmassen Eurasiens. an dieser Stelle auf der Erde am weitesten
polwärts vorgeschobene Gebiet niedrigen Druckes der Tropen?). Denn es wird im
Sommer der indische Nordostpassat völlig unterdrückt, der Südostpassat dagegen
über den Äquator herübergesogen und in den Südwestmonsun verwandelt, während
auf der Nordseite des großen Depressionsgebietes vom .östlichsten Deutschland
und der Balkanhalbinsel bis Sibirien und. Turan polare. Strömungen vor-
herrschen. _ . ; .
So ist im Sommer das ganze Eurasien mit Ausnahme des halbinselartigen
Westeuropa etwa westlich von einer von der Mündung des Dnjestr zur Oder-
mündung gezogenen Linie eine Gegend niedrigen. Luftdrucks. Man darf jedoch,
worauf Woeikof?) mehrfach nachdrücklich aufmerksam gemacht hat, dieses ganze
angeheure Gebiet nicht als einzige Zyklone betrachten. Vielmehr haben wir statt
einer einzigen Zyklone mehrere Bruchstücke von Zyklonen vor uns, die dadurch
entstehen, daß sehr hohe Gebirge und Plateaus eine. allgemeine zyklonische Zir-
kulation nicht zustandekommen lassen. Aus diesem Grunde ‚sind in Wirklichkeit
über Asien im wesentlichen die folgenden drei sommerlichen Tiefdruckgebiete
vorhanden:
1. Das Gebiet des niedrigsten Luftdrucks überhaupt, und zwar mit seinem
Kern über dem nordwestlichen Indien und Beludschistan; also südlich der höchsten
Erhebungen des Festlandes. Es dehnt sich südlich des Himalaya noch weiter ost-
wärts aus, und im Westen tritt es, durch keine hohen Gebirge oder Plateaus gehindert,
mit dem sommerlichen niedrigen Druck über Arabien und Afrika in Verbindung.
Die Linien gleichen Druckes schmiegen sich dem Verlauf der Gebirge so sehr an,
daß die, vöorderindische und der westliche Teil der hinterindischen Halbinsel vom
übrigen Asien getrennt wird. Denn über Vorderindien und dem Westen Hinterindiens
liegen die. Isobaren auch im Sommer weiter auseinander, indem der Gradient viel
schwächer entwickelt ist als in Südostasien, wo sich die isobarometrischen Linien
südostwärts wenden und näher aneinander zu liegen kommen. Es gehört dem-
nach hinsichtlich der Luftdruckschwankungen der Westen Hinterindiens auch im
Sommer der: vorderindischen Sphäre an, während der Nordosten dieser Halbinsel
der südchinesischen Sphäre zuzurechnen ist*). . ;
2. Das Tiefdruckgebiet über den Ebenen und Vorbergen Turkestans.
3. Die im Herzen Zentralasiens, und zwar über den niedrigen Teilen von
Ostturkestan liegende Zyklone. * Ce
‘ Woeikof. nennt diese drei Tiefdruckgebiete: das Indische, das Tur-
kestanische und das Zentralasiatische. ; ;
Fassen wir zunächst den Regenfall im Bereich der indischen Zyklone etwas
näher ins Auge. Indien ist das klassische Land der Monsune. ‘ Stärke und Dauer
des Monsunwindes, der Indien den Regenfall bringt, stehen in enger Beziehung
zum Südostpassat, jener Luftströmung des südlichen Äquatorialgebietes des Indischen
Ozeans, die ununterbrochen im Raume zwischen Australien und Madagaskar weht.
Der Südostpassat ist zwar, einem absteigenden Luftstrom der allgemeinen Luft-
zirkulation der Erde entspringend, ein ursprünglich verhältnismäßig trockener
- 1) Als Kartengrundlagen meiner Ausführungen dienten mir, soweit nicht mehrfach anderes
Material besonders namhaft gemacht ist, die zahlreichen Karten in Bartholomews Physical Atlas,
Vol. 11T, Westminster . 1899, . *
2) Vgl. hierüber: W. Trabert, Die Luftdruckverhältnisse in. der Niederung und ihr Zusammen«
hang mit der Verteilung der Temperatur. Met. Zeitschr. 1908, S. 103ff.
3) Das sommerliche asiatische Luftdruckminimum. Met. Zeitschr. 1904,..S. 502. Vgl. auch
die Abhandlung desselben Verfassers: Der Luftdruck und die atmosphärische. Zirkulation in Asien. Met,
Zeitschr. 1900, S. 202£., sowie: Die Klimate der Erde. Jena 1888/89.
4) Vgl. hierüber: W. Brockmöller, Die geographische Verbreitung der monatlichen Barometer-
schwankungen sowie vor allem die Karten auf Tafel 1 und 2., Aus’ dem Archiv der Deutschen See-
warte, 34. Jhrg. 1911, Nr. 4, $. 17.