Ann. d, Hydr. usw., XXXXIV. Jahrg. (1916), Heft XI.
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Die vertikale Gliederung der täglichen Windperiode in Cyklonen
und Anticyklonen.
{Erste Ergebnisse der Windmeßstelle Eilvese.,)
Von W. Köppen.
(Hierzu Tafel 19.)
Im Frühling 1915 machte der Direktor der Hochfrequenz-Maschinen-Aktien-
gesellschaft für drahtlose Telegraphie Herr Konteradmiral a. D. Emsmann bei
einem gelegentlichen Besuch der Seewarte den Vorschlag, die Großradiostation
dieser Gesellschaft Eilvese zu Windmessungen in verschiedener Höhe zu benutzen.
Einige günstige Umstände und das Entgegenkommen des Reichs-Marine-Amts
haben es der Seewarte ermöglicht, an dieser für solche Zwecke ideal gelegenen
Station Einrichtungen zu schaffen, wie sie in diesem Umfang wohl noch nicht
vorhanden waren.
_ Wenngleich durch die Hindernisse des Kriegszustands bis jetzt nur etwa
die Hälfte der geplanten Ausrüstung in Gang gesetzt werden konnte, so sind
doch auch die bereits vorliegenden Aufzeichnungen von größtem Interesse und
liefern sie zum Teil ganz neue Aufschlüsse über die Änderung der Wind-
bewegung mit der Entfernung vom Erdboden. ; .
Die Lage der Windmeßstelle Eilvese ist ganz ausnahmsweise günstig. In
ebener Gegend erheben sich auf einem weiten Moore sieben Türme von äußerster
Schlankheit in durchsichtiger Eisenkonstruktion, deren größter von 250 m Höhe
auf einer flachen Sandinsel im Moor steht, während von den sechs kleineren
Türmen, die ihn in 450 m Entfernung umgeben, nur einer auf einer Sanddüne,
die übrigen fünf auf Pfahlrosten mitten im Moor stehen, das sich von hier nach
S und SW bis zu dem 4 km entfernten Steinhuder Meer erstreckt. Das Dorf
Eilvese liegt an der Eisenbahn Bremen— Hannover,
An dem am freiesten gelegenen SSW-Turm hat die Seewarte ihre untere
Windmeßstelle angelegt, die von 0 bis 124 m Höhe über dem Boden reicht, der
hier etwa 45 m über dem Meere liegt. Bodenerhebungen, die diesen Standort
um mehr als 1 m überragen, finden sich erst in 750 m Abstand, die — wenig um-
fangreichen —: Gebäude der Radiostation sind 450 m entfernt. Auch Bäume
finden sich, außer kleinen Krüppelföhren, nicht in der Nähe, und ein breiter
Streifen auf dem Aufstellungsplatz der Instrumente selbst war schon vorher, zur
Vermeidung von. Feuersgefahr, aller Vegetation beraubte Torffläche. ;
Die obere Windmeßstelle auf der Spitze des 250 m hohen‘ Hauptturms ist
vorbereitet, konnte aber des Krieges wegen noch nicht in Gang gesetzt werden.
Der Hauptapparat: der unteren Windmeßstelle ist ein von der Firma
Hamburger Werkstätten für Präzisionsmechanik gelieferter Poly-Anemograph, an
dem ‚einerseits acht Schalenkreuze ihre Wege durch elektrische Kontakte auf-
zeichnen, ‚anderseits. für eine Höhe (16!/„ m) die Windrichtung und der Druck
des Windes kontinuierlich aufgezeichnet werden.
Von den acht Schalenkreuzen steht das oberste ganz frei’auf der Spitze
des erwähnten Turmes, 124 m über der Erdoberfläche. Die folgenden drei sind
in 82, 42 und 16!/, m Höhe im Innern des Turmgerüstes aufgestellt, das nur aus
Stahlrohren von 2.6 und 1.6 m Länge besteht. Eine genauere Beschreibung wird
später geliefert werden, hier möge es genügen, daß der Einfluß dieser Auf-
stellung fünf Monate lang durch den Vergleich mit gleichzeitigen Aufzeichnungen
eines ebensolchen in 16!/, m Höhe auf einem Pfahl aufgestellten Schalenkreuzes
bestimmt worden ist. Hiernach sind die Angaben der im Turm aufgestellten
Anemometer nur um etwa 1%, zu vergrößern, um sie mit denen eines auf einer
Pfahlspitze aufgestellten Anemometers vergleichbar zu machen. Es wird deshalb
das Anemometer im Turm aus 16’'/, m' Höhe in 102 m Höhe überge!ührt werden,
. Schalenkreuze auf Pfahlspitzen sind außer jenem in 16!/, m auch in 9 m
und in 2 m Höhe aufgestellt.
Ann. d. Hydr. usw. 1916. Heit XI.