Kleinere Mitteilungen.
529
auch bei dem niederländischen Material nach den Isothermen interpoliert, nicht
nach den Werten der Zweigradielder. Wenn ich aus den »Mededeelingen« Nr. 18
nach den daselbst gegebenen zwei Differenzkarten oder aus dem Text S. 20 u. 27
entsprechende Werte für die umgrenzenden größeren Flächen entnehme, erhalte
ich im Mittel für Januar 0.3°, für Juli 1.1° Differenz, dem Sinne nach also. das
gleiche Verhältnis — nämlich ein Anwachsen des Unterschiedes im Winter —,
aber nicht unerheblich niedrigere Beträge...
Wir können nun die obenstehenden Reihen auch mit dem älteren englischen
Material vergleichen (Charts of meteorological data for the Ocean district adjacent
to the Cape of Good Hope; Official No. 43, Meteorological. Council, London 1882),
Es ergibt sich für die gleichen Positionen:
Januar
Ort
: Englische Karten
Juli
Englische Karten
Lutt
Wasser |
Differenz
Luft '" Wasser |
Differenz
300 8, 35° 0 243 244° 0.1 203 | 211
35° S, 30° 0 | 21.7 ‚22.4 ; 0.7 © | 17.9 19.3 |
370 8; 2000 | 189 20.7 18 15.1 168
0.8
1.4
1.7
Mittel der Differenzen
99
13
Auch hiernäch bewegen sich die Unterschiede zwischen der Luft- und
Wassertemperatur trotz einiger Abweichungen im einzelnen im Durchschnitt auf
etwa gleichem Betrage, und auch hiernach steigt der Unterschied vom Sommer
zum Winter. Köppen hat 1890 in seiner grundlegenden Arbeit über das Ver-
hältnis von Luft- und Wassertemperatur (diese Zeischrift 1890, S. 449 oben) für
das warme Stromgebiet 35 bis 40° S, 20 bis 35° O0 im Januar eine Differenz von
1.3°, im Juli eine solche von 1.9° berechnet. .
Wenn nun der Einfluß von: Meeresströmungen auf die Temperatur der
darüber lagernden Luft in Frage steht — und’ die Fassung meiner Bemerkung
auf S. 153 dieser Zeitschrift legt diese Frage nahe —, so ist zuzugeben, daß alle
drei Originalquellen, das niederländische, englische und deutsche Material, keine
grundsätzlieh verschiedenen. Unterschiede im Verhalten von Luft- und. Wasser-
temperatur zeigen, ihr Ergebnis also eindeutig verwendet werden kann. Und
Zwar werden mit wachsendem Material die Differenzen offenbar kleiner, mindestens
im Vergleich zu Köppens Darstellung von 1890; d. h, die von Köppen schon
nach wenig Material festgestellte Anpassung der Lufttemperatur an die Wasser-
temperatur ist noch größer, der Einfluß der Meeresströmung auf die Temperatur
der Atmosphäre in der Agulhas-Gegend auch aus dem niederländischen Material
noch verstärkt ersichtlich (siehe auch Gall& a. a.O, S, 22), als früher an-
zunehmen war. - "4 . . .
Gleichwohl besteht ein nicht unwesentlicher Unterschied zwischen. der
Linienführung der Isothermen in den deutschen und in den niederländischen
Karten; und nur darin ist der Meinungsunterschied zwischen Herrn Gall&€ und
mir tatsächlich wohl zu suchen. Herr Galle berücksichtigt die Beobachtungen
der Küstenstationen nicht — im ganzen niederländischen Atlas sind grundsätz-
lich die meteorologischen Faktoren der ‚angrenzenden Landgebiete nicht in die
Darstellung hereinbezogen — und er kommt deshalb dicht unter Land zü sehr
hohen Temperaturen, die mit denen der Küstenorte nicht vereinbar sind, während
die deutschen Isothermen die Beobachtungsergebnisse der Landstationen mitver-
wertet zeigen. (Diesen Hinweis auf die Linienführung der deutschen Karten
verdanke ich Herrn Köppen, der zu der ganzen Frage mehrfach freundlichst
sich geäußert hat.) Hieraus gibt es nur zwei Auswege: entweder sind die Luft-
temperaturen an Bord systematisch zu hoch oder es ist, wenn sie richtig sind,
das Lufttemperaturgefälle zwischen. Küste und See so groß, daß die Isothermen
unmittelbar unter Land anders als bei Galle verlaufen müssen; die Luft-
Ann, d, Hydr. usw. 1916, Helt X.