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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1916.
In einer Veröffentlichung!) des Königlich Niederländischen Meteorologischen
Instituts über Luft- und Wassertemperatur im Indischen Ozean wurde schon
darauf hingewiesen, daß gerade in der Gegend des Agulhasstromes große Unterschiede
vorkommen zwischen den von Köppen und von uns gefundenen
Differenzen.
Im Monat August erreichte die Differenz einmal fast 3° C., im Juli noch
etwa 1.5° C.,, im Januar 1°C. Die Zahl der Beobachtungen war in unserem
Falle erheblich größer und oft so groß, daß in Meeresgegenden mit großem
Bewölkungsgrad die aus direkten Beobachtungen berechneten Mitteltemperaturen
der Luft um nicht mehr wie einige Zehntel zu hohe Werte aufweisen dürften,
In Mededeelingen en Verhandelingen 19 gaben wir auf Seite 28 eine
Tabelle, wo die Differenz Wasser- minus Lufttemperatur aus sechsınal täglichen
und aus den Beobachtungen von 8h V, und 8» N, berechnet wurde. Die Abweichungen
waren gering und viel kleiner als die zwischen den Köppenschen
und unseren Differenzen.
In welcher Weise die Deutsche Seewarte die Unterschiede Wasser- minus
Lufttemperatur festgestellt hat, ist uns nicht bekannt. Solange nicht bewiesen
wurde, daß die örtlichen Differenzen eine größere Genauigkeit besitzen als
unsere Lufttemperaturmittel, muß die Möglichkeit anerkannt werden, daß der
von Prof. Schott hervorgehobene Einfluß des Meereswassers auf die Lufttemperatur
von den deutschen Karten örtlich zu groß angegeben wird.
De Bilt, 9 August 1916. P. H. Galle,
Zweiter Vorstand Abteilung Ozeanografie
und maritime Meteorologie.
Antwort des Referenten.
Für die Ausführungen des Herrn Gall& bin ich dankbar, zumal ich gestehen
muß, daß die im September 1914 mir freundlichst vom Kgl. Niederländischen
Meteorologischen Institut zugesandte Arbeit Herrn Galles über das
Verhältnis von Luft- und Wassertemperatur im Indischen Ozean?), eine Arbeit,
die wir hier auf der Seewarte mehrfach zu Rate gezogen haben, im Augenblick
der Niederschrift meines Referates (Febr. 1916) mir nicht in den Kopf gekommen
ist, Diese Untersuchung ist aber, in Verbindung mit den neuesten niederländischen
Temperaturkarten, geeignet, zur Klärung der Hauptfrage beizutragen: Ist überhaupt
und, gegebenenfalls, in welchem Grade ein direkter Einfluß der Meeresströmung
auf die Lufttemperatur vorhanden? Ich beschränke mich auf das auch
von Gall& bevorzugte Beispiel des Agulhasstromes, Monate Januar und Juli, und
erhalte nach den niederländischen und deutschen Karten, zwischen den Isothermen
interpolierend, für drei recht im Hauptstrich der warmen Strömung gelegene
Positionen folgende Werte:
Januar
Ort
Niederländ. Karten
Deutsche K arten
Luft ı Wass. | Diff.
Luft (was, ! Dif£.
30° 8, 85° 0
35° 8; 30° 0
3708 2000
24.3
22.0
20.0
25.0 | 0.7
22,5 | 0.5
208! 08
j
25.0 | 25.0 | 0.0
21.5 | 22.8 1 1.3
19.0 200° LO
Mittel der Differenzen | 07
8 |
Niederländ. Karten
Juli
* Deutsche Karten
Luft | Wass. | Ditt.
Luft | wase. | Diff,
19.8 | 21.7 |
17.0 | 19.0
15.0 ' 17.6
1.9
2.0
26
20.8 | 21.8
18.0 | 20.0
152 ' 17.6
1.0
2.0
24
22
| 18
Man sieht, dies ist eine im Mittel überraschend gute Übereinstimmung
der Differenzwerte, dem Sinne nach und den Beträgen nach. Allerdings wurde
1) Koninklyk Nederlandsch Meteorologisch Instituut. 102, Mededeelingen en Verhandelingen 18,
P. H, Galle, Luft- und Wassertemperatur im Indischen Ozean, I. Tägliche Periode, II. Verhältnis
von Luft- und Wassertemperatur, .
2) Mededeelingen en Verhandelingen, Nr. 18.