Meißner, O.: Über der örtlichen Einfluß von Luftdruck und Wind auf den Wasserstand der Ostsee. 477
In Swinemünde. nimmt bei den Seewinden aus W und. NW der Wasser-
stand von Tag zu Tag zu; bei.O und SO ab; bei S—SW bleibt der Wasserstand
annähernd. gleichmäßig, knapp 100 mm unter dem Mittel. Daß bei den doch
auch in Richtung auf die Küste wehenden N- und NO-Winden der Wasserstand
nur wenig über dem Mittel liegt und mit der Zeit sogar abnimmt, liegt offen-
bar .an dem Verhalten des Wasserstandes der ganzen Ostsee bei dieser Wind-
richtung.
Am regelmäßigsten liegen die Verhältnisse. in Memel. Bei Winden aus
S bis SW steigt das Wasser langsam, bei den direkt auf die Küste zu wehenden
aus W und NW schneller und stärker von Tag zu Tag; umgekehrt bei den
beiden entgegengesetzten Quadranten, nur ist.hier das Fallen des Wassers bei
Winden aus N und NO auch schon ziemlich stark.
3. Schlußbemerkungen.
Da bei den Ausmessungen ‚der Registrierungen die Tage astronomisch
gezählt wurden, bei der Berechnung der meteorologischen Elemente aber ‘der
bürgerliche Tag zugrunde gelegt ist, sind die Wasserstände um !/, Tag gegen
die meteorologischen Daten verschoben, zu denen sie in Beziehung gebracht sind.
Das scheint auch insofern nicht unberechtigt, als ja die Wirkung nicht sofort
ihre volle Stärke erreichen kann, sondern erst sozusagen die »Anfangsbedin-
gungen« überwunden sein müssen. Für Memel habe ich noch untersucht, wie
eine Phasenverschiebung von 1’/, statt der benutzten von '/, Tag die Ergebnisse
beeinflussen würde; es ergab sich für die Mittelwerte nur eine geringfügige
Änderung; jedenfalls kann die benutzte Phasenverschiebung von !/, Tag danach
als durchaus angemessen betrachtet werden.‘ . .
Schließlich sei noch bemerkt, daß ich im vorstehenden absichtlich von
einer Umrechnung der geschätzten Beaufortstärken in Meter pro Sekunde abge-
sehen habe, weil diese Reduktion, insbesondere wegen der individuellen Eigen-
art der Beobachter, ziemlich unsicher erscheint, selbst wenn am Beobachtungsort
ein Anemograph vorhanden ist, auf den die Schätzungen des Beobachters bezogen
werden können, da auch die Anemometerkonstanten nicht leicht zu ermitteln
sind und im Laufe der Zeit. oft nicht unbedeutende Anderungen erfahren, Nähere
Angaben hierüber sowie über die Vergleichbarkeit der Schätzungen der Beob-
achter an den drei Stationen und die Störung der Hömogenität der einzelnen
Reihen. durch die vorgekommenen Beobachterwechsel bleiben der ausführlichen
Veröffentlichung vorbehalten.‘
Die unperiodischen Schwankungen des Luftdrucks und Regens im Tropen-
gebiet des Atlantischen Ozeans.
Von Dr. Anton Hackenbroich.
(Fortsetzung.) j
N 4. Die Senegalregion.
Die Beobachtungen ander afrikanischen Küste von Sierra Leone bis nach
St. Louis lassen eine große: Mannigfaltigkeit der Regenverteilung erkennen. ' Auf. die
außerordentlich hohen Regenhöhen der Sierra Leone-Küste, die spärlichen im nörd-
lichen Senegambien, die hohen Schwankungen än der ganzen Küste wurde schon
hingewiesen... Die Stationen schwanken :in vielen Jahren im selben Sinne, in anderen
zeigt. sich eine Zweiteilung, ‘die nördlichen schwanken anders als die südlichen. : Das
Ausmaß der Schwankungen — auch hier ist die Zweiteilung häufig zu verfolgen *—
ist‘ bei. den einzelnen Stationen recht verschieden. Kayes:als Binnenlandstation
deutet ein gleichförmiges Verhalten mit den Küstenstationen an. Die Regenmenge