Defant, A.: R. v. Sterneck, Hydrodynamische Theorie der halbtägigen Gezeiten des Mittelmeeres. 471
handlung wird dies eingehend nachgewiesen; wir können jedoch hier darauf nicht
näher eingehen. Die Trennungslinie zwischen beiden Schwingungsgebieten ersieht
man aus folgender Fig. 2. In der Straße von Tunis wurden 11 Querschnitte
gelegt; Breite und Flächen derselben wurden
der deutschen Admiralskarte entnommen. Die
Entfernung zweier ÖQuerschnitte beträgt
38.5 km. Die theoretischen Hubhöhen am
westlichen sowie am östlichen Ende sind aus
den früheren Ausführungen bekannt. Die zur
Ermittlung der hindurchgeschobenen Wasser-
menge und des in der Straße vorhandenen
Schwingungsvorganges angewandte Methode
ist genau dieselbe, wie sie im vorhergehenden
Falle benutzt wurde; dieser Hinweis möge
hier genügen. Das Ergebnis der Rechnung
ist‘ folgendes: Die durch den Querschnitt 0
theoretisch hindurchgeschobene Wassermenge
beträgt 49.9 km®°, Die Strömung erfolgt wieder
von 3b bis 9b aus dem östlichen ins westliche,
von 9% bis 3h aus dem westlichen ins östliche
Becken. Die Hubhöhen und horizontalen
Verschiebungen stehen für die einzelnen Quer-
schnitte in folgender Tabelle 8. Die Knoten-
linie der Schwingung liegt ungefähr in ‚der
Mitte zwischen dem zweiten .und dritten Quer-
schnitt, also nahe dem nordwestlichen Ende
der Tunisstraße, ,
Tabelle 8. Schwingungen der Straße von Tunis,
Quer- |
schnitt
%.}
4.
Ss
2 |
em
— 380.4
— 14.1
— 3.7
+ 25
+ 6.0
AL 95
25
m
— 2597
— 1567
1065
507
391
505
"Iindurchgeschobenes
Wasserquantum km3
Quer-
schnitt
49.9
51.4
52.8
52.4
52.0
51.8
ia
|
6
22 | 2E
em m
418.1
+16.1
419.1
22,6
A 26.7 '
— 398
— 370
— 408
— 474
—. 572
Hindurchgeschobenes
Wasserquantum km3
50.1
48,6
46.7
44.5
41.9
Vergleich der‘ Theorie mit den Beobachtungen.
Für jede Station, für welche die Hafenzeit bekannt ist, kann nun die
beobachtete Hubhöhe mit der nach der dargelegten Theorie berechneten ver-
glichen werden. Dort, wo nicht wesentlich andere Hafenzeiten als 3b und 9%
beobachtet wurden, ist der Vergleich ohne weiteres durchführbar; in den Straßen
von Messina und Tunis, wo die Beobachtungen auch ganz andere Hafenzeiten
ergeben, muß, da bisher bloß die Längsschwingungen in ihnen untersucht wurden,
eine Trennung der einzelnen Komponenten der Hubhöhen vorgenommen werden,
Die dazu benutzte Methode wurde in einer früheren Abhandlung eingehend
beschrieben !).
Die Übereinstimmung zwischen der beobachteten und berechneten Hubhöhe
ist eine vollauf befriedigende. Fig. 3 auf S, 472 zeigt dies für alle drei großen
Becken in auffallender Weise; in ihr entsprechen die Kurven den. theoretischen,
die Punkte den beobachteten Werten. Da die Hubhöhen an den westlichen Enden
der beiden Mittelmeerbecken sehr groß sind, ist daselbst in der Zeichnung ein
kleinerer Maßstab für die Ordinate gewählt worden, so daß die Kurven aus je
zwei Teilen. bestehen.
4) Siehe diese Zeitschrift Oktober 1914, S. 556 u. ıf