Lt,
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1916.
Das Mitschwingen der einzelnen Becken,
1. Die Gezeitenbewegung des Ägäischen Meeres kann wohl nur in einem
Mitschwingen mit dem östlichen Mittelmeerbecken, mit dem es durch die Meeres-
straßen westlich und östlich von Kreta zusammenhängt, bestehen. Von diesen
Meeresstraßen hat die westliche etwa 25 km?%, die östliche 55 km? Querschnitts-
fäche; es kommt also, da letztere auch wesentlich breiter ist, diese in erster
Linie als Mündungsstelle in Betracht.
Das derartig abgegrenzte Ägäische Meer hat eine von 12.3 Stunden
nur wenig abweichende Eigenperiode; es tritt hier der besondere Fall ein,
daß die Formeln für das Mitschwingen versagen; es muß deshalb in diesem
speziellen Falle die Amplitude an einer Stelle durch Beobachtungen gegeben sein,
um sie an den übrigen Orten berechnen zu können. Gewählt wurde zu diesem
Zwecke die Hubhöhe für Salonik 30.4 em, die, da die Hafenzeit dort 3b beträgt,
mit positiven Vorzeichen versehen wurde. Nach der Theorie muß im ganzen
Meere dieselbe Hafenzeit herrschen und in der Nähe der Mündungsstelle die
Knotenlinie der durch das Mitschwingen bedingten Schaukelbewegung liegen.
‚Senkrecht zur 651 km langen Linie Salonik-—— Nordspitze von Karpathos
(an der Mündung) wurden 15 Querschnitte gezogen und die den einzelnen der-
selben zukommenden Flächen S und Breiten b aus der Seekarte ermittelt. Nach
der hydrodynamischen Theorie der Schwingungen!) haben die Maximalelongationen
5 und % den Gleichungen .
24% = Ze 2£4Ax und 2£ = sl 2 (x) b(x) dx
%
zu genügen,
Die für das innere Ende (Querschnitt 15) bekannte Hubhöhe ist 29 =
30.4 cm; wird sie bis zum Querschnitt 14 als konstant angenommen, so ergibt
sich durch Multiplikation mit der Oberfläche zwischen dem Querschnitt 15 und 14
die durch den Querschnitt 14 in der halben Gezeitenperiode durchgeschobene
Wassermenge q und daraus durch Division durch S die horizontale Verschiebung 25.
Aus der ersten Gleichung 4) 27 = 0.00008917 2E& folgt dann die Änderung 24%
und durch Subtraktion von 30.4 em die theoretische Hubhöhe des Querschnitts 14.
Auf diese Weise kann man schrittweise weitergehen bis zum Querschnitt 0, d. i.
die Mündungsstelle; man erhält hier eine Hubhöhe von‘ + 2,5 m. Diesem Wert
kommt aus vielen Gründen natürlich keine besondere reale Bedeutung zu, da der
Schwingungsvorgang viel komplizierter ist als hier angenommen wurde; er zeigt
aber, daß die Knotenlinie der Schwingung des Ägäischen Meeres nicht weit von
der östlichen Mündungsstelle liegen kann; dies bestätigt auch die Berechnung der
Eigenperiode des Meeres als Bucht betrachtet, die 11.42 Stunden beträgt und
durch Reibungseinflüsse vielleicht noch etwas vergrößert werden dürfte; die Ab-
weichung von 12.3 Stunden ist also sehr klein. Für spätere Betrachtungen ist
von Wichtigkeit die errechnete Wassermasse von 35.1 km? Wasser, die zur Zeit
der Syzygien von 9 bis 3b vom östlichen Mittelmeerbecken an das Ägäische
Meer abgegeben wird und die von 3 bis 9b wieder von ihm zurückgegeben wird.
Sie bildet ein Glied in der aufzustellenden Wasserbilanz des östlichen Mittelmeer-
beckens.
Tabelle 3. Mitschwingen des Ägitischen Meeres mit dem östlichen Beeken.
Quer- |
schnitt
b ' Ss | q ] 25 | 29
km | km? ! km? '! m em
Quer-
schnitt
b | Ss |
km ! km?
q | 28 | 2n
km 3 m cm
DL
13
117
|
0.0
185.3
2855
22€
28106
0
218
20
216
0.0
1009
30.4
28,5
>72
297
a
359,3
13 357.5
1: 280.8
0} 1972
L64.5
146.7
130.9
55.0
26.52
31.30
34.26
25 19
161.2
213.4
261.7
6385
15.9
11,8
8.2
25
Le,
360
1Q9-
dargelegt ist.
X
Siehe diese Zeitschrift, Februar 1916. wo die angewandte Methode in ausführlicher Weise