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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Defant, A.: R. v. Sterneck, Hydrodynamische Theorie der halbtägigen Gezeiten des Mittelmeeres. 463 
eintritt. Hier versagen bekanntlich die Formeln, und die Amplituden der ent- 
stehenden Schwingung können nur berechnet werden, wenn man von wenigstens 
einer Stelle dieselbe durch direkte Beobachtungen kennt. 
Als Vergleichsmaterial diente das ganze, heutzutage vorliegende Beob- 
achtungsmaterial, . das zum Teil durch eigene Beobachtungen des Verfassers 
namentlich an lückenhaften. Stellen ergänzt wurde; es ist extenso in der Ab- 
handlung mitgeteilt, worauf wir hier besonders aufmerksam machen. Auf das 
westliche Becken samt der Straße von Gibraltar entfallen 38 Stationen, auf das 
östliche Becken samt der Kleinen Syrte 21 Stationen, auf den Golf von Korinth 5, 
auf die Straße von Tunis 8, auf die Straße von Messina 3, auf das ÄAgäische 
Meer 7 Stationen und schließlich auf das Schwarze Meer 4 Stationen, Das sind 
insgesamt im Gebiete des Mittelmeeres ohne Adria 86 Stationen. 
Sieht man von den an den Meeresstraßen von Messina und Tunis ge- 
jegenen Orten, ferner von Tobruk und Kanea, wo die Hafenzeit wohl noch als 
unbekannt zu betrachten ist, ab, so weichen die Hafenzeiten in den einzelnen 
Becken des Mittelmeeres in den weitaus meisten Stationen von 3,3% und 9.3% 
(M. E, Z., beim Schwarzen Meere osteuropäische Zeit) nicht wesentlich ab. Nur 
an 11 Stationen beträgt die Abweichung etwas mehr als eine Stunde und von 
diesen entfallen 7 auf die als wenig ‚verläßlich bekannten englischen Tide Tables. 
In Tafel 13. sind schematisch diese Verhältnisse dargestellt. An den beiden 
Enden der ‚einzelnen Abschnitte stehen die Mittel der Hafenzeiten der dort 
liegenden Stationen. In der Tafel bedeuten die Trennungslinien zwischen den 
Gebieten mit den Hafenzeiten 3h und 9% auch die Knotenlinien der betreffenden 
Schwingungen. Die gestrichelten Linien im östlichen Mittelmeerbecken und an 
der Mündung des Ägäischen Meeres besagen, daß hier die angegebene Lage 
noch als hypothetisch. zu betrachten ist. Bei den Straßen von Messina und 
Tunis sind die eingezeichneten Trennungslinien die Knotenlinien der hier statt- 
findenden Längsschwingungen, zu denen infolge der Erdrotation noch eine Quer- 
schwingung hinzutritt. Die Pfeile bedeuten die Richtung der Gezeitenströmung 
von 8hb bis 9h zur Zeit der Syzygien, 
Selbständige Gezeitenkomponenten. . 
v. Sterneck untersucht zunächst die Wirkung der fluterzeugenden 
Kräfte. auf jedes der ‘drei großen Becken, nämlich das Schwarze Meer, das 
westliche und das östliche Mittelmeerbecken. Zu diesem Zwecke wurde senk- 
recht zur. Mittellinie dieser Becken, wie es Tafel 13 schematisch zeigt, eine be- 
stimmte Anzahl von Querschnitten gelegt. Die Querschnittsflächen S(x) und die 
Breiten b(x) wurden genau ermittelt, insoweit sie nicht schon aus früheren 
Untersuchungen her bekannt waren; die Anzahl der gezogenen Querschnitte 
ersieht man aus der Tafel; es muß bemerkt werden, daß nicht überall die Quer- 
schnitte gleichweit voneinander gelegt wurden; im westlichen Becken sind sie 
westlich des 10. dichter gezogen als Östlich davon. ; 
Das Schwarze Meer, das als völlig abgeschlossenes Becken aufzufassen 
ist, zeigt wohl nur die selbständige Gezeitenkomponente. Wir wollen hier ihre 
Berechnung : etwas eingehender besprechen als Beispiel für die angewandte 
Methode, nach der später auch die selbständigen Gezeiten der. anderen Becken 
berechnet wurden. Bezeichnet man mit % die vertikalen Verschiebungen der 
Oberfläche, mit & die in einem’ Querschnitt als gleichmäßig angenommenen 
horizontalen Verschiebungen der Wasserteilchen, so liefert die Kanaltheorie!) für 
die Hubhöhe die allgemeine Formel 
j zn — 1) 
Bann fi *—23 
Ban= —- St 
3 5 
COS 
Hierin bedeuten z die Eigenperiode des Kanals, T die Periode der flut- 
erzeugenden Kraft, 1] die Länge des Kanals und al die der Gleichgewichtstheorie 
\ Siehe H. Lamb. Tehrbuct der Hydrodynamik. deutsch von J. Friedel, 1907. 8. 308 bis 317.
	        
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