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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1916, 
Kleinere Mitteilungen. 
li. Bedenken zur Kalenderreform. Im VII. Heft des Jahrganges 1916 der 
Annalen der Hydrographie (S. 388 bis 391) bespricht Herr Prof. Köppen mit 
anscheinender Zustimmung einen kürzlich aufgetauchten Vorschlag zur Reform 
unserer Tageszählung. Der aufgeworfene Gedanke war ja nicht ganz neu, da 
in den letzten Jahren vor dem Kriege mehrere ähnliche Vorschläge gemacht 
waren, Insbesondere ist die Verkettung jedes bestimmten Monatstages 
mit einem bestimmten Wochentage mit Hilfe der Einlegung eines soge- 
nannten Doppelsonntags im Gemeinjahr und zweier Doppelsonntage im Schalt- 
jahr von verschiedenen Seiten gefordert worden. 
Der Zeitpunkt, wo die griechisch-orthodoxen Bulgaren sowie die Türken 
gerade den gregorianischen Kalender für ihr bürgerliches Leben angenommen 
haben, wobei sie kleine religiöse Bedenken zurückstellten, ist wohl nicht geeignet, 
ihnen sofort eine Anderung des Systems aufzudrängen, das ihnen noch vor 
kurzem als das beste gepriesen wurde. Es heißt vollends sehr optimistisch 
denken, wenn man mit dem Urheber des Vorschlages annimmt, nach dem Kriege 
würden sogar unsere Feinde die Neuerung so gut annehmen, wie seinerzeit die 
deutschen und englischen Protestanten nach und nach den gregorianischen 
Kalender angenommen haben. 
Gegenwärtig möchten wir jedoch von der politischen Frage zunächst ab- 
sehen und unser Auge nur auf die kalendarisch-technische Seite richten. Käme 
die Neuerung durch, so würde in die Tageszählung ein Element der Un- 
sicherheit kommen, wie sich aus dem Folgenden ergeben wird. 
Die richtige Datierung von Ereignissen ist eine Angelegenheit nicht nur 
der Natur- und Geschichtsforschung, sondern auch des öffentlichen Lebens, d.h. 
des Rechts- und Geschäftslebens, Daß bei wichtigeren Beobachtungen und ebenso 
bei anderen maßgebenden Urkunden nicht nur Datum und Jahr, sondern auch 
der Wochentag angegeben werde, ist eine nützliche Vorschrift, Möglicherweise 
würde sie schon laxer gehandhabt werden, wenn man wüßte, daß z.B. der 
25. Januar sowieso immer ein Mittwoch wäre, daß es also anscheinend keinen 
Sinn hätte, ihn im Einzelfalle noch als solchen zu bezeichnen, Da nun erfahrungs- 
gemäß die meisten Menschen bei der Datenzählung gelegentlichen Fehlern unter- 
liegen, würde die so wichtige Kontrolle durch den Wochentag wegfallen. Das 
gilt besonders von einem Fehler, der viel häufiger gemacht wird als man denkt, 
nämlich von der falschen Jahreszahl. Wer von uns hat nicht schon in einem 
Briefe, den er in der ersten Januarhälfte schrieb, das alte Jahr angegeben? 
Hat er Wochentag und Datum richtig vereint, so kann der Brief gleichwohl 
später als Beweisstück dienen; oder man müßte schon entweder das Zusammen- 
treffen von zwei bestimmten Fehlern annehmen oder eine Unsicherheit um fünf 
oder sechs Jahre. Selbst in späteren Monaten wird, wovon manches Beobachtungs- 
buch zeugen dürfte, das Jahr gelegentlich falsch angegeben; besonders aber bei 
Ereignissen, die man nicht sofort niedergeschrieben hat, vielmehr erst nach 
Jahren aus dem Gedächtnis auskramt. Das Jahr wird hier sehr rasch um die 
eine oder andere Einheit unsicher; aber eine Angabe wie etwa die, daß in jenem 
Jahre Weihnachten auf einen bestimmten Wochentag gefallen ist, würde nach 
dem alten, nicht.jedoch nach dem neuen System die Feststellung gestatten, da 
eine Unsicherheit um fünf oder sechs Jahre nicht leicht vorkommen wird. Auch 
das gilt gleicherweise von Beobachtungen wie von Rechtsgeschäften, 
Den scheinbaren Vorteil der festen Verkettung von Wochen- und Monats- 
tag müßte man mit dem wunderlichen, im Gemeinjahr einmal und im Schaltjahr 
zweimal einfallenden Doppelsonntag erkaufen, der zweifellos, besonders wo es sich 
um verblassende Erinnerungen handelt, weit mehr Fehler im Gefolge haben wird 
als der vielberufene und sogar zu einer Schicksals-Tragödie benutzte 29. Februar). 
Auch dem religiösen Empfinden, z. B. der Israeliten und Moslem, würde die 
Durchbrechung des altehrwürdigen Zyklus der Woche kaum entsprechen; wir 
‘\ Bei Reisen um die Welt hätte man unter Umständen drei Tage nacheinander Sonntar.
	        
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