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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1916,
Die Verschiebung des synodischen Luftdrucksystems unter dem Einfluß
der 18.6 jährigen Mondperiode. _
Von F, Schuster, Oberstleutnant a. D., Karlsruhe. ®
In meiner Abhandlung: »Die 18,.6jährige Mondperiode in meteorologischer
Hinsicht« — Meteorologische Zeitschrift 1913, S. 488 — habe ich den Einfluß
der 18.6 jährigen Periode, des Mondzirkels, auf den Luftdruck, die wässerigen
Niederschläge, auf die Temperatur und die Windbewegung in großen Mittelwerten
nachgewiesen, und ich habe ferner in der Arbeit: »Die Anderung des Luftdruckes
in mondperiodischen Wellensystemen und deren Interferenz« — Annalen der
Hydrographie und Maritimen Meteorologie 1914, S. 433 u. ff. — unter anderem
gezeigt, wie das synodische Luftdrucksystem unter dem Einfluß des Mondzirkels
eine regelmäßige zeitliche Verschiebung, und zwar im Sinne der Bewegung des
Mondzirkels, erleidet.
Nachdem neuerdings die Beobachtungsreihe von 35 auf 42 Jahre, also
über die doppelte Zeit eines Mondzirkels hinaus, erstreckt werden konnte, und
die erwähnte Verschiebung in Ursache und Wirkung einen sicheren Abschluß
erreicht hat, so dürfte eine zusammenfassende Beschreibung des Phänomens wohl
am Platze sein.
Unter den mondperiodischen Wellensystemen, für die ich aus langen Ver-
suchsreihen große Mittel bildete, ist zweifellos das aus dem synodischen Monat
das regelmäßigste und in den Jahreszeiten beständigste, weil hier allein nur die
Stellungen‘ der Sonne und des Mondes zur Erde entscheidend in Frage kommen.
Die Beständigkeit ist der Art, daß man für einen bestimmten Ort geradezu von
einem Normalbarometergang wird sprechen können.
In den Annalen 1914 gibt die Figur 3 auf S. 433 die Hauptmittel des Luft-
druckes aus dem synodischen Umlauf für Karlsruhe in der Weise, daß die mittlere
Kurve das Hauptmittel aus einer 35 Jahre umfassenden Untersuchung, die Kurven
darüber und darunter aber die Mitte} der betreffenden Winter- bzw. Sommer-
halbjahre ersehen lassen. Das Charakteristische dieser Kurven ist eine halb-
monatliche Periodizität, deren Minima zu Neu- und Vollmond liegen; die zwischen-
liegenden Maxima sind, deutlich sichtbar im Jahresmittel und im Mittel der
Winterhalbjahre, durch Minima geringeren Grades gekerbt.
Aus diesen Kurven geht ferner unzweifelhaft hervor, was sich übrigens
bei allen meinen Untersuchungen, die nach Jahreszeiten getrennt durchgeführt
wurden, bestätigte, daß sich die Mondwirkung im Winter weit deutlicher offen-
bart als im Jahresmittel oder im Sommer,
Dieser Umstand bewog mich, nachdem schon früher der starke Einfluß
der 18.6 jährigen Mondperiode auf zeitliche Verschiebung des synodischen Wellen-
systemes von mir erkannt worden war, eine Untersuchung über diesen Einfluß
lediglich in den Wintermonaten aufzunehmen, deren Ergebnisse anbei in Figur 1
dargestellt sind. .
Die sechs oberen Kurven dort sind der Reihe nach Mittelwerte des Luft-
druckes aus den 12 bis 13 synodischen Monaten der Doppelwinterhalbjahre 1877/79,
1886/88, 1891/93, 1898/00, 1905/07 und 1912/14 für Karlsruhe. Die Abstände von
7 Jahren sind gewählt, um. die Verschiebung durch den langen Zeitraum von
über zwei Mondzirkein in leicht übersehbarer Weise darstellen zu können.
Die oberflächliche Betrachtung der sechs Kurven zeigt schon, daß die
Neu- und Vollmondstellungen von den Maxima gemieden werden, so daß letztere
also in der Regel zwischen diese Mondstellungen zu stehen kommen; dabei ist
jedoch eine zeitliche Verschiebung des ganzen durch die sechs Kurven gegebenen
Systems in’der Richtung von. Ost nach West unverkennbar, und zwar entspricht
das Zeitmaß dieser Verschiebung, wie durch Probieren festgestellt wurde, am
besten dem der Bewegung der Knotenlinie der Mondbahn auf der Ekliptik.
Eine ganze Umdrehung der Knotenlinie, der Mondzirkel, findet bekannt-
lich innerhalb der Zeit von 18.6 Jahren statt, und wenn man von den beiden
eingezeichneten Diagonalen die durchgezogene in der Figur 1 von ihrem Anfang