Defant, A.: Theoretische Überlegungen über Seespiegelschwankungen in Seen und Meeresbuchten. 33
einwirkungen; auch diese Größe dürfte mit den Dimensionen des Sees und mit
seiner Bodenfiguration in Zusammenhang stehen, .
Über die Störungskräfte X, denen wir die Auslösung von Schwingungs-
bewegungen in Seen und Buchten zusprechen müssen, wissen wir wenig. Inwie-
weit kurzperiodische Schwankungen des Luftdrucks und des Windes, die wir
durch den Variographen und durch das Druckanemometer messend verfolgen
können, von Einfluß sind, weiß man nicht genau; einige Beziehungen zu den
Seiches sind an schottischen Seen konstatiert worden. Kurze örtliche Störungen
im Gleichgewichte der Wassermassen überlagern sich den Eigenschwingungen,
ohne sie viel zu stören. Dazu gehören auch jene Wellen, die durch Dampfer,
die an der Limnographenstation nahe vorbeifahren, erzeugt werden. Beispiele
dafür liefern folgende Figuren 1 und 2, . Figur 1 gibt einen Teil einer Limno-
graphenaufzeichnung in Riva am Gardasee vom 12, April 1903, zwischen 11% V
und 1% N. Die Grundschwingung voh rund 43 Minuten Dauer war gut ent-
wickelt. Die Störungen vor Mittag, dann zwischen 12» M und 1? N und etwas
nach 1M N rühren von Dampferwellen her, Sie bringen keine merkliche Störung
im Verlaufe der Grundschwingung, Die Störung durch Dampferwellen löst sich
in eine Anzahl regelmäßiger Wellen auf, wenn die Geschwindigkeit der Regi-
strierung größer ist. In Figur 1 entsprach einer Stunde 60 mm, in Figur 2, in
der ebenfalls Dampferwellen vom 1. September 1903 zwischen 2 und 3% N wieder-
gegeben sind, entsprach einer Stunde 120 mm. Die Auflösung der Störung in
abklingenden Wellen ist deutlich ausgeprägt. Man erkennt hierin auch die durch
die Wirkung des Bugs des Schiffes erzeugten Seitenwellen als Haupterscheinung,
denen die Querwellen mit. geringerer Amplitude überlagert sind. Solcher Bei-
spiele enthalten die Registrierungen von Riva eine große Menge.
Fig, 1.
1
uRV
N
Mttg.
N
Limnogramm von Riva am Gardasee mit Dampferwellen (im Original 1 Stunde = 60 mm), 12, April 1903.
Wi. 2
A
A
N
2745 N
Dampferwellen in Riva am Gardasee (im Original 1 Stunde — 180 mm), 1. September 1903.
Die etwas zu freie Aufstellung des Limnographen gestattete auch die
Registrierung von Windwellen, die in Riva am Nachmittag, bei Eintritt des See-
windes, Ora genannt, mit großer Intensität auftreten und zeitweise die Auf-
zeichnungen, namentlich bei der kürzeren Registriergeschwindigkeit, ganz un-
brauchbar machten. Bei der größeren Registriergeschwindigkeit ergab sich die
Auflösung der sonst verworrenen Bilder. Fig. 3 zeigt eine solche vom 11. Sep-
tember 1903 zwischen 9h 30min V und 10h 30minV, An vielen Fällen konnte konstatiert
werden, daß auch bei den größten Orawellen die Grundschwingungen in ihrer
Hauptsache erhalten blieben; meistens trat aber mit Orabeginn auch eine Ver-
Ann. d. Hvdr. usw. 1918. Heft 1. 7