412 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1916.
der Fall. Namentlich im Januar war die Temperatur im Zusammenhange mit
vorwiegend westlichen Winden durchschnittlich außerordentlich hoch, so daß im
allgemeinen der Winter milde (durchschnittlich zu warm) war.
Frostperioden traten in der Nordsee nur zwei auf; die eine vom
26./27. XI. bis in die ersten Dezembertage, die andere in den letzten Februar-
und den ersten Märztagen. In der Ostsee zeigten sich ähnliche Temperatur-
schwankungen wie in der Nordsee, nur lagen sie durchschnittlich in Rügenwalder-
münde etwa 3°, in Memel etwa 4° oder mehr tiefer als in der Nordsee, wodurch
es in Rügenwaldermünde zu vier, in Memel sogar zu fünf Frostperioden kam.
Die Eisverhältnisse an der Nordseeküste
haben nur der Schiffahrt mit kleinen Seglern einige Schwierigkeiten verursacht;
an 9 Tagen in Tönning, an 11 Tagen bei Belumerschanze, Die Dampfschiff-
fahrt ist an der Nordsee nicht behindert gewesen,
Die Eisverhältnisse an der Ostseeküste.
a. An der schleswig-holsteinischen Küste
ist die Dampferfahrt, wie auch im Winter vorher, immer möglich gewesen. Die
Segelschiffahrt ist aber zwischen Rendsburg und der Hohner Fähre und von
Schleimünde bis Schleswig und in Apenrade und auf der Haderslebener Förde
und in Orbyhage teils geschlossen, teils nur erschwert gewesen; am längsten
zwischen Rendsburg und der Hohner Fähre, von wo 10 Tage mit erschwerter
und 12 Tage mit geschlossener Segelschiffahrt gemeldet worden sind. Die erste
Eisperiode lag zwischen dem 29. XL und dem 7. XIL, die zweite zwischen dem
21. und dem 31. XIL Später ist in diesen Gewässern kein nennenswertes Eis
mehr aufgetreten.
b. Von Fehmarnsund bis zur Trave
sind keinerlei Eisschwierigkeiten gemeldet worden, ;
c. Die mecklenburgischen Gewässer und die Gewässer um Rügen bis Thiessow
haben erschwerte und zum Teil auch geschlossene Segelschiffahrt gehabt; am
meisten gemeldet hat Barhöft von den nördlichen Einfahrten in den Bodden,
mit 9 Tagen erschwerter und mit 15 Tagen geschlossener Segelschiffahrt. Die
Frost- und Eisperioden haben hier schon etwas länger gedauert als an der
schleswig-holsteinischen Küste, nämlich vom 29. XI. bis 8. XII und vom 21. XII.
bis 2. 1. Hier hat auch leichtes loses Eis die Segelschiffahrt noch einmal vom
925. bis 29. IL erschwert.
d. Stettiner Haff und pommersche Küste.
Im Stettiner Haff hat Eisbrechertätigkeit an 18 Tagen stattgefunden, die
Segelschiffahrt ist an 4 Tagen erschwert und an 15 Tagen geschlossen gewesen, die
Dampfschiffahrt hat aber immer aufrechterhalten werden können. Ahnliche
Verhältnisse haben im Hafen von Swinemünde stattgefunden. Aus anderen Orten
der hinterpommerschen Küste sind keinerlei Eishindernisse gemeldet worden,
e. West- und ostpreußische Küste und Frisches Haff,
Von den preußischen Küsten und vom Hafen Neufahrwasser bis Danzig
sind keine Eishindernisse gemeldet worden. Pillau hat nach den Meldungen
aber 9 und Memel 10 Tage mit erschwerter Segelschiffahrt gehabt. Die XEis-
schwierigkeiten im Frischen Haff sind schon weiter vorn besprochen; sie sind
durch Eisbrecher, die an 75 Tagen tätig gewesen sind, soweit überwunden, daß
die Dampfschiffahrt im Seekanal bis Königsberg nicht geschlossen gewesen ist.
Vom Kurischen Haff, abgesehen vom Fahrwasser bis Memel, gehen keine Mel-
dungen bei der Deutschen Seewarte ein.