Ann. d. Hydr, usw., XXXXIV. Jahrg. (1916), Heft VINH.
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Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1915/16.
(Amtlich) . ;
In dienstlichem Auftrage bearbeitet von Kapt. 6. Reinieke,
(Hierzu Tafel 12.}
Im Kriegswinter 1915/16 sind außer den täglichen Eis-Telegrammen der
Küstenbezirksämter Wilhelmshaven und Kiel von 20 Beobachtungsstellen an der
Nordsee und 28 Beobachtungsstellen an der Ostsee Monatsberichte über die Eis-
verhältnisse an die Deutsche Seewarte gesandt worden. Aus diesen Berichten,
die nicht, wie im Frieden, mit den Wetterberichten täglich oder als Monats-
berichte veröffentlicht worden sind, ist die Übersicht über die Eisverhältnisse
des ganzen Winters in der folgenden Tabelle zusammengestellt. Die von Be-
hörden der Uferstaaten gütig zur Verfügung gestellten Berichte haben dabei als
Ergänzung gedient.
Die Verschiedenheit der Eisverhältnisse beruht zum Teil auf der bekannten,
nach Tafel 12 auch im verflossenen Winter bestätigten Erscheinung, daß die
Zahlen der Frosttage von Westen nach Osten hin zunehmen, sie ist zum Teil
aber von Temperaturunterschieden unabhängig und hat andere Ursachen. Wenn
z. B. die Spalte »Frisches Haff bis Königsberg« 97 Tage mit. Schluß der Dampf-
schiffahrt, die Spalte «Seekanal« gleich daneben aber keinen einzigen solchen
Tag zeigt, wiewohl beide Gewässer zum Teil zusammenfallen, so ist die Ursache
davon der Verkehr und die Eisbrechertätigkeit im Seekanal; und wenn in der
folgenden Spalte »Frisches Haff bis Elbing« als Summe aller Tage mit Eis-
meldungen nur die Zahl 63 erscheint, wiewohl die vorhergehenden Spalten aus
dem Frischen Haff die Zahlen 116 und 110 aufweisen, so muß man das dem
Überwiegen südöstlicher bis südwestlicher Winde zuschreiben, die das Eis in den
nördlichen Teil des Haffs getrieben haben, denn die Zahl der Tage mit Frost
dürfte auf allen Teilen des Haffs nahezu dieselbe sein, und auch der Verkehr
auf dem Frischen Haff bis Elbing unterscheidet sich vom Verkehr auf dem
Frischen Haff bis Königsberg (wenn man vom Seekanal absieht) nicht so wesent-
lich, daß sich die vollständig verschiedenen Eisverhältnisse dadurch erklärten.
Immerhin sind die Eisverhältnisse in den Ostseegewässern verhältnismäßig ein-
fach und hauptsächlich vom Frost, vom Winde und vom Verkehr abhängig, an
der Nordsee werden sie durch die Tiden außerordentlich viel verwickelter, und
namentlich für den Seemann, der in einem strengen Winter von See aus einen
Nordseehafen anlaufen muß, sehr viel schwerer zu beurteilen. Glücklicherweise
sind aber die Winter an der Nordsee vielfach sehr milde.
Die Temperaturverhältnisse des Winters 1915/16
zeigt die folgende Tabelle der Abweichungen von den Mitteltemperaturen für
Borkum, Keitum, Rügenwaldermünde und Memel. Die mit + bezeichneten Werte
liegen über, die mit — bezeichneten Werte liegen unter den langjährigen Mittel-
werten.
Monate
November 1915 .
Dezember « .
Januar 1916...
Februar € x
März «
April
Borkum
i}
>
A 1.1
Keitum
:O.
42
1.0.6
40.6
119
! Rügenwalder-
münde
’
4
15
$
Memel
— 1.4
—09
“31
„16
10
1292
Danach war der November allerdings verhältnismäßig kalt; aber schon
im Dezember lagen die Mittelwerte, mit Ausnahme desjenigen von Keitum, über
den langjährigen Mittelwerten, und im Januar und Februar war dies erst recht
Fortsetzung des Textes auf S. 412,
Ann. d. Hydr. usw. 1918. Heft VIIT