Uß
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1916.
Die Witterung an der deutschen Küste im Mai 1916.
(Amtlich)
In seinen Monatswerten kennzeichnete sich der Monat Mai bei meist etwas
zu niedrigem Luftdruck und im ganzen ziemlich gleichmäßig auf den Horizont
verteilten Windrichtungen als ziemlich warm und im Westen als etwas zu trüb,
dagegen im Osten als teilweise zu heiter; die monatlichen Niederschlagsmengen
blieben teils über, teils unter den vieljährigen Werten, und das gleiche gilt von
den aufgezeichneten Windgeschwindigkeiten, soweit Mittelwerte zum Vergleich
herangezogen worden sind. >
In bezug auf das Vorkommen von Tagen mit Regenfällen war das Wetter
sehr veränderlich. An der ganzen Küste waren bis auf vereinzelte und gering-
fügige Niederschläge trocken zehn Tage, der 1., 4., 5, 13., 16. bis 20. und 24.
Regenfälle traten in größerer Ausdehnung ein am 2. an der Nordsee, 3. von
der Elbe bis Pommern, 6. ostwärts bis Pommern, 7. ostwärts bis zur Elbe, 8. ost-
wärts bis Pommern, 9. an der ganzen Küste, 10. ostwärts bis Pommern, 11. an
der ganzen Küste, 12. von Rügen ostwärts, 14. ostwärts bis Pommern, 15. an der
ganzen Küste, 21. an der Nordsee und östlichen Ostsee, 22. ostwärts bis Pommern,
23. an der Ostsee, 25. ostwärts bis zur Oder, 26. an der Nordsee, 27. und 28, ost-
wärts bis Pommern, 29, und 30. ostwärts bis Mecklenburg und: am 31. an der
westlichen Ostsee. Heiteres Wetter wurde in größerer Erstreckung beobachtet
am 1. an der ganzen Küste, am 2, an der Ostsee, 4. an der ganzen Küste, 5. an
der Ostsee, 7. von der Elbe bis Rügen, 13. an der Nordsee, 14. an der östlichen
Ostsee, 16. bis 20. ostwärts bis zur. Oder, sowie vom 25, bis 30. an der östlichen
Ostsee. Nebel trat nur ganz vereinzelt auf. Gewitter stellten sich in größerer
Verbreitung ein am 3. an der Ostsee, 6. ostwärts bis Pommern, 7. an der Ööst-
lichen Ostsee, 8. an der westlichen Ostsee, 21., 25. und 26. an der Nordsee, 27. ost-
wärts bis zur Oder, in der Nacht 28./29, über Rügen und Umgebung, sowie am
30. an der Nordsee von der Elbe nordwärts. Steife und teilweise stürmische
Winde traten über größeren Gebieten auf aus westlichen Richtungen am 10. ost-
wärts bis Mecklenburg, am 11. von der Weser bis Pommern, am 16. an der Ost-
see, sowie aus Östlichen Richtungen am 29. über Rügen und Umgebung,
Nachdem am 1. Mai im Bereiche eines über die Nordsee südostwärts nach
Deutschland reichenden Hochdruckgebiets trockenes Wetter geherrscht hatte,
brachte ein am Abend dieses Tages über Frankreich gelegener Ausläufer eines
vor dem Kanal heranziehenden Tiefdruckgebiets, der bis zum 4, nordostwärts
nach Skandinavien fortschritt, für den 2. und 3. angegebenen Regenfälle, die an
der Ostsee weit verbreitet mit Gewitter auftraten. Schon am Morgen des 4,
zeigte sich ein neuer Tiefausläufer über Frankreich; zwischen diesem und dem
vorangehenden aber erstreckte sich ein flacher Hochdruckausläufer nordwest-
wärts nach der Nordsee, der am 4. trockenes Wetter herbeiführte, und dieses
erhielt sich noch am 5. auf der Vorderseite des nordostwärts vordringenden
neuen Tiefausläufers, der bis zum 5. nach dem Skagerrak zog und eines in ähn-
licher Richtung nachfolgenden Tiefausläufers; bei schwachen südlichen, aus dem
Inland wehenden Winden und vorwiegend heiterem Himmel stellten sich am 5.
und 6. die höchsten Temperaturen des Monats ein. Indem sich diese Ausläufer
des über dem Ozean liegenden Tiefdruckgebiets weiter ostwärts über Continental-
Suropa ausbreiteten, stellten sich mit ozeanischen Winden am 6. Regenfälle ein,
und diese traten dann bis zum 11. täglich an der Nordsee und teilweise an der
Ostsee auf, da vom 7. bis 9. ein neuer Tiefausläufer von Südfrankreich über
Deutschland nach dem Süden der Ostsee und Südschweden vordrang und ein
vierter am 10. und 11., teilweise von stürmischen Winden aus westlichen Rich-
tungen begleitet, vom Kanal her durch Norddeutschland nach dem Süden der
Ostsee nachfolgte.
Der letztgenannte Tiefausläufer löste sich von dem ozeanischen Tiefdruck-
gebiet ab und trat in Verbindung mit einem Tiefdruckgebiet über Rußland; in
seinem Rücken drang ein Hochdruckgebiet von Frankreich vor und trat in Ver-
bindung mit einem über dem hohen Norden lagernden Hochdruckgebiet; auf